Frankfurter Buchmesse Diesmal sind auch die Bücher rund


Ein halbes Jahr vor der WM stürzt sich auch die Literaturbranche auf das Geschäft mit dem Ball. Prominente Sportreporter wie Gerhard Delling stellen ihre Werke auf der Buchmesse vor.

Etliche Nachtschichten habe es ihn schon gekostet, dieses Buch fertig zu stellen, sagt Sportmoderator Gerhard Delling. Aber "es macht mir Spaß" lautet die einfache Begründung des gelernten Zeitungsjournalisten für seine Motivation, dieses Buch zu verfassen. Obwohl er sein "Fußballwörterbuch" schon auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellt hat, wird das große ABC des Rasensports erst im Dezember im Langenscheidt Verlag erscheinen.

"Wir rufen Günther Koch" - diese Ansage lässt die Herzen aller Fußball-Fans in der ganzen Republik höher schlagen. Denn seine Radioreportagen sind legendär. Keiner legt so viel Timbre in seine Stimme, keiner zeigt so offen seine Symphatien, keiner bringt so viel Herzblut und Leidenschaft in seine Kommentare. Natürlich sind die Geschichten am besten, wenn sie von Günther Koch höchstpersönlich vorgetragen werden.

Sie lassen sich aber auch ganz gut im stillen Kämmerlein lesen. Es ist einfach spannend, wenn Koch die dramatischen Minuten aus dem Nou Camp kommentiert, als den Bayern innerhalb von zwei Minuten der Champions-League-Titel aus den Händen glitt. Oder wenn Günther Koch in den Abgrund blickt, in den seine Clubberer (er ist bekennender, wenn auch kritischer Nürnberg-Fan) 1999 abgestiegen sind. Für sein erstes Buch hätte er keinen passenderen Titel wählen können. Und wenn man sich beim Lesen seine Stimme dazu vorstellt, ist es fast so, als ob man live dabei wäre.

Günther Koch: Der Ball spricht - Fußballgeschichten, erscheint am 25. Oktober im Fischer Taschenbuch Verlag für 8,95 Euro.

Ob er als Bundestrainer Erfolg haben wird, steht noch in den Sternen. Zumindest als aktiver Fußballer hat er alles gewonnen, was man gewinnen kann: 1990 wurde er Weltmeister mit Deutschland, 1996 Europameister, mit Mailand und mit den Bayern gewann er den Uefa-Cup, 1988 wurde er deutscher Torschützenkönig. Der symphatische Schwabe ist aber auch ein gewiefter Geschäftsmann, der weiß, wie man mit den Hoeneßen dieser Welt verhandelt.

Sein Biograf Michael Horeni, Sportredakteur bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und Träger des Fair-Play-Preises für Sportjournalismus, zeigt in seiner Biografie nicht nur den Sportler, sondern auch den Weltenbummler, der sich in Südafrika, Iran und Israel karitativ engagiert.

Ein gewagter Versuch, schon vor der WM die erste Biografie über Klinis zu veröffentlichen. Aber spannend ist das Leben des Hoffnungsträger des deutschen Fußballs auch jetzt schon.

Michael Horeni: Klinsmann - Stürmer, Trainer, Weltmeister, erscheint am 1. November im Fischer Verlag für 19,90 Euro.

Diese Buch ist genau richtig für Fans, die die Liebe fürs Detail pflegen. Die wissen wollen, wann die Schnauzbartdichte in der Liga nachgelassen hat. Dass der Ex-HSV-Torwart Rudi Kargus nach seiner Fußball-Karriere Kunstmaler wurde, oder welche Verletzungsserie Mehmet Scholl genau hinlegte.

Christoph Biermann ist ein echter Fußball-Kenner. Einer, der sein Wissen in Listen gliedert. Endlich erfährt man die Namen aller Rekordmeister aus Aruba und Bangladesh, bekommt eine Liste aller Nationalspieler aus Gelsenkirchen. Seltsame Elfmeterschießen und eigenwillige Fußballlieder sind neben der legendären Rede von Giovanni Trapattoni dokumentiert. Biermanns Buch liefert nicht nur Stoff für lange Fußballabende, sondern ist auch die perfekte Vorbereitung für die WM.

