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Buchmesse: Um Bücher ging's auch

Es war die größte, die erfolgreichste Buchmesse aller Zeiten - wie in jedem Jahr: die Geschäfte tipptopp, Besucher en masse, Autoren tüchtig, Feste gefeiert, wie sie fielen. Durch die Gänge cruisten schriftstellernde Schauspieler, Moderatoren und andere Kleinkünstler. Und manchmal sogar richtige Dichter.

Es heißt, die Päpstin habe 17 Kölsch intus gehabt, als sie vom Fahrrad flog und sich den linken Arm brach. Dichtung und Wahrheit. Wahrheit oder Dichtung. Als Elke Heidenreich nachts im Foyer des Hotels Frankfurter Hof von RTL nach ihrem Gips befragt wird, erzählt sie jedenfalls das schöne Gleichnis von der Hummel, die eigentlich - rein technisch gesehen - gar nicht fliegen können dürfte, es aber dennoch tut.

Man könnte ganz sauer werden, wenn es in ganz Köln tatsächlich keinen einzigen nüchternen Schriftsteller gäbe, der Frau Heidenreich mit dem Auto nach Hause führe, wenn sie mal 17 kleine Kölsch getrunken hätte. Auf der Messe, da stehen sie nämlich Spalier und wollen ihr die Werke zum Besprechen unter die Arme klemmen. "Hab ich schon, kenn ich schon, schicken Sie's dem ZDF", sagt sie bockig. Wie soll das, bitte schön, gehen, mit gebrochenem Arm?

Dann brummt sie von dannen, und der niederländische Dichter Cees Nooteboom tritt auf. Ganz elegant, mit ochsenblutfarbenen Kniestrümpfen, Schuhen und Cordhosen erzählt er von Engeln und Engelsgleichen. Und gleich muss man an Michael Naumann denken, den früheren Kulturstaatsminister, der am Morgen in einem wehenden roten Theatermantel auf die Buchmesse gerauscht ist und vor Monaten barfuß am Strand von Martha's Vineyard, der Kennedy-Insel, geheiratet hat - man wird ständig an die guten alten Zeiten erinnert, wenn man über die Buchmesse cruist. Und wehmütig wird man auch. "So golden und sexy, wie wir es träumten, wird es nie wieder werden", ahnt Alexa Hennig von Lange in ihrem neuen Roman, "das heißt, in allem, was wir tun, suchen wir tröstenden Ersatz".

Am Morgen des zweiten Tages macht Außenminister Joschka Fischer einen tröstenden Messerundgang. Kaum ist er in Halle 4 angekommen, schmeißt sein Lieblingsverleger Klaus Wagenbach vor Freude gleich die Hörbuchwand um. "Ja, ja, die Radikalen von früher", knarzt der Minister da, "die randalieren heute nur noch am eigenen Stand." Und schon zieht er mit neun Bodyguards und seinem bezopften Sprecher zu Suhrkamp, wo man ihm die Romane gleich gebindeweise in die Hand und in die Stoffbeutel seiner Gefolgsleute und Bodyguards schüttet.

Klaus Wagenbach isst

derweil im Kabuff seines Messestandes schnell eine Wurstsemmel, um wieder zu Kräften zu kommen. Man muss wissen, was Fischer-Besuche für Verleger bedeuten. Suhrkamp-Chefin Ulla Berkéwicz musste nach dem letzten Besuch des Ministers gleich nachdrucken, weil er den Roman "Der Schatten des Windes" gelobt hatte. Diesmal soll Fischer "Das Geschäftsjahr 1968/1969" von Bernd Cailloux loben. Der muss ihm gefallen, es war schließlich auch seine wilde Zeit!

Damals hat Fischer noch mit den Suhrkamp-Lektoren im Grüneburg-Park Fußball gespielt, mit Thomas Schneider und dem berühmten Raimund Fellinger. Später dann, beim Frankfurter Häuserkampf, haben sie sich bei Suhrkamp vor der Polizei versteckt. Bewegte Jahre waren das damals, und der "Che von Kassel" war auch schon da: Bernd F. Lunkewitz.

