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Comicmagazin: Gimmicks für die Generation Yps

Yps, das famose Comicmagazin mit dem Gimmick, tritt nach langer Pause endlich wieder an, um den Geldbeutel der Kinder zu leeren. Aber lassen sich die Kids von heute überhaupt noch mit einem Gimmick ködern?

Von Carsten Scheibe

Aufreißen, zusammenbauen, funktioniert nicht. Was waren das noch für Zeiten in den Siebzigern, als es am Kiosk nur wenig Auswahl gab und allenfalls die Micky Maus oder das neue Fix-und-Foxi-Heft eine echte Alternative zum Yps waren. Jahrelang habe ich es gesammelt - mein Großvater hat es mir immer sofort besorgt, sobald ein neues Magazin beim Zeitungsladen aufschlug. So kam ich als Grundschüler nach und nach in den Besitz einer waschechten Erbsenpistole, eines Spionagesets, das um die Ecke gucken konnte, und diverser in Plastik gegossener Zaubertricks. Manche Hefte musste mir mein Opa gleich mehrfach kaufen. Und zwar immer dann, wenn das zusammen mit dem Magazin eingetütete Gimmick sofort zerbrach oder von Anfang an nicht funktionierte. Rollende Kindertränen sorgten schnell dafür, dass ich die Erbsenpistole gleich vier Mal hatte. Drei kaputte und eine, die zwei Tage später von meiner Klassenlehrerin einkassiert wurde. Ich habe sie nie wieder gesehen.

Marktgerechter Preis

Klar, heute bin ich 38 und brauche keine Gimmicks mehr. Meine Kinder aber. Als echter Angehöriger der Generation Yps finde ich es natürlich Klasse, dass das vor fünf Jahren nach 1253 erschienenen Ausgaben doch noch eingestellte Heft endlich wieder da ist. Ein Redaktionsteam hat lange an dem neuen Yps gearbeitet und es nun stolz der Medienlandschaft vorgestellt. Ich bin begeistert, hingerissen und aufgeregt, als ich Heft 1254 aus dem Umschlag der Ehapa-Presseabteilung nehme. Es ist alles so wie früher. Das Heft ist in eine dünne Plastikfolie eingeschweißt, um Gimmick und Heft beisammen zu halten. Der Preis von 2,99 Euro ist marktgerecht, im Vergleich zu "früher" aber recht hoch.

Das angebotene Gimmick sorgt für eine erste Enttäuschung. Eine Geldmaschine gibt es. Die tut so, als sauge sie normales Papier auf und spuckt dann richtige Geldscheine aus. Na toll. Das funktioniert aber nicht so richtig. Da hilft auch der Yps-Agentenausweis auf dem Backcover des Heftes nicht mehr dabei, den schlechten Eindruck wettzumachen. Warum um alles in der Welt hat man denn die Chance vertan, hier gleich mit dem ultimativen Urgimmick aller Yps-Hefte zu starten, den Urzeitkrebsen? Das wäre doch ein echter Gag gewesen. Das hätte auch meinem Sohn Spaß gemacht. Der ist acht und wirft das Gimmick vom neuen Yps gleich in die Kiste zu all dem anderen Zeug, das er bei McDonald's und auf den Covern der anderen Kindermagazine eingesammelt hat, die er ab und zu geschenkt bekommt. Klarer Fall: Für die Kinder von heute ist ein Gimmick, das uns vor 30 Jahren noch vom Stuhl gekickt hat, bereits ein Langweiler. Und kein Kaufgrund. Denn alle Kindermagazine sind inzwischen mit einem Gimmick versehen.

Minikrimis und Scherze

Anscheinend glaubt man in der Yps-Redaktion nicht einmal selbst so richtig an einen Erfolg - und investiert erst gar nicht die nötige Mühe. Der redaktionelle Mantel ist ein echter Graus, der überhaupt nicht überzeugt. Um cool zu sein, bittet man die kultigen Comedians von heute um ein Statement zum neuen YPS - und übersieht, dass man Atze Schröder zwar abbildet, ihm aber gar keinen Text zugesteht. Ansonsten geht es passend zur Yps-Hauptfigur um Kängurus und um Geld. Hinzu kommen Minikrimis und Scherze. Das alles ist bunt, unleserlich und schlichtweg langweilig präsentiert. Gähn, das kann die Micky Maus aber besser.

Die Comics, die den Hauptteil des Yps-Heftes bestreiten, könnten alles wieder wettmachen. Sie sind maximal ein bis zwei Seiten lang und bringen so Abwechslung pur. Aber: Wer hat denn eigentlich diese Comics ausgesucht und zusammengestellt? Fast sieht es so aus, als hätten die Redakteure alles eingekauft, was gerade auf dem Markt billig zu haben war. Klar, Lucky Luke, das Joe-Bar-Team, die Abrafaxe und natürlich auch die unvermeidlichen Yps-Comics sind echte Klassiker, die man nicht verschandeln kann. Der moderne Atze-Comic ist aber nicht witzig und eher etwas für Erwachsene als für Kinder. Das gilt auch für die Titeuf-Cartoons, in denen es um Verhütung und Pinkelarien geht. Sie passen einfach nicht zu einem eigentlich "artigen" Kinderheft. Einfach nur peinlich ist der Werner-Zweiseiter und auch ein Superflash-Comic kann da am Ende nix mehr retten, zumal ihn die meisten Kinder gar nicht verstehen werden. Die Mischung stimmt hier überhaupt nicht. Das neue Yps wirkt wie eine Mischung aus altem Kinder-Yps, garniert mit einigen Zack-Comics für Teenager und einem Schuss U-Comix für Erwachsene.

Summa Summarum: Das neue Yps ist zu dünn und von A bis Z mit der heißen Nadel gestrickt. Die Comics sind größtenteils langweilig und nicht komisch. Und beim Gimmick sticht sogar McDonald's den Verlag locker aus. Was ist also zu tun? Klarer Fall: ein besseres Team anheuern, eine neue Linie finden, bessere Gimmicks anbieten und mit doppeltem Umfang nochmal an den Kiosk gehen. Sonst wird das nix mehr mit dem Yps. Früher war eben doch vieles besser.

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