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Porträt: Feminismus-Pionierin Virginia Woolf: Eine Kindheit, so privilegiert wie überschattet

Virginia Woolf gilt als eine der einflussreichsten feministischen Autorinnen des vorigen Jahrhunderts und Vorreiterin der literarischen Moderne. Die vor 136 Jahren geborene Schriftstellerin hatte jedoch auch eine dunkle Seite.

Virginia Woolf

Virginia Woolf: Die Schriftstellerin war eine Feminismus-Pionierin, aber auch eine tragische Figur

Heute vor 136 Jahren wurde Virginia Woolf als Adeline Virginia Stephen in London geboren. Kaum jemand vor ihr hat den Gedankenstrom unter der menschlichen Schädeldecke so präzise protokolliert, kaum jemand so geistreich die Gleichberechtigung der Frau postuliert. Die englische Schriftstellerin Virginia Woolf gilt heute als eine der einflussreichsten feministischen Autorinnen des vorigen Jahrhunderts und als Pionierin der literarischen Moderne. Doch sie ist auch eine tragische Figur: Die hoch begabte Gelehrten-Tochter wurde als Mädchen missbraucht, litt zeitlebens unter Depressionen und ertränkte sich schließlich mit 59 Jahren. 

Ihre Kindheit war ist so privilegiert wie überschattet. Die Familie ist wohlhabend und pflegt intellektuelle Kontakte, Hauslehrer ersparen Virginia und ihren sieben Geschwistern den Schulbesuch. Doch mit 13 verliert sie ihre Mutter und stürzt in ihre erste psychische Krise. Um dieselbe Zeit wird sie Opfer eines sexuell zudringlichen Halbbruders - fortan habe sie "keine Freude mehr an meinem Körper" empfunden, wie sie sich als Erwachsene erinnert.

Elitärer Nonkonformismus mit Spaß an der Provokation

Doch Melancholie ist nur eine Seite des Charakters von Virginia Woolf: Mit großer Produktivität verfasst sie Essays und Rezensionen für die "Times", schreibt Briefe und Tagebucheinträge voll sarkastischer Skizzen. Gesprächspartner erleben sie als gescheit und ungemein witzig, für Klatsch und Tratsch ebenso aufgeschlossen wie für Diskussionen über Kunst und Politik. Ihre Schwester Vanessa und ihr Bruder Thoby pflegen dieselben Interessen: Ihr Haus im Londoner Bohème-Viertel Bloomsbury wird Treffpunkt eines Künstlerzirkels, zu dem unter anderem der Romancier E.M. Forster, der Philosoph Bertrand Russel und der Ökonom John Maynard Keynes stoßen.

Man pflegt einen elitären Nonkonformismus mit Spaß an der Provokation. 1910 reist Virginia mit falschem Bart und Fantasiekostüm in den Küstenort Weymouth, gibt sich als Kaiser von Abessinien aus und lässt sich durch das königliche Kriegsschiff "Dreadnought" führen. Dem Übermut folgt der seelische Absturz. 1913 unternimmt sie den ersten Suizidversuch - nur wenige Monate nach der Heirat mit dem Literaturkritiker Leonard Woolf.

Erfolgsrezept: "Fünfhundert Pfund im Jahr und ein eigenes Zimmer"

Ihre Kreativität leidet nicht: 1915 erscheint ihr erster Roman "The Voyage Out" ("Die Fahrt hinaus"), 1922 folgt "Jacob's Room" ("Jakobs Zimmer"), in dem Virginia Woolf nahezu gleichzeitig mit James Joyce die Darstellungsform des inneren Monologs entwickelt. "Mrs. Dalloway" (1925) komponiert sie aus bewussten, halbbewussten und mitunter nur fragmentarischen Gedanken ihrer Figuren, hinter denen die äußere Handlung zurücktritt. In "Orlando" (1928) lässt sie die Titelfigur durch die Jahrhunderte reisen und das Geschlecht wechseln - so verarbeitet sie ihr Verhältnis mit der Schriftsteller- Kollegin Vita Sackville-West.

Zwar gelten Virginia Woolfs Romane bis heute als wichtige Werke der literarischen Moderne, doch ihren Nachruhm verdankt sie vor allem ihren späten Essays. "A Room of One's own" ("Ein Zimmer für sich allein") von 1929 klagt die widrigen Arbeitsumständen weiblicher Autoren an: "Fünfhundert Pfund im Jahr und ein eigenes Zimmer", und eine Frau könne so erfolgreich schreiben wie ein Mann, heißt es darin. Der Text wird zu einem viel zitierten Dokument der Frauenbewegung, ebenso wie "Three Guineas" ("Drei Guineen"), in dem Woolf kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs über den Zusammenhang zwischen männlicher Dominanz und Militarismus nachdenkt.

Sie beendet ihr Leben im Fluss - mit einem Stein im Mantel

Doch schriftstellerischer Erfolg kann ihre Psyche nicht kurieren. Immer wieder erleidet Woolf depressive Schübe, hört Stimmen, kann tagelang nicht arbeiten. 1940 zerstören deutsche Bomben ihr Londoner Haus. Schließlich mag sie die Angst vor einem neuen Nervenzusammenbruch nicht mehr ertragen. Am 28. März 1941 stürzt sie sich in das Flüsschen Ouse in der idyllischen Grafschaft Sussex - um sicher zu gehen, packt sich die glänzende Schwimmerin zuvor einen schweren Stein in den Mantel.

rös / DPA
Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo
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