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"Die drei ???": Die Rückkehr der Kult-Detektive

Drei Jahre lang mussten die Hörspiel-Detektive Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews ihr Revier für die Konkurrenz räumen und unter dem Namen "Die Drei" ermitteln. Nach Ende des Streits um die Urheberrechte feiern "Die drei Fragzeichen" ein fulminantes Comeback.

Von Kai Behrmann

Jupiter Jones hat die Faxen endgültig dicke. Drei Jahre lang musste der Chef der Hörspiel-Detektive "Die Drei" sich das Gezeter seiner beiden Kollegen anhören. Während Peter sich ohne Erfolg den Kopf darüber zerbrach, warum sein Nachname Shaw plötzlich durch die Silbe "Cren" verlängert worden war, feixte Bob Andrews pausenlos, dass er als einziger des aufgeweckten Trios weiterhin seinen ursprünglichen Namen tragen durfte. Jupiter platzt der Kragen. Er greift zum Telefonhörer und teilt seinem Vorgänger Justus Jonas alias Sprecher Oliver Rohrbeck mit: "Ich habe die Schnauze gestrichen voll. Ihr könnt Euer Detektivbüro zurückhaben." Mit diesen Worten endet auf der Bühne im Hamburger Kulturzentrum "Fabrik" offiziell die juristisch verordnete Zwangspause der Kultserie "Die drei Fragezeichen". In Zukunft müssen die Kriminellen in der Gegend um die kalifornische Kleinstadt Rocky Beach wieder vor Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews zittern.

(Wieder-)Geburtstagsparty mit Chips und Luftballons

Seit Anfang 2005 hatten die drei cleveren Spürnasen aufgrund eines Streits um die Urheberrechte zwischen dem Hörspiel-Label Europa und dem Kosmos-Buchverlag nur im Tarnanzug unter Pseudonymen ermittelt. Am 13. Februar wurde die gerichtliche Auseinandersetzung schließlich beigelegt. Sehr zur Freude der treuen Fangemeinde. Gemeinsam mit den Sprechern Oliver Rohrbeck (Justus Jonas), Jens Wawrczeck (Peter Shaw) und Andreas Fröhlich (Bob Andrews) feiert sie am 30. März 2008 in Hamburg die (Wieder-)Geburtstagsparty der vertrauten Charaktere. Von der Decke schweben Luftballons und Papierschlangen auf die Gäste herab. Dazu gibt es Chips und Gummibärchen. Anschließend heißt es: Licht aus, Kopfkino an. Der Saal wird zum Kinderzimmer. Gebannt lauscht das Publikum den beiden neuen Folgen "Spur ins Nichts" (121) und "Der Geisterzug" (122).

"Toll, dass jetzt wieder alles so ist, wie es einmal war", frohlockt Rouwen Karmitz, der mit seinen Freunden André Ziller, Benjamin Tüzen und Max Prondzynski aus Elmshorn in Schleswig-Holstein nach Hamburg gekommen ist. Die vier Jugendlichen im Alter zwischen 19 und 21 Jahren hören seit frühesten Kindheitstagen die Kassetten der Kultserie. "Am liebsten vor dem Einschlafen oder beim Autofahren", verrät Max Prondzynski. Zwar sind sich alle darüber einig, dass die Vertreter von Justus, Bob und Peter ihre Sache in den neun Fällen, die sie zu lösen hatten, ganz ordentlich gemacht haben. "Schließlich war es wichtig, dass es überhaupt weitergeht." Doch an die Originale seien sie bei weitem nicht herangekommen.

"Hurra, ich bin nicht peinlich!"

Für Stefan Jeske aus Eckernförde sind es dabei Kleinigkeiten, die den Unterschied ausmachen. "Bei den Namen und der Musik ist eine Menge Nostalgie mit im Spiel", sagt der 34-Jährige. "Wenn ich die höre, kann mich genau daran erinnern, wie ich mich als Kind gefühlt habe." Darin liege laut Rohrbeck das Geheimnis, warum sich Erwachsene wieder vor dem Kassettenspieler scharen, um den Helden von früher bei der Jagd nach grünen Geistern, tanzenden Teufeln oder silbernen Spinnen zuzuhören. "Das ist ein Ausstieg ins Zeitlose", so Rohrbeck. In der "Fabrik" wird der Nostalgietrip zum Massenerlebnis. "Hurra, ich bin nicht peinlich! Die Menschen merken: Ich bin ja nicht der einzige, der das macht", beschreibt der Justus-Jonas-Sprecher das ???-Phänomen.

