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Comic: Der Weg des Kriegers

Vagabond - Der historische Manga schlägt in Japan alle Verkaufsrekorde und zeigt den deutschen Lesern den Weg in eine Manga-Welt ohne Kulleraugen.

"Bei allem, was jemand tut, kommt es auf den richtigen Zeitpunkt und auf den richtigen Rhythmus an." Der historische Samurai-Manga schlägt in Japan alle Verkaufsrekorde und erscheint seit dem letzen Jahr auch in Deutschland. "Vagabond" wurde von Inoue Takehiko erschaffen und folgt der Biografie des berühmten Samurais Miyamoto Musashi. Dieser historische Schwertkämpfer lebte von 1584-1645, der so genannten Edo-Zeit. Einer Epoche großer Kämpfe und Verwerfungen, in der die mächtigsten Familien Japans in tödlicher Rivalität um das Shogunat fochten.

Die Manga-Biografie folgt der Entwicklung Musashis vom Naturtalent einer jungen, gefährlichen Killermaschine zum philosophischen Samurai, der später die Fechtschule Niten Ichi Ryu ("Zwei Himmel, eine Schule") begründete. Die Bände schließen zeitlich und logisch aneinander an, der Beginn mit Band 1 empfiehlt sich daher.

Keine Kuller-Augen und Kind-Figuren

Bereits in der ersten Sequenz wird keine Hurra-Superhelden-Aktion zelebriert. Eben noch bewusstlos, erwacht der junge Musashi auf dem Schlachtfeld. Er gehört zu den „Ochiudo“, den „durchgefallenen Leuten“, den unterlegenen Versprengten und Verletzten. Soeben beginnen die Fußsoldaten der siegreichen Partei die Spreu der Schlacht in aller Ruhe niederzumachen ....

Der deutsche Leser wird zunächst mit Erstaunen bemerken, dass Manga nicht gleichbedeutend mit Kuller-Augen und Kind-Figuren ist. Die realistischen, sorgfältig durchgearbeiteten Zeichnungen kommen dem europäischen Geschmack entgegen. Komposition und Abfolge der Bildsequenzen sind bester Manga-Stil. In der Zerlegung von Bewegungsabläufen, der Darstellung von Zeitdehnungen des entscheidenden Augenblicks und der Kommunikation von Augen und Blicken führt dieser Qualitäts-Manga souverän die Erzählform japanischer Zeichenkunst vor.

Mehr als nur ein Schwert-Schwinger

Von allzu krasser Gewaltdarstellung und allzu kessen Sprüchen bleibt der erwachsene Leser verschont. Friedlich geht es aber natürlich nicht zu in der Lebensdarstellung eines Mannes, der es vermochte, den Oberkörper seiner Gegner mit einem Streich quer vom Nacken bis zur Hüfte zu spalten. Erläuterungen spezifischer Termini der sorgsamen deutschen Adaptation erleichtern das Verstehen und erzeugen eine hohes Maß an zeitgenössischen Kolorit.

Am Ende seines Lebens schrieb Musashi für seinen Adoptivsohn "Das Buch der Fünf Ringe" (Gorin No Sho), den Weg des Samurais. Dieses philosophische Schwertkampf-Werk kann als überzeitlicher Leitfaden für strategisches Handeln gelten. Deutsche Leser können übrigens auch zu einer Roman-Biografie des Heroen greifen, sie wurde allerdings schwer gekürzt und nicht eben einfühlsam übersetzt.

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