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Ein paar Fragen zu Grass: Das Buch zum Eklat?

Günter Grass hat mit seinem Israel-Gedicht einen gewaltigen Wirbel ausgelöst. Die Art, wie er damit an die Öffentlichkeit getreten ist, sei nicht neu, sagt sein Sekretariat. Aber es gibt interessante Neuigkeiten vom Verlag.

Von Sophie Albers

Grass und kein Ende. Während die Feuilletons die Nachbeben des Gedichtskandals registrieren - Grass vergleicht Israels Innenminister Eli Jischai wegen des Einreiseverbots mit Stasi-Chef Erich Mielke; Jischai pöbelt zurück, sein einziger Fehler sei gewesen, Grass als ehemaliges SS-Mitglied nicht schon bei seinem Amtsantritt vor drei Jahren zur persona non grata erklärt zu haben - geht es hinter den Kulissen ums Geschäft.

stern.de hat nachgefragt, wie es zur internationalen Streuung des umstrittenen Gedichts "Was gesagt werden muss" gekommen ist, und was in diesem Jahr von Grass noch zu erwarten ist.

Sowohl beim Steidl-Verlag als auch im Sekretariat des 84-jährigen Autors ist die Stimmung angespannt und werden die Antworten mit Bedacht gewählt. "Wir haben Partner, bestimmte Zeitungen, die Günter Grass' Texte häufiger abgedruckt und die Interesse an neuen bekundet haben", heißt es aus Grass' Büro. "Denen bieten wir die Texte an." Und die "Süddeutsche Zeitung" in München, "La Repubblica" in Italien und "El País" in Spanien haben zugegriffen und das Gedicht am vergangenen Mittwoch veröffentlicht. Anders als vielfach berichtet, hat die "New York Times" die in Strophen gepressten Prosazeilen, deren englische Fassung nun erst von Grass freigegeben worden sei, nicht abgedruckt, wie die Sprecherin des Steidl-Verlags erklärte.

Neues Buch im Herbst

Auf die Frage, was Grass in diesem Jahr noch an Veröffentlichungen plane, gibt sich sein Sekretariat bedeckter als der Verlag: "Herr Grass ist Schriftsteller, er schreibt immer", heißt es aus Behlendorf. Und wenn er etwas schreibe, wolle er das auch veröffentlichen. Was das genau heißt, lässt die Auskunft des Verlags vermuten: Für den Herbst sei ein Gedichtband geplant. Ob es ein dem Israel-kritischen Gedicht entsprechend politisches Werk werde, sei noch unklar. Man habe im Verlagshaus noch nichts davon zu lesen bekommen. Grass' Sekretariat wollte sich zu einer anstehenden Veröffentlichung des Gedichts in Buchform nicht äußern.

Immerhin ist die Welt nun vorbereitet auf den Lyriker Grass. Der kann in der Zwischenzeit übrigens Israels Innenminister Jischai treffen - allerdings nur unter Bedingungen. Der Vertreter der strengreligiösen Schas-Partei ließ voll Zynismus verlauten: "Wenn er (Grass) daran interessiert sein sollte, mit dem Schreiben antisemitischer Gedichte aufzuhören, werde ich ihm gerne in einem neutralen Land erklären, warum ein Mensch, der sich freiwillig zu den SS-Totenkopfverbänden unter der Leitung des Nazis Heinrich Himmler gemeldet hat, kein Recht hat, in das Land eines Volkes zu reisen, dessen Vernichtung er mitbetrieben hat."