Obwohl Rohrbeck der Meinung ist, dass "Die Drei" eine wunderbare Lösung waren, um Justus, Bob und Peter nicht zu Grabe tragen zu müssen, sind er und seine Sprecherkollegen froh, ab sofort wieder unter ihren vertrauten Namen auf Verbrecherjagd gehen zu dürfen. "Ich habe mich in den ersten Folgen mindestens 38 Mal versprochen und permanent Justus gesagt", erinnert sich Fröhlich. Allerdings habe er vor dem Mikrofon nie das Gefühl gehabt, dass es sich um etwas anderes handelt als um "Die drei Fragezeichen". "Wir waren und sind selbst unter den Pseudonymen immer Justus, Bob und Peter gewesen." Nur die Verpackung sei vielleicht eine andere gewesen.

Homoerotische Boygroup

Die Fans sind dennoch froh, wieder in ihrem alten ???-Kosmos gelandet zu sein. Neuerungen haben es schwer bei den traditionsbewussten Anhängern der berühmten Hörspiel-Detektive. So scheiterte beispielsweise der Versuch, den drei schlauen Köpfen eine Freundin an die Seite zu stellen. "Die Jungs sind wie eine Boygroup", erklärt Rohrbeck. "Sobald es publik wird, dass einer von denen eine Freundin hat, funktioniert das Konzept nicht mehr." Außerdem stünden die drei Fragezeichen ohnehin eher in einer komischen homoerotischen Beziehung zueinander. "Die sind so dicke Freunde, da kommen einfach keine Mädchen dazwischen."

Ganz in ihrer Entwicklung bleiben Justus, Bob und Peter trotzdem nicht stecken. "Die neuen Geschichten sind etwas erwachsener", sagt Fröhlich. Die Charaktere seien nicht mehr so naiv und trottelig wie am Anfang, ergänzt Wawrczeck. Dennoch bleibt unklar, wie alt Justus, Bob und Peter genau sind. "Zwischen 18 und 21", schätzt Rohrbeck. "Auf jeden Fall haben sie aber das Selbstbewusstsein aus über 100 erfolgreich gelösten Fällen." Gleiches gilt übrigens auch für die Sprecher, die ihre Rollen mittlerweile so gut verinnerlicht haben, dass sie sich manchmal bei den Aufnahmen sogar über die Drehbuchvorgaben hinwegsetzen.

Zickenalarm unter Detektiven

In einer der neuen Folgen bekommen es die drei Fragezeichen mit der unheimlichen Gestalt des Nachtschattens zu tun. Als Peter sich im Tonstudio verspricht und aus Versehen "Nacktschatten" sagt, faucht ihn Bob genervt an: "Nein, Nachtschatten. Hör doch mal zu!" "Das stand natürlich nicht im Manuskript", erzählt Wawrczeck. Weil es aber eine typische Peter-Reaktion auf Bob gewesen sei, habe man entschieden, die Szene nicht rauszuschneiden. "Solche spontanen Gesprächsentgleisungen machen die Serie sehr lebendig", findet Wawrczeck.

Dass die drei scharfsinnigen Jungs trotz ihrer dreijährigen Ermittlungspause nichts von ihrem Können verlernt haben, beweisen sie in den neuen Folgen. Komplexe Handlung, witzige Dialoge und mysteriöse Rätsel - das Publikum in der "Fabrik" quittiert das Comeback von Justus, Bob und Peter am Ende der Vorführung mit lang anhaltendem Applaus. Lange ausruhen können sich die Meisterdetektive, die seit 1979 jeden Fall erfolgreich zum Abschluss gebracht haben, allerdings nicht auf ihren Lorbeeren. Auf sie wartet viel Arbeit. Insgesamt 18 Bücher liegen derzeit zur Vertonung bereit. Bei allem Altbewährten werden auch diese Fälle wieder einige Überraschungen bereithalten. Eines wird sich jedoch nicht ändern: die Sprecher. "Es würde uns das Herz brechen, nicht mehr dabei zu sein."