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Filmkritik

"Bridget Jones' Baby": Keine Angst, Bridget-Fans: Ihr werdet den dritten Teil lieben

Peinliche Gags und vergreiste Helden? Von wegen: "Bridget Jones' Baby" ist eine solide romantische Komödie geworden, die der alten Bridget treu bleibt und ganz ohne Fremdscham unterhält.

Bridget Jones

Bridget Jones (Renée Zellweger) zwischen zwei Männern: Ihr Ex Mark (Collin Firth) und ihr Neuer Jack (Patrick Dempsey).

Es konnte eigentlich nur schlecht werden: Schon der zweite Teil der Romanverfilmung "Bridget Jones" hatte 2004 das Original verraten, war mehr plump als plausibel durch eine haarsträubende Story im thailändischen Knast gestolpert. Jetzt kommt Bridget Jones nach zwölf Jahren zurück in die Kinos - und dieses Mal soll ausgerechnet die ewige Single-Frau schwanger sein. Doch keine Angst: Was erst nach langweiligen Gags und Fremdscham klingt, entpuppt sich als witzige Komödie, die dem Original überraschend nah kommt.

Eine der Stärken des Films ist es, dass die Drehbuchautoren Bridget Jones wirklich haben altern lassen. Und damit sind nicht die im Vorfeld viel diskutierten neuen Gesichtszüge von Hauptdarstellerin Renée Zellweger gemeint. Bridget, die in den 90ern so hip war, ist jetzt Anfang 40. Und kann mit dem Catcontent ihrer jungen Chefin genau so wenig anfangen, wie mit "Glamping" auf coolen Festivals. ("Nur weil man ein 'Gl' davor hängt macht es die Sache nicht gut. Gladolf Hitler wäre auch nicht besser gewesen.") Gleichzeitig ist sie ganz die Alte geblieben, hat sich ihren typischen Humor und ihre besten Freunde bewahrt. 

Hallo McDreamy: Patrick Dempsey ersetzt Hugh Grant

Wer fehlt? Hugh Grant. Nie wieder hat er sich so konsequent selbst gespielt wie in den Bridget-Jones-Filmen. Im dritten Teil übernimmt McDreamy aus "Grey's Anatomy" die Rolle des zweiten Traummanns. Aber Patrick Dempseys Jack ist kein 90er-Macho wie Grants Daniel Cleaver: Er wirbt als milliardenschwerer Amerikaner mit Blumen und Smoothies um Bridget und steht auf Yoga. Immerhin darf er noch auf einem Motorrad durch den Londoner Linksverkehr donnern. Dass er außerdem Slapstick genauso gut drauf hat wie Hugh Grant, beweist Dempsey gemeinsam mit Zellweger und Colin Firth in einer herrlich absurden Szene zum Ende des Films, als die Männer die schwangere Bridget auf Händen ins Krankenhaus bugsieren.

Das Schöne an Helen Fieldings Romanfigur war stets ihre Unvollkommenheit. Bridget Jones strebte zwar nach dem perfekten Job, dem perfekten Körper und der perfekten Beziehung - zeigte den Zuschauern in ihrem Scheitern aber immer, wie absurd diese gesellschaftlichen Ansprüche eigentlich sind. 

Bridget Jones' Botschaft ist aktueller denn je

Das alles ist in Zeiten von Instagram-Posts und Snapchat-Filtern, die jederzeit Perfektion vorgaukeln, aktueller denn je. Bei Bridget Jones läuft es eben nicht perfekt ab: Im dritten Teil ist sie von Traummann Mark Darcy (Firth) getrennt, weil der als Super-Anwalt realistischerweise zu wenig Zeit für die Beziehung hatte. Außerdem weiß sie nach zwei One-Night-Stands nicht, wer der Vater ihres unerwarteten Babys ist. Und im Job wird sie langsam aber sicher von jüngeren Kollegen verdrängt. Trotzdem verzweifelt Bridget Jones nie, sondern geht ihr Leben mit gesundem Pragmatismus, Herz und einer großen Portion Humor an.

Mit "Bridget Jones' Baby" hat Autorin Helen Fielding gemeinsam mit Oscar-Gewinnerin Emma Thompson und dem Komiker Dan Mazer das Drehbuch für eine solide romantische Komödie abgeliefert, die die Fans nicht enttäuschen wird.

Willkommen zurück, Bridget!

"Bridget Jones' Baby" läuft ab dem 20. Oktober in deutschen Kinos