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Dokumentarfilm über sein Leben: Polanski entschuldigt sich - auf seine Art

33 Jahre nach der Vergewaltigung einer 13-Jährigen und zwei Jahre nach seiner Festnahme hat Regisseur Roman Polanski Stellung bezogen. In einem Dokumentarfilm über sein Leben.

Mit zwei Jahren Verspätung hat Roman Polanski beim Filmfest Zürich den Ehrenpreis entgegengenommen. 2009 war der gefeierte Regisseur bei der Einreise festgenommen und unter Arrest gestellt worden, da die USA seit mehr als 30 Jahren einen internationalen Haftbefehl wegen Vergewaltigung gegen den Filmemacher ausgestellt haben. Der 78-Jährige nutzte seinen Auftritt, um einen Dokumentarfilm über sein Leben zu zeigen, in dem er sich erstmals öffentlich bei seinem Opfer entschuldigt.

Die Dokumentation "Roman Polanski: A Film Memoir" von Laurent Bouzereau sei in den neun Monaten von Polanskis Hausarrest in dessen Schweizer Chatelet entstanden, berichtet der "Hollywood Reporter". Im Juli 2010 war Polanski freigelassen worden, nachdem sich die Schweiz gegen seine Auslieferung an die USA entschieden hatte. Der Film zeige größtenteils eine Unterhaltung zwischen Polanski und dessen Freund und Produzenten Andrew Braunsberg, so der Bericht. Der Regisseur spreche dabei vor allem über seine Kindheit im von Nazis besetzten Polen, auch seine Flucht aus dem Warschauer Ghetto sei Thema. Dazu würden Szenen aus Polanskis Oscar-Erfolg "Der Pianist" gezeigt.

"Besser spät als nie"

Anders als in Marina Zenovichs viel diskutiertem Film "Roman Polanski: Wanted and Desired" ist die Vergewaltigung eines jungen Mädchens, dass 1978 zwecks Fotoaufnahmen in Polanskis Haus in Los Angeles gekommen war, zumindest ein Thema am Rande. Immerhin sagt Polanski den bedeutenden Satz: "Sie wurde zwei Mal Opfer - ein Mal von mir und ein Mal von der Presse". Neue Einblicke oder Beweise bringe der Film jedoch nicht. Eine Überraschung sei der Film nur für die, die ein Monster erwarteten, so der "Hollywood Reporter". Stattdessen sei aber ein "grüblerischer, eloquenter, emotionaler Mensch" zu sehen, der über sein Leben nachdenkt.

"Besser spät als nie", scherzte Polanski in seiner Dankesrede, als er den Ehrenpreis entgegennahm und bedankte sich auch beim Schweizer Gefängnispersonal, das seinen Arrest "erträglich" gemacht habe. Als das Publikum lachte, fügte er hinzu: "Ich bin weit davon entfernt, zu scherzen".

Bleibt zu hoffen, dass Polanskis Opfer, eine mittlerweile 47-jährige Frau und Mutter, deren Leben nach 1978 ein Überlebenskampf war und die sich seitdem vor den Medien verstecken muss, nun endlich Ruhe findet. Wahrscheinlich ist das allerdings nicht.

sal