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Felix Stark und Till Ritter: Der Macho und der Saubermann

Sie könnten verschiedener nicht sein: und doch hat das Berliner Ermittlerduo Felix Stark und Till Ritter einen idealen Weg gefunden, ihre Schwächen in Stärken umzuwandeln.

Roger Moore und Tony Curtis lieferten sich zum Auftakt ihrer legendären Krimiserie "Die Zwei" ein minutenlanges Verfolgungsrennen mit ihren Luxuskarossen quer durch Monte Carlo, bis sie beide mit quietschenden Reifen und Stoßstange an Stoßstange vor einem Hotel stoppten. Felix Stark und Till Ritter haben sich für ihren ersten Auftritt als Berliner "Tatort"-Duo etwas vom Klassiker abgeguckt. Ritter, im 20 Jahre alten Daimler, erspäht genauso wie Stark, im neuen A-Klasse-Mercedes, dieselbe Parklücke weit und breit - und es scheppert.

Nicht der einzige Krach zwischen Kommissar Stark, gespielt von Boris Aljinovic, und Ritter, dargestellt von Dominic Raacke. Zwischen den beiden knistert es gewaltig: Stark ist der saubere, integre Familienvater, intellektuell und zuweilen arrogant. Ritter tritt als eckiger Macho auf, als Einzelgänger, der ein Leben in Saus und Braus führt und eher seinem Instinkt als der Logik traut. Doch im Krimi kommt es immer anders als oftmals im Leben. Sie raufen sich immer wieder zusammen und bilden so ein hervorragendes Team.

Übergansphase nach Lamprecht-Abgang

Das Duo hat es geschafft, die zwischenzeitliche Berliner "Tatort"-Misere zu beheben. Nach dem Abtritt von Günther Lamprecht übernahm Winfried Glatzeder die Kommissar-Rolle in Berlin. Kein Missgriff, aber da all seine Fälle auf Video gedreht wurden, erreichten die Filme nicht die erforderliche Qualität und verschreckten somit die Zuschauer. Nachfolger Stefan Jürgens, der bereits mit Dominic Raacke ein Gespann bildete, schied nach zu hohen Gagenforderungen und sechs abgedrehten Episoden im Streit mit dem Sender Freies Berlin (SFB) aus.

Mit Aljinovic holte der SFB einen gebürtigen Berliner in sein "Tatort"-Duo. Der Schauspieler entfernte sich nach eigenen Worten nie länger als drei Monate aus seiner Heimatstadt. Dominik Raacke ist mit seinem Kollegen zufrieden: "Seine Spielfreude hat mich überzeugt", sagt der im westfälischen Hamm geborene Schauspieler, der überlegt hatte, aufzuhören. "Mein Motiv zum Weitermachen hieß einfach: Alles besser machen."

Stess mit dem Chef

Das unterschiedliche Doppel fand sich nach Anfangsschwierigkeiten bald zusammen - und entwickelte schnell einen eigenen Humor. Unvergesslich die Szene, als die beiden auf einem gemeinsamen Lottoschein sechs Richtige tippen. Ihr griesgrämiger Chef wundert sich über die ausgelassene Freude seiner Kommissare: "Was ist das hier für ein Affenstall?", faucht er Stark und Ritter an. "Jawoll, hier ist ein Affenstall, und Du bist der Oberpavian", herrscht Ritter zurück. "Und während Du noch auf Deinem Hämorrhoidenkissen hockst, saufe ich eimerweise Caipirinha."

Wer richtig kombiniert, kann es sich schon denken: So hoch wird der Lottogewinn nicht ausfallen, dass sich beide ein sorgenfreies Leben ohne Arbeit und ohne Chef erlauben können - und so darf sich der Zuschauer auch weiterhin auf komische Zusammenstöße der beiden Ermittler mit ihrem Chef freuen.

Mit Material von DPA