Christoph Biermann: Fast alles über Fußball, erschienen im Verlag Kiepenheuer & Witsch für 9,90 Euro.

Es gibt so viel wunderbares Wissen, das den Fußball umgibt. Wissen, das arg verstreut an den Rändern des Spiels liegt und nur darauf wartet, gesammelt zu werden. In diesem Fall haben das die Sportredakteure der Süddeutschen Zeitung gemacht und erzählen viele Geschichten drumherum. Von Spielern, die den Verstand verloren haben, von der genauen Zusammensetzung einer Stadionwurst, von der Länge und der PS-Zahlen von Mannschaftsbussen.

Und da der Sport mit dem Ball ja durchaus religiöse Züge entwickeln kann, eine Massenbewegung mit kultischen Riten ist, wurde all dieses unentdeckte Fußball-Wissen in Form einer Bibel veröffentlicht. Schwarzer Einband, die Seiten golden eingefärbt. Das perfekte Weihnachtsgeschenk für jeden Fan.

Christian Zaschke, Eduard Augustin, Philipp von Keisenberg: Fußball unser, erschienen im Süddeutschen Verlag für 18 Euro.

Es wäre naiv anzunehmen, der Deutsche Fußball-Bund hätte sich 1933 dem Einfluss der Nationalsozialisten entziehen können. Auch wenn der DFB selbst gerne den Eindruck erwecken will, er wäre eine Oase von Widerständler gewesen. Schon 1933 wurden alle jüdischen Spieler ausgeschlossen.

Nils Havemann hat sorgfältig recherchiert und sehr nüchtern einzelne Karrieren von Funktionären verfolgt, die sich schnell als Opportunisten zeigten. Nebenbei entlarvt er auch noch den naiven Mythos, Vereine mit Arbeitertradition wie Schalke 04 seien besonders widerspenstig gewesen.

Kein brillianter Schreibstil, dafür sind die Fakten sorgfältig zusammengetragen. Auf dieses Buch hat man lange gewartet. Aber es hat sich gelohnt - auch wenn einem manch Illusion genommen wird.

Nils Havemann: Fußball unterm Hakenkreuz. Der DFB zwischen Sport, Politik und Kommerz, ist im Campus Verlag erschienen für 19,90 Euro.

Hier wird der Fußball mal nicht hinterfragt oder analysiert, in "Voll die Latte" finden sich die ungeschminkten Bekenntnisse eines hundertprozentigen Fans. Denn Acki lebt für den HSV. Wenn der HSV spielt, ist er dabei. Ob Sieg oder Niederlage, Acki und der HSV führen eine Beziehung, die nichts erschüttern kann, keine Frauen, keine Nacht im Knast, keine dreisten St. Pauli-Fans.

Ein Buch, das allen Fußballfans gefallen muss, denn in einer der unzähligen Anekdoten erkennt er sich selbst wieder. Aber gerade Nicht-Fußball-Fans, die die Gemütslage eines echten Fans endlich verstehen wollen, sei dieses Buch wärmestens empfohlen. Ein durch und durch subjektiver Fußball-Fan-Roman mit viel Wortwitz und in authentisch-schnoddrigem Slang verfasst.

Axel Formeseyn: Voll die Latte. Acki sein Fussballtagebuch, erschienen im Europa Verlag für 12,90 Euro.

Wieder ein Fan-Buch, aber diesmal ist der Fan selbst prominent. Nachdem er schon seine Wanderungen durch Deutschland in Tagebuchform veröffentlich hat, können interessierte Leser jetzt auch die Fußball-Erlebnisse von Manuel Andrack, Harald Schmidts Sendungsredakteur, teilen. Andrack wandert wieder, diesmal nicht durch Eiffel und Rhön, sondern durch die Fußballstadien der Nation. Denn nach dem Abstieg in die zweite Liga ist seiner Meinung nach ein Liebesbeweis von Nöten.