Zigarrenraucher Lunkewitz gründete zu jener Zeit die "Antiimperialistische Rote Garde Bockenheim", und die war weiß Gott kein Karnevalsverein. Der Maoist und Marxist wurde später Immobilionist und Multimillionist. Nach der Wende kaufte er den durch Brecht & Co. berühmten Aufbau-Verlag, gab die Tagebücher Victor Klemperers und Stefan Effenbergs heraus und stellte Michel Friedman als Herausgeber für das politische Sachbuch ein. Und Joschka Fischer, der wurde Minister und Vizekanzler und lässt sich nun gelegentlich auf einem Balkon in Berlin-Mitte fotografieren, wo er den Thymian mit einem Plastikgießkännchen wässert. "Das Kunstschöne ist immer vor dem Naturschönen", sagt Professor Jan Philipp Reemtsma in der Rede, mit der er sich für den Hoffmann-und-Campe-Kritikerpreis bedankt. Klingt hübsch und irgendwie wahr.

Zur Buchmesse lädt Lunkewitz stets in sein Privathaus ein. Kerzengeflacker an der Auffahrt, Begrüßung mit der Gattin zwischen den Säulen. Er im Smoking, sie in Chanel. Man denkt: Baumeister Palladio, die Villen des Veneto! Aber dann hat doch nur der Architekt des Prinzen Charles diesen Bau vor ein paar Jahren entworfen.

In der Halle hält Lunkewitz traditionell die Begrüßungsansprache, und traditionell klatschen Otto Kern, der Hemdenkönig, Robert Gernhardt, der König der Verse, und Frank Schirrmacher, der Herausgeberkönig der "FAZ". Letzterer führt, nebenbei gesagt, gerade einen Zeitungskrieg gegen die "Welt am Sonntag", weil die etwas ziemlich Gemeines und Aus-dem-Zusammenhang-Gerissenes über seine Freundin geschrieben hat, was wir hier nicht wiedergeben können, weil darin ein Wort mit f vorkommt. Der "WamS"-Chefredakteur schickt dem Journalistenpaar nun dauernd Blumen und Entschuldigungen, aber die schicken sie einfach zurück.

Bei Lunkewitz gibt es Ente mit Knödeln und Vogelfuß-Tische von Meret Oppenheim. Im Treppenhaus hängen Gemälde von Gerhard Richter. Über ihrem vollen Teller hängt die Königin der Literaturagenten und unterhält sich mit der wunderbaren Irene Dische, die auf dem Tisch sitzt. Disches neues Buch "Großmama packt aus" wird gerade von Herrn Schirrmacher vorabgedruckt. Es ist wie in Schnitzlers Reigen, alle hängen mit allen zusammen.

Michel Friedman erzählt vom Kind und vom Philosophiestudium. Er will noch einen zweiten Doktor machen, irgendwas mit Hirnforschung und Moral. Das "Bärbelchen", wie er seine Frau nennt, schreibt ja auch schon am zweiten Buch, obwohl das erste, "Wer, wenn nicht er?", noch handwarm auf der Messe liegt. Friedman nennt Bücher, wie seine Frau sie schreibt, "Chicklits". Es sind diese heiteren Zickenromane, mit denen sich schon Gaby Hauptmann ihren ersten Porsche zusammenschrieb.

In einem Nebenraum sitzt Kulturhüter Hilmar Hoffmann mit dramatischen Augenbrauen und der Verlegerin Inge Feltrinelli. Alexa Hennig von Lange steht melusinenschön in der Landschaft. "Ein herrlicher Abend!", ruft der Literaturkritiker der "Zeit", "ein ganz herrlicher Abend!" Und das ist er wirklich. Nur manchmal, wenn sie nicht beobachtet wird, wirkt Lunkis schöne, junge Frau zwischen Richter-Scala und Gardinenbäuschen, zwischen Königen und Kellnern und Teppichen, die hoch sind wie Almwiesen, ein bisschen melancholisch.

