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F. Behrendt: Der Guru der Gelassenheit: Wir hatten früher kein Handy, aber Yps mit "Gimmick"

Die Mutter von Frank Behrendt schickte ihm alte Ausgaben der einstigen Kultzeitschrift Yps, die in einer Kiste auf dem Dachboden seit Jahrzehnten schlummerten. Eine Rückreise in eine sehr kurzweilige Kindheit, auch wenn die originellen Beigaben leider nicht überlebt haben.

"YPS"-Hefte von 1975

"YPS"-Hefte von 1975

Wenn ich heute die Kinder auf ihre Smartphones starren sehe, dann tun sie mir oft ein wenig leid. Natürlich gibt es auch digital vieles zu entdecken und das Netz bietet für jede Altersklasse spannenden oder unterhaltsamen Content an. Aber wenn ich an meine eigene Kindheit zurückdenke, dann waren unsere Medienerlebnisse irgendwie multisensorischer. Dafür sorgte Yps, die Kult-Zeitschrift meiner Generation.

Am 13. Oktober 1975 erschien die erste Ausgabe, und mein Bruder und ich investierten jede Woche einen beträchtlichen Teil unseres bei der Apfelernte oder mit Rasenmähen sauer verdienten Geldes, um uns für 2,60 D-Mark die neueste Ausgabe zu kaufen. Yps hob sich gravierend von anderen Comic-Magazinen ab, denn sie bot weit mehr als bedrucktes Papier: Zum einen gab es in jedem Heft einen Bastelbogen. Da konnte man Bauwerke, Autos und andere Dinge zusammenbauen. Das machte Spaß und beeindruckte die Eltern. Aber das allercoolste waren die sogenannten "Gimmicks", die jedes Heft zu einem Erlebnis machten. Die Kreationen waren mal witzig, mal lehrreich, mal zauberhaft, auf jeden Fall immer besonders. Wer mit der "verhexten Brieftasche" oder der "Geldmaschine" in der Schule auftauchte, der blieb nicht lange allein. Legendär waren auch schräge Gimmicks aus dem Bereich Biologie wie die unvergessenen "Urzeitkrebse", die man züchten konnte oder der "Wunderstaub, aus dem Kristalle wachsen".

Mit Robotergreifarm Erdbeeren klauen

Unsere Eltern waren zwar stets skeptisch und trauten den Versprechungen im Heft nicht so recht, aber wir überzeugten sie vom Gegenteil. Yps war für uns ein fairer Partner, denn was die Macher versprachen, das funktionierte auch. Für den Verlag Gruner+Jahr war das Heft viele Jahre lang ein großer Erfolg. Und "Yps", das namensgebende grüne Känguruh, war für uns Kinder über viele Jahre ein treuer Begleiter. Aber irgendwann war die große Zeit von Yps vorbei. Der Verlag verkaufte die Marke an die Comic-Profis von Egmont-Ehapa. Im Jahr 2005 gab es ein kurzes Comeback, nach 4 Ausgaben war aber wieder Schluss. 2012 kehrte die Zeitschrift dann erneut zurück und sollte die einstige "Generation Yps" mit der Ur-Idee "alles mal ausprobieren" wieder begeistern.

Die Startauflage von rund 120.000 Exemplaren wurde zügig verkauft, sogar die Urzeitkrebse waren wieder dabei. Es wurde nachgedruckt. Das alte Yps-Feuer schien wieder zu zünden. Aber es brannte nur bis 2017, dann war erneut Ende, die Anzeigenverkäufe waren eingebrochen. Kein Einzelfall im Zeitalter der Digitalisierung. Deshalb ist es eher unwahrscheinlich, dass Yps noch einmal zurückkehrt. Dabei hatte Nicolas von Lettow-Vorbeck in seiner bemerkenswerten Bachelorarbeit unter dem Titel "Yps - die verpasste Chance" eindrucksvoll untersucht, welches Potential in der Marke steckt.

"YPS ist für viele ein greifbares Stück Kindheit und somit eine authentische Retromarke", schrieb der smarte Student. Das kann ich absolut bestätigen, denn als ich jetzt nach Jahrzehnten die alten Hefte wieder in den Händen hielt, da leuchteten meine Augen und es war wieder ein echtes Vergnügen, in die bunte Wunderwelt einzutauchen. Was hätte ich dafür gegeben, wenn die auf dem Cover abgebildeten Gimmicks noch dabei gewesen wären. Aber ich kann mich an viele der irren Dinger noch erinnern. Besonders an den Roboter-Greifarm. Mit dem haben wir einst unserer Mutter die Erdbeeren vom Sonntagskuchen geklaut. Daraufhin wurde dieses großartige Teil leider erst einmal einkassiert…