HOME

"Goldene Zeiten": Morden, um den Schein zu wahren

Verzweifelte Menschen, die versuchen, den Schein zu wahren und die Katastrophe abzuwenden: Mit einer schwarzhumorigen Komödie zieht Regisseur Peter Thorwarth Neureiche aus Unna durch den Kakao.

Von Thomas Krause

Der "Eventmanager-Assistent" Ingo (Wotan Wilke Möhring) hat den Auftrag ergattert, die Wohltätigkeitsauktion eines Golfklubs zu organisieren. Er behauptet, den abgehalfterten Hollywood-Star Douglas Burnett (Dirk Benedict in einer Doppelrolle) als Auktionator gewonnen zu haben. Doch der Stargast wird nicht aus den USA eingeflogen, sondern deutlich preisgünstiger von einem Schauspieler aus dem Ruhrgebiet gedoubelt. Der Schauspieler findet mehr und mehr Gefallen an der Rolle eines Hollywood-Stars und führt sich dementsprechend auf. Die Drogen- und Sexorgien sind nicht unbedingt das unauffällige Verhalten, dass Ingo sich von seinem falschen Stargast gewünscht hatte und so bekommt er immer größere Probleme, den Schein aufrecht zu erhalten.

Den Schein aufrechterhalten will auch der Vorstand des Golfklubs, der die Wohltätigkeitsauktion zu Gunsten rumänischer Waisenkinder initiiert hat. Der Präsident und Pleitier Jürgen Matthies (Wolf Roth) veruntreut Vereinsgelder und betrügt seine Frau, gibt sich aber dennoch als Ehrenmann. Diese Fassade bröckelt nicht nur, sie stürzt in sich zusammen: Matthies begeht Morde, damit die Wohltätigkeitsauktion tatsächlich stattfindet.

Schwarzhumorige Steigerungen

Von Szene zu Szene spitzt sich der Film auf die große Katastrophe hin zu, die in Form der Benefizveranstaltung dann auch tatsächlich kommt. Aber schon zuvor reiht sich ein Unglück ans nächste, sodass man sich als Zuschauer keine weitere Steigerung vorstellen kann. Doch dem Regisseur, der gemeinsam mit Alexander M. Rümelin auch für das Drehbuch verantwortlich war, fielen schwarzhumorige Steigerungen ein, die einem das Lachen im Halse stecken lassen.

Besetzt ist der Film mit Schaupielern, die man zumeist aus Serien kennt. An erster Stelle überzeugt Dirk Benedict, der in der Rolle des "Faceman" in der amerikanischen Serie "A-Team" bekannt wurde. Ludger Pistor spielt den gutgläubigen Kassenwart des Golfklubs, der erst spät den Machenschaften seines Vereinsvorsitzenden auf die Schliche kommt. Bemerkenswert auch Gedeon Burkhard, der als wichtigtuerischer B-Klasse-Schauspieler mit Wiener Akzent und Kokainproblem sein eigenes Image persifliert. Was zunächst ein wenig fragwürdig erscheint, stellt sich jedoch schnell als Besetzungscoup heraus. Denn was Gedeon Burkhart in dieser Rolle am deutlichsten auszeichnet, machen auch die übrigen Schauspieler mehr oder weniger stark: Sie spielen mit ihrem eigenen Image. Thorwarth gelingt es, mit seiner Besetzung bin in die kleinste Nebenrolle hinein positiv zu überraschen.

Gescheiterte Existenzen

Natürlich gibt es auch ein Wiedersehen mit Charakteren, die schon aus "Bang Boom Bang" bekannt sind. Melanie (Alexandra Neldel), die ehemalige Auszubildende des Fuhrunternehmers Kampmann, ist nach einer gescheiterten Karriere als Pop-Sternchen und Nacktfotos im "Playboy" zurück in Unna. Der Sohn ihres ehemaligen Chefs (Christian Kahrmann) betreibt inzwischen eine Autotuning-Firma. Und Ralf Richter spielt als Zuhälter "Bullet Harry" Grabowski den Bruder von Kalle, der als Bankräuber in "Bang Boom Bang" ums Leben kam.

Peter Thorwarth gelingt in seinem über zweistündigen Film eine hervorragende Komödie, die allerdings an den großartigen Film "Bang Boom Bang" nicht heranreicht. "Goldene Zeiten" ist ähnlich stimmig und detailverliebt und mit sehr guter, teilweise überraschender Kameraführung durch Jan Fehse. Dem Regisseur gelingt ein sehr unterhaltsames Porträt der nicht sehr sympathischen Neureichen. Wegen der Zielgruppe gibt es aber nur wenige Charaktere, mit denen man sich als Zuschauer identifizieren möchte. Und dieses Fehlen von Sympathieträgern stellt das größte Manko eines sonst sehr guten Films dar.