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Autorin von "Fünf Freunde" Soll Enid Blyton verbannt werden? Englischer Denkmalschutz bezeichnet ihr Werk als "rassistisch"

Enid Blyton: Fünf Freunde
Millionen Menschen kennen die Geschichten von Enid Blyton. Doch mittlerweile wird ihr Werk zunehmend kritisch gesehen.
© Caroline Seidel/ / Picture Alliance
Millionen Menschen sind mit ihren Büchern groß geworden. Doch schon lange gibt es auch Kritik an Enid Blyton. Die Denkmalschutz-Organisation English Heritage hat daraus nun Konsequenzen gezogen - und das Werk als "rassistisch" bezeichnet.

Wer einmal in London war, wird sie kennen, die blauen Plaketten, die an vielen Bauwerken prangen und an bedeutende Persönlichkeiten erinnern. Vergeben werden diese Plaketten vom English Heritage, einer Organisation, die rund 400 im Staatsbesitz befindlichen Denkmäler verwaltet. Erinnert wird an den bedeutenden Staatsmann Winston Churchill, aber auch an die Schriftstellerin Virginia Woolf oder den Regisseur Alfred Hitchcock. In der Baker Street 221B gedenkt man sogar des fiktiven Detektivs Sherlock Holmes. Insgesamt gibt es etwa 950 dieser blauen Tafeln in London.

Kein Wunder also, dass auch in der Hook Road im südlich der Themse gelegenen Stadtteil Kingston Upon Thames eine Plakette hängt: Hier verbrachte die weltberühmte Kinderbuchautorin Enid Blyton einige Jahre ihres Lebens. Ihr Eintrag ins Register der English Heritage sorgt nun aber für Ärger. Denn auf der Website ist seit Kurzem zu lesen: "Blytons Werk wurde noch zu Lebzeiten und nach ihrem Tod für Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und den Mangel an literarischem Verdienst kritisiert." 

Für einen Teil der englischen Presse ist das Frevel: "Jetzt wird Enid Blyton gecancelled", schäumt etwa das Boulevardplatt "Daily Mail" und erinnert an die ungebrochene Popularität der Kinderbuchautorin, die weltweit mehr als 600 Millionen Bücher verkauft hat.

Enid Blyton wird schon lange kritisiert

Ganz nachvollziehbar ist die Aufregung nicht. Denn die Vorwürfe gegen Blyton sind alles andere als neu: Schon 1966, also noch zu Lebzeiten der Autorin, warf ihr der "Guardian" in einem Artikel Rassismus vor. Seither wurde ihr Werk vielfältiger Kritik unterzogen. Eine Konsequenz daraus war etwa, dass die Royal Mint, die Münzprägeanstalt des Königreichs, vor einigen Jahren einen Vorschlag verwarf, eine Gedenkmünze zu Ehren des 50. Todestages von Enid Blyton herauszugeben. Die Begründung: Blyton sei eine "rassistische, sexistische, homophobe und nicht sehr hoch angesehene Schriftstellerin" gewesen. 

Was der English Heritage also auf seiner Website vollzogen hat ist nicht mehr, als den aktuellen Stand der Diskussion abzubilden. Dabei ist die Bewertung keineswegs einseitig. Auch andere Meinungen finden hier Gehör. "Ihre Werke spielten eine wichtige Rolle darin, eine Generation von Kindern zum Lesen zu ermutigen", heißt es dort ebenfalls.

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Und so ist die Aufregung in Teilen der Presse völlig vergeblich. Niemand soll hier gecancelt werden. Die Werke von Enid Blyton sind auch weiterhin in Buchhandlungen erhältlich, die Hörspiele nach ihren Büchern beglücken weiterhin Millionen Kinder in aller Welt. Das einzige, was sich geändert hat: Die Erinnerungen an diese Schriftstellerin sind nun präzisiert worden.

Verwendete Quelle: English Heritage, "Daily Mail",

che

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