Man hätte sie mit in die Kunsthalle Schirn nehmen sollen, wo der Rowohlt Verlag seine Messeparty abhält. Da kann man wenigstens noch besoffene Dichter und Lektoren sehen, wenn man durch die Rauchschwaden überhaupt gucken kann. Der umflorte Dramatiker Moritz Rinke lispelt dort über "Das große Stolpern", das er gerade beschrieben hat, und die Mädchen mit den Kulleraugen himmeln sein Lispeln an. Vor der Tür zeigt der Waldorfschüler und Buchreihen-Erfinder Lothar Menne, dass er seinen Vornamen auch mit über 60 noch tanzen kann: Arme Hoch, Arme breit, LO -TA.

"Werter Autor, Dein Buch ist nichts als ein Fetzen Papier, der durch die Straßen flattert, Städte verschmutzt und die Müllcontainer des Planeten verstopft", schreibt der Mexikaner Gabriel Zaid, "aus der Zellulose kommt es, und zur Zellulose kehrt es zurück." Und weil das alles so traurig ist und vergebens, deshalb kommen Autoren, Verleger, Agenten und Journalisten einmal im Jahr zur Bescherung nach Frankfurt, feiern mit der ganzen Familie bei Lichterglanz und Fischvorspeise Buch-Weihnachten und freuen sich auf Papis Rede.

Deshalb wirft sich die freundliche "Aspekte"-Moderatorin Luzia Braun in ein Kleid, das an die Netze erinnert, die man früher übers Hinterrad des Fahrrads spannte, um nicht mit dem Rock in die Speichen zu kommen. Deshalb bricht der Filmemacher Heinrich Breloer seinen dreimonatigen Urlaub unter Palmen ab, wo er nackt am Strand dicke Bücher las. Deshalb pilgern die Jungschriftsteller nach Frankfurt, die Köpfe mit dem Sechstagebartschneider rasiert, sodass sie alle gleich aussehen und man den Düffel nicht vom Geiger unterscheiden kann.

Deshalb kommen Dschungelqueen und Dschungelkind, und auch das Ehepaar Kaminer - Olga mit Katzenbuch und Wladimir mit Karaoke. Und eine Pop-Literatin zieht sich erst den Pulloverärmel über die Hand, bevor sie die Klinke zum Messeklo berührt.

Iryna Stepanova und Sergiy Kabachenko sind aus diesem Grund von Kiew an den Main gereist, um Verleger zu finden, die ihre Buchidee "Die lustigen belegten Brote", "Das lustige Gemüse", "Die zauberhaften Hamburger" aufgreifen und vermarkten. Der Hitler-Biograf Joachim C. Fest lädt vielleicht deshalb am letzten Abend der Messe stets die klügsten Köpfe der Branche in die Taunusvilla, die ihm Albert Speers Assistent Cäsar Pinnau gebaut hat. "Der Club der toten Dichter", heißt Fests Party intern. Warum so traurig? Gibt es bei Fests keine lustigen Gemüse und belegten Brote, kein Kölsch?

Übrigens habe

Gerhard Schröder doch sehr gern Vizekanzler werden wollen, erzählen sich zwei ehemalige SPD-Minister am Stand des sanftäugigen Verlegers Joachim Unseld - wenn nur die Partei ihn gebeten hätte. Aber der Münte habe einfach nichts gesagt, der Sauhund. Und nun ist es eben so, dass in den Gängen der Messe gerätselt wird, wo der Exkanzler demnächst gezwungenermaßen mit seinen Erinnerungen aufschlägt. Klaus Eck, President Chief Executive Officer bei Random House, oder, auf deutsch: Der Bertelsmann-Verleger Eck laufe verdächtig brustgeschwellt durch die Gegend, heißt es. 750 000 Euro Vorschuss seien für Schröder geboten worden.

"Peinlich wenig", meint ein Verlagsmann, der gar nicht erst mitbieten will. Den treiben andere Vorfreuden um. Er wird bald Vater. Irgendwann muss er es nur noch seiner Ehefrau sagen.

Ulrike Posche / print
kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(