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"Maischberger": Brisante Frage zu eigenem Missbrauch - so bringt Niedecken Bischof in Bedrängnis

Es war ein "pädophiler Sadist": Wolfgang Niedecken wurde als Jugendlicher von einem Pater mehrfach missbraucht. Bei "Maischberger" konfrontiert er Bischof Ackermann mit seinen Erlebnissen - und bringt ihn mit einer persönlichen Frage zu seinem Fall in Bedrängnis.

Wolfgang Niedecken

Wolfgang Niedecken schildert bei "Maischberger" eindringlich seine Erfahrungen in einem katholischen Internat.

ARD

"Missbrauch in der katholischen Kirche: aufklären oder vertuschen?" lautete das Thema bei Sandra Maischberger am Mittwochabend. Prominenter Gast: Wolfgang Niedecken. Der BAP-Sänger wurde in seiner Kindheit selbst Opfer von sexuellem Missbrauch. In seinem Internat in Rheinbach machte er schlimme Erfahrungen mit einem Priester. Bei "Maischberger" schilderte er seine Erlebnisse – und brachte mit einer Frage Stephan Ackermann, den Bischof von Trier, in die Bredouille.

"Sittenstrolch" nennt Niedecken den Pater, der ihn missbrauchte. Das sei ja wohl etwas untertrieben, wirft Maischberger daraufhin ein. Niedecken korrigiert sich zu "pädophiler Sadist“. Als Schüler sei er mit einem Stock verprügelt worden, den er selbst habe schnitzen müssen, erzählt Niedecken. Doch das sei nicht das Schlimmste gewesen. "Wenn ich Pech hatte, wurde ich danach abends zum Trost noch aus dem Bett geholt, und dann wurde befummelt", sagt der 67-Jährige. Das System des Missbrauchs sei perfektioniert gewesen. "Wir mussten unserem Peiniger auch noch beichten", erklärt er. Viele seiner Mitschüler, die ebenfalls missbraucht wurden, hätten sich selbst die Schuld an den Übergriffen gegeben. "Wir hatten die Vokabeln ja nicht gelernt. Es war der perfekte Psychoterror."

Pater wurde offenbar nie zur Rechenschaft gezogen

Von April 1962 bis 1970 besuchte Niedecken das Konvikt St. Albert, ein Internat der Pallottiner. Bereits 1990 hatte er in seinem Buch "Auskunft" über den sexuellen Missbrauch geschrieben und sein Schweigen gebrochen. Auch in seinen Songs waren die Erfahrungen Thema. Inzwischen könne er relativ nüchtern über die schlimme Zeit sprechen, sagt Niedecken. Doch eines treibt ihn immer noch um: Der Pater, der ihn damals missbrauchte, wurde offenbar nie zur Rechenschaft gezogen.

Sein Vater habe die Striemen an seinem Rücken entdeckt und sich daraufhin bei der Internatsleitung beschwert, erzählt Niedecken. Der Pater sei daraufhin aus der Schule versetzt worden. Doch danach sei nie wieder darüber gesprochen worden. "Mein Vater hat mir das verboten", sagt Niedecken. Sein Fall sei Teil der jahrelangen Vertuschung innerhalb der katholischen Kirche gewesen, klagt Niedecken an und konfrontiert Bischof Ackermann dann mit einer konkreten Frage zur Akteneinsicht in seinen Fall.

Niedecken geht Bischof an

Er wisse bis heute nicht, ob der Täter überhaupt noch lebe und ob er im Zuge der Aufklärung der Missbrauchsfälle doch noch von der Kirche zur Rechenschaft gezogen wurde. "Wenn ich meine Stasiunterlagen anfordere, kriege ich die Informationen. Wenn ich den Orden frage, was ist eigentlich aus dem Pater geworden, der mich damals missbraucht hat, kriege ich die überhaupt?“, will Niedecken wissen.

Bischof Ackermann zeigt Verständnis für Niedeckens Situation. "Die Kirche hat eine Informationspflicht gegenüber den Betroffenen“, erklärt er. "Wir haben uns ja dazu verpflichtet, den Betroffenen zu sagen, was in einem Verfahren am Ende rausgekommen ist, wie die Strafe ausfiel, ob der Täter noch lebt oder verstorben ist.“ Wenn der Fall in seinem Bistum passiert wäre, dann "würde ich ihnen die Information geben", sagt Ackermann dem Musiker.

mai