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Cannes: "Marie Antoinette" und Cate Blanchett

Sein spektakuläres Debüt "Amores Perros" machte ihn bekannt. Mit "Babel" gehört Regisseur Alejandro Gonzàles Inàrittu zu den diesjährigen Favoriten. Hauptdarsteller sind Cate Blanchett und Brad Pitt. Buhrufe gab es für Sofia Coppolas Film.

Kaum ein Film passt so gut zum Festival in Cannes wie "Marie Antoinette" von Sofia Coppola. Die Fixierung auf Schönheit und Glamour, die Sucht nach Verschwendung und Vergnügen, die abgeschlossene höfische Gesellschaft, in die niemand ohne offizielle Einladung Einlass findet, die Oberflächlichkeit: Das Leben im Schloss von Versailles kurz vor der Französischen Revolution kommt dem Festivalzirkus dieser Tage sehr nahe - nur dass in Cannes niemand dafür geköpft wird.

Die Buhs nach der Pressevorführung hat die 35 Jahre alte Regisseurin im Prinzip nicht verdient. Die Erwartungen an den Wettbewerbsbeitrag waren nach vielen eher mittelmäßigen Filmen einfach zu hoch. Doch anders als in ihrem Hit "Lost in Translation", der mit Tiefgang und lakonischem Humor überzeugte, spielt Coppola jetzt die "Mädchenkarte" aus. Die Tochter von Francis Ford Coppola hat selbst einen Ruf als modische Stilikone zu verteidigen und schwelgt in Kostümen, Ausstattung und der Üppigkeit des Original-Drehorts Versailles.

Sinnlich und sexy wie langer Video-Clip

Die Geschichte der naiven Prinzessin aus Wien, die als 14-Jährige nach Frankreich geschickt wird, um mit Louis XVI. einen Thronfolger zu produzieren, erstickt in Seide und süßem Gebäck. 40 Millionen Dollar hat "Marie Antoinette" gekostet, im Budget inbegriffen sind Dutzende Paare der traumhaften Schuhe von Kult-Designer Manolo Blahnick.

Konfrontiert mit den strengen Regeln des französischen Hofes und enttäuscht vom sexuellen Desinteresse ihres Mannes, entwickelt sich Marie Antoinette erst zum Partygirl, dann zur gereiften Mutter. Sofia Coppola interpretiert das sehr modern und locker. Ihr Film ist sinnlich und sexy wie ein langer Video-Clip mit moderner Musik von Bands wie New Order. Dass sie an der Oberfläche des eigentlichen Dramas kleben bleibt, liegt vor allem an Kirsten Dunst als Titelheldin. Die junge Amerikanerin aus "Spiderman" verjagt auch als politisch missbrauchte, verunsicherte Marie Antoinette alle Ängste und Schrecken mit einem unpassend patenten Cheerleader-Lächeln.

"Babel" zählt zum Kreis der Favoriten

Dass Kommunikation ein kompliziertes Bedürfnis ist, erfahren die Festivaliers in Cannes nicht nur, wenn sie mitten im Party-Getöse feststellen, dass das Handy-Netz zusammengebrochen ist. Auch "Babel", der Wettbewerbsbeitrag des Mexikaners Alejandro Gonzàles Inàrittu, dreht sich um Kommunikation, Verständigung und Vorurteil. Sein Film ist nicht nur ein durchkomponiertes Drama mit Stars wie Brad Pitt und Cate Blanchett, sondern auch ein philosophischer Kommentar über Zufall und Schicksal, Kinder und Eltern, Terrorangst und Aggression.

Die miteinander verwobenen Geschichten über ein verschenktes Gewehr, das mit einem Zufallstreffer fatale Folgen auslöst, spielen in den USA, Mexiko, Marokko und Japan. Babylonisch ist das Sprachgewirr. Aber auch die Menschen, die sich miteinander verständigen können, verstehen sich nicht. "Wir sehen die anderen immer als Feinde, wir können nicht mehr zuhören. Das ist Babel heute", erklärte Inàrittu seinen Ansatz, mit dem er durchaus zum Kreis der Favoriten für eine Auszeichnung zählt.

Karin Zintz, DPA / DPA