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Umberto Eco:: "Wir erleben eine Sexualisierung der Politik"

Hamburg - Umberto Eco, italienischer Universalgelehrter und Bestseller-Autor ("Im Namen der Rose"), sieht durch die wachsende Bedeutung des Aussehens von Politikern die repräsentative Demokratie in Gefahr. In einem Interview mit dem stern bezeichnet der Schriftsteller Politiker wie Arnold Schwarzenegger oder Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi als "Avantgarde einer neuen Politkultur: Triumph und Herrschaft der Schönheit."

Fataler noch als der "Schein der Oberfläche" sei aber Berlusconis faktische Macht, seine Herrschaft über TV-Sender. Eco: "Ich nenne das ein De-facto-Zensur-Regime." Berlusconi sei zwar mächtig, aber "dennoch getrieben: Er muss gut aussehen. Vital. Fit." So habe Berlusconi seine Tränensäcke straffen lassen, "damit er tough wirkt, nicht weinerlich". Ein Philosoph wie Jean-Paul Sartre dürfe hässlich sein, nicht aber ein Politiker. "Wir erleben eine Sexualisierung der Politik", so Eco.

Nach Ecos Einschätzung kämpfen auch deutsche Politiker wie Angela Merkel oder Gerhard Schröder "um gutes Aussehen". In seinem neuen Buch "Die Geschichte der Schönheit", das am 18. September auf Deutsch erscheint, befasst sich Eco mit der Frage, warum etwas in der Bildenden Kunst als schön erachtet wird.