Die Sprache ist dicht dran, die Anekdoten sind witzig, allerdings unterlaufen Andrack einige peinliche Schnitzer, die ihm echte Fans schwerlich verzeihen: Schließlich war es nicht Manchester City sondern Manchester United, die bei einem Flugzeugabsturz die halbe Mannschaft verloren haben.

Manuel Andrack: Meine Saison mit dem FC, erschienen bei Kiepenheuer & Witsch für 9,90 Euro.

Vom ärmlichen Schwarzhändler zum 15-Milliarden-Mann. Die Karriere des Russen Roman Abramowitsch ist erstaunlich. Mit so viel Geld kann man sich alles kaufen. In Zeiten der globalen Kommerzialisierung des Rasensport zum Beispiel einen eigenen Fußballclub, sogar einen so traditionsreichen wie den FC Chelsea. Und wie die meisten Menschen, die das große Geld mit nicht ganz sauberen Methoden erworben haben, scheut auch Abramowitsch die Öffentlichkeit und verweigert jedes Interview.

Zwei britische Journalisten haben trotzdem versucht, mehr über diesen Mann herauszufinden. Auf 300 Seiten erfährt man, wie geschickt Abramowitsch als Gouverneur der russischen Provinz Tschutkotka regiert, und über welche Statussymbole der 38-jährige Kreml-Insider noch so verfügt - unter anderem besitzt er eine 108 Meter lange Yacht. Es ist zwar kein knallhartes Enthüllungsbuch, aber trotzdem ein spannendes Porträt eines Aufsteiger im Putin-Reich.

Dominic Midgley/Chris Hutchins: Der Miliardär aus dem Nichts - Roman Abramowitsch, erschienen im Murmann-Verlag für 19,90 Euro.

Gibt es ihn noch, den italienischen, spanischen, englischen oder deutschen Fußball? Ist die regionale Identität, die einmal prägendes Element des Fußballs war, nicht bereits einem globalisierten Fußball zum Opfer gefallen? Und die Jagd nach dem runden Leder nicht längst eine Jagd nach dem großen Geschäft, in dem Funktionäre, Magnaten, Medien und Sponsoren die Spielregeln bestimmen?

Fragen, die Autor Harald Irnberger in seinem Buch nachgeht. Er führt die internationale Welt des Fußballs vor, die Welt von Menotti, Di Stefano, Beckenbauer und Zidane, von Real Madrid, Manchester United, AC Milan und Bayern München. Und zeigt ganz klar, was mit dem heutigen Fußball unweigerlich verknüpft ist: Politik und Geschäft, Medienspektakel und Cäsarenwahn. Eine brilliante Analyse der globalen Verstrickungen des Fußballgeschäfts.

Harald Irnberger: Die Mannschaft ohne Eigenschaften - Fußball im Netz der Globalisierung, Otto Müller Verlag, 28 Euro.

Auf Fritz Walters Grab findet sich eine trophäenbeladene Fußballer-Statue, an der Grabstätte der Wiener Legende Sindelar ein runder Marmorball, und "Boss" Helmut Rahn wollte nicht mehr als einen schlichten Namenszug auf seinem Stein. Dafür "stiftete" ihm eine Boulevardzeitung ein höchst unpassendes Denkmal, das bei einem Fußballspiel enthüllt wurde.

Ein ungewöhnliches Projekt, ein ungewöhnliches Buch - dieses Buch widmet sich den Gedenkkulturen im Fußball – sowohl auf Grabsteinen als auch im Stadion. In 40 Essays geht es um die Gestaltung von Gräbern, um merkwürdige Beerdigungsrituale, um Todesmythen, um die aufrichtige wie die zweifelhafte Ehrung Verstorbener – und um die Frage, was dies alles über die Kultur unseres Alltags aussagt.

Peter Cardorff, Conny Böttger: Der letzte Pass, erschienen im Verlag Die Werkstatt für 19,80 Euro.

kbu

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