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"Drei Fragezeichen"-Jubiläum: Das größte Kinderzimmer der Welt

Fans aus ganz Deutschland haben mit den "Drei Fragezeichen" in der Color-Line-Arena in Hamburg eine riesige Geburtstagsparty gefeiert. Mit von der Partie waren viele altbekannte Charaktere aus 25-Jahren "Drei Fragezeichen": Erzfeind Skinny Norris, Meisterdieb Victor Hugenay und Chauffeur Morton.

Von Nele Justus und Kai Behrmann

Tatort Color-Line-Arena, Hamburg, 2.Oktober, 18.00 Uhr. Langsam füllt sich die Halle mit Fans der "Drei Fragezeichen". Aus Köln, München und Berlin sind sie angereist, um zu Ehren des 25-jährigen Jubiläums der Hörspieldetektive den ersten Fall, "Der Superpapagei", noch einmal zusammen mit ihren Idolen live auf der Bühne zu lösen. Mit ca. 29,5 Millionen verkauften Tonträgern sind die "Drei Fragezeichen" das erfolgreichste Hörspiel der letzten Jahre. Dennoch kennen nur wenige der 12.500 Besucher die Gesichter der Sprecher der drei Fragezeichen. Ein Bild von den drei Jungs aus Rocky Beach in Kalifornien hat sich allerdings jeder gemacht. Der erste Detektiv Justus Jonas ist eine pummelige Intelligenzbestie. Peter Shaw ein sportlicher Angsthase. Und Bob Andrews, ein Bücherwurm mit Brille. Kerstin Fahren (33), schon seit 24 Jahren ein großer Fan der drei Fragezeichen, sieht diesem Abend deswegen mit gemischten Gefühlen entgegen. "Ein wenig Angst enttäuscht zu werden, hab ich schon", erzählt sie. "Was ist denn, wenn die Sprecher ganz anders aussehen, als ich mir das vorgestellt habe?" Trotzdem ist sie sich sicher, dass ihr Fan-Dasein durch nichts erschüttert werden kann. Sie wird Justus, Bob und Peter auch weiterhin die Treue halten.

Einschlafen mit den drei Detektiven

Auffallend ist das Alter der Fans. Das Hörspiel spricht eigentlich die Zielgruppe der sieben bis 14-Jährigen an. Auf den Gängen der Color-Line-Arena sieht man allerdings nur wenige Kindergesichter. Ein, zwei kann man in der Menge ausmachen. Den größten Teil des Publikums bilden jedoch Fans zwischen 20 und 35 Jahren. Annette Wollborn (42) ist mit ihrem Sohn Philip (14) gekommen. Als Kind hat sie die Bücher der "Drei Fragezeichen" verschlungen, welche 1964 erstmals in den USA und vier Jahre später auch in Deutschalnd herausgebracht wurden. Heute verbringt Annette die morgendliche U-Bahnfahrt zur Arbeit mit den drei Freunden Alfred Hitchcocks, der seinen Namen für die Bücher und Hörspiele zur Verfügung gestellt hat. Ihr Sohn Philip hat jedoch mit den "Drei Fragezeichen" nichts mehr am Hut. Früher hat er die Kassetten zwar auch gehört, heute kommen ihm die Hörspiele aber nicht mehr in den Kassettenrekorder. In seinem Freundeskreis ist es "uncool so was zu hören". Dann schon lieber Musik. Philip ist der einzige, der das all abendliche Hören der "Drei Fragezeichen" uncool findet. Die meisten der erwachsenen 12.5000 Fans schämen sich nicht für ihre Kinderkassetten. Für sie ist das Einschlafen mit den drei Detektiven zu einem Ritual geworden, das Kindheitserinnerungen weckt.

