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Die Päpstin: Bestsellerverfilmung von Sönke Wortmann

Das ist der Stoff, aus dem Schmöker und Historienschinken sind: eine Frau, die als Mann verkleidet im 9. Jahrhundert zum Papst gewählt wird. Gab es diese sagenhafte Johanna von Ingelheim wirklich? «Ich finde es nicht wichtig, ob die Geschichte wahr ist oder nicht», sagt Schauspielerin Johanna Wokalek. «Das Schöne an einer Legende ist: Wir werden es nie erfahren.»

Das ist der Stoff, aus dem Schmöker und Historienschinken sind: eine Frau, die als Mann verkleidet im 9. Jahrhundert zum Papst gewählt wird. Gab es diese sagenhafte Johanna von Ingelheim wirklich? «Ich finde es nicht wichtig, ob die Geschichte wahr ist oder nicht», sagt Schauspielerin Johanna Wokalek. «Das Schöne an einer Legende ist: Wir werden es nie erfahren.» Wokalek spielt die Hauptrolle in Sönke Wortmanns neuem Film «Die Päpstin» nach dem Bestseller von Donna W. Cross.

Die 34 Jahre alte Schauspielerin, die Gudrun Ensslin aus «Der Baader Meinhof Komplex» und Ensemblemitglied am Wiener Burgtheater, macht ihre Sache wirklich gut. Sie trägt den Film, ist androgyn genug für die Hosenrolle und um sich glaubhaft von der Priestertochter zum Mönch mit Tonsur zu wandeln. Auch Hollywoodschwergewicht John Goodman («Roseanne», «The Big Lebowski») als gemütlicher Papst Sergius ist sehenswert.

Gedreht wurde in der Eifel und auf Burg Querfurt in Sachsen- Anhalt. Das mittelalterliche Rom entstand in Marokko. Die Ausstattung ist opulent. Hunderte handgenähte Kostüme wurden extra wieder dreckig gemacht. Die schlechten Zähne der Menschen von damals ersparte Wortmann den Zuschauern aber. Schlachtszenen mit rasselnden Schwertern und wiehernden Pferden, Dorfhütten, mittelalterliches Marktreiben, die Kulissen von Rom - was das 150 Minuten lange «Kino- Ereignis des Jahres» (Aufbau Verlag) gekostet hat, verrät das Filmteam nicht.

Wortmann erzählt die Geschichte klassisch, aber damit auch erwartbar, ähnlich wie Tom Tykwer in «Das Parfum». Kitsch darf sein. Johannas Liebesszene mit dem Grafen Gerold (David Wenham) am Bach ist in Mondlicht getaucht. Überraschend blutig ist eine Szene, in der einem Kirchenmann der Kopf abgeschlagen wird, noch bevor der Zuschauer weggucken kann.

Ursprünglich sollte Volker Schlöndorff der Regisseur sein, Franka Potente war für die Titelrolle im Gespräch. Schlöndorff verlor 2007 den Posten, nachdem er es kritisiert hatte, wenn Filme so gedreht werden, dass sie nach dem Kino als TV-Mehrteiler laufen können. Vor der Kamera stand eine international gemischte Truppe, darunter Jördis Triebel als Johannas Mutter, Claudia Michelsen als eifersüchtige Ehefrau des Grafen und Anatole Taubman als Papst-Widersacher. Cross: Hollywood wäre härter mit dem Buch umgegangen

Die Version der Legende ist auch eine Emanzipationsgeschichte. Die kleine Johanna (Tigerlily Hutchinson und Lotte Flack) lernt gegen den Willen ihres Vaters lesen und schreiben. Im Kloster Fulda heilt sie als «Johannes» mit Kräutern Kranke und verzückt später mit ihren Künsten in Rom den dicken, an Gicht leidenden Papst Sergius. Johanna steigt in der Hierarchie immer höher, bis sie unfreiwillig zum Kirchenoberhaupt wird. Die Liebesgeschichte lässt sie aber nicht los, so dass es mit Papst «Johannes Anglicus» kein gutes Ende nimmt. Die Mönchstonsur verbarg Wokalek außerhalb des Drehs unter einer Mütze.

Wortmann ist nach seinen erfolgreichen Fußballfilmen «Das Wunder von Bern» und «Deutschland - Ein Sommermärchen» jetzt also in seiner «klerikalen Phase». «Das ist eine außergewöhnliche Lebensgeschichte», sagt der Regisseur über die Hauptfigur. Johanna soll zwischen Leo IV. und Benedikt III. auf dem Heiligen Stuhl gesessen haben. Ob sie wirklich existierte, was angeblich vertuscht wurde, ist umstritten. Donna W. Cross weiß, dass ihr etwaige Kritik des Vatikans nicht schaden würde, sondern dass Kontroversen den Absatz des Romans steigern. Mit dem Film ist sie sehr zufrieden. «Hollywood wäre viel härter mit dem Buch umgegangen.»

DPA / DPA