19.00 Uhr. Die Arena ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Nach minutenlangem Klatschen und Laola-Wellen erscheint die Band auf der Bühne. Sie wird während des eineinhalbstündigen Bühnenhörspiels live für die Atmosphäre sorgen. Ebenso wie der Geräuschemacher Peter Klinkenberg, vor dem sich ein Berg von alltäglichen Gegenständen auftürmt. Damit erzeugt er Vogelgezwitscher, Reifenquietschen und das Kreischen einer Kreissäge.

Kurz nach 19.00 Uhr heißt es dann: Licht aus, Spot an. Unter großem Jubel laufen die drei Sprecher der drei Fragezeichen Oliver Rohrbeck alias Justus Jonas, Jens Wawrczeck alias Peter Shaw und Andreas Fröhlich der für Recherchen und Archiv zuständige Bob Andrews in schwarzen Fracks mit weißen Hemden und Fliege auf die Bühne. Begrüßt mit Standingovations und minutenlangem Beifall ist den mittlerweile End-Dreißigern die Rührung anzusehen.

Nicht nur spannend, auch noch lusitg

Mancher der Jubiläumsgäste mag bei dem ersten Blick erschrocken sein. So hat Justus Jonas heute einen kahlen Kopf, Peter Shaw ist nicht der blonde große Athlet, sondern eher klein und auch ein wenig dickbäuchig. Nur Andreas Froehlich sieht aus wie man sich Bob Andrews vorstellt, nämlich hoch gewachsen, mit braunem Lockenkopf und einer Brille.

Auf einer Riesenleinwand über der Bühne kann jeder auch in der hintersten Ecke der Halle die Mimik und die Gestik der Protagonisten genau verfolgen. Schnell wird deutlich, dass es bei der Jagd nach einem verschwundenen Gemälde nicht nur spannend, sondern auch lustig zugeht. Die Sprecher überzeichnen die Charaktere so stark, dass das Publikum immer wieder laut in Lachen ausbricht. Oliver Rohrbeck lässt den ohnehin schon schlauen ersten Detektiv Justus Jonas noch intelligenter daher kommen, als in den Hörspielen. So stellt Justus Jonas das eine oder andere Mal seine hervorragenden Lateinkenntnisse unter Beweis und nervt seine beiden Kollegen immer wieder mit seiner geschwollenen Ausdrucksweise. Diese verziehen mehrfach verständnislos das Gesicht, wenn ihr Freund von "spezialgelagerten Sonderfällen" oder Ähnlichem spricht.

Keine Chance für Hugenay und Skinny Norris

Am Ende ist es so wie immer. "Die drei Fragezeichen" sind mit ihrem Spürsinn dem raffinierten Meisterdieb Victor Hugenay und seinem fiesen Helfer Skinny Norris immer einen Schritt voraus und lassen beide letztlich im wahrsten Sinne des Wortes in die Röhre schauen.

Der Abschluss eines gelungenen Abends ist eine Preisverleihung durch Ulli Feldhahn, Senior Vice Manager des Hörspiel-Labels von BMG Records. Unter tosendem Applaus der Zuschauer beziehungsweise Zuhörer überreicht er den drei Sprechern sowie "Drei Fragezeichen"-Drehbuchautor André Mininger und Produzentin Heikedine Körting ein Bild mit dem Konterfei des Superpapageien.

Gelungene Jubiläumsfeier

Auf dem Weg nach draußen begegnet man nur strahlenden und zufriedenen Gesichtern. Die neu aufgelegte Studioaufnahme des "Superpapageis" haben viele in der Hand und schon jetzt wird spekuliert, wann die nächste Folge von "Die drei Fragezeichen" in den Handel kommt. Denn in einem stimmen alle 12.500 Fans überein: 25 Jahre mit Justus, Peter und Bob waren noch lange nicht genug. Weitere Rätsel und Fälle müssen folgen, damit man auch weiterhin jeden Abend beruhigt die Augen zu machen kann, wenn es heißt: "Dürfen wir ihnen unsere Karte zeigen".