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Heinz Erhardt: Milder Humor für die Wirtschaftswunder-Deutschen

Er war der beliebteste deutsche Komiker in den 50er und 60er Jahren. Heinz Erhardt bot den richtigen Humor zur richtigen Zeit: voll familientauglich, nicht verletzend oder ätzend.

Direkt nach dem Krieg gab es in Deutschland wenig zu lachen: Hunger, Trümmer, Arbeitslosigkeit prägten das Leben. Vielleicht waren sie deshalb so dankbar für ein bisschen Spaß, ein wenig absurden Humor, wie ihn der Komiker Heinz Erhardt bot. Ab 1947 machte er eine Blitzkarriere, in den 50er und 60er Jahren war er der wohl beliebteste deutsche Komiker. Er selbst hätte an dieser Stelle sicher auch einen Witz über den beleibtesten Komiker gemacht. Am 5. Juni vor 25 Jahren ist Heinz Erhardt gestorben.

Er stammte aus einer musischen Familie: Der Vater war Theaterkapellmeister, der Großvater hatte eine Musikagentur, die sich auf Litauen, Estland, Lettland und sogar Russland erstreckte. Der kleine Heinz kam 1909 in Riga zu Welt, später sprach er fließend Russisch und die baltischen Sprachen. Nach dem Abitur ging er von 1926 bis 1928 nach Leipzig, um Musik zu studieren. Er wollte Pianist werden.

Zunächst arbeitete er als Verkäufer

Stattdessen arbeitete er aber zunächst als Verkäufer: Zurück in Riga war er im Musikalienhandel tätig, wechselte nach Danzig, wo er ohne Erfolg beim Radio arbeitete. In Berlin was das Publikum eher angetan, Erhardt ging an das "Kabarett der Komiker". Die unpolitischen, albernen Witze passten schon damals in die Zeit. Den Krieg erlebte er als Marinesoldat, machte aber vor allem Truppenbetreuung.

Der große Erfolg kam dann in Hamburg, wohin Erhardt mit Frau und Kindern umgezogen war. Er landete beim Rundfunk. Hier konnte er den unverwechselbaren Erhardt-Ton verfeinern ("Noch’n Gedicht..."). Bald wurde der Film auf ihn aufmerksam: "Der Haustyrann", "Immer die Radfahrer", "So ein Millionär hat’s schwer". Film folgte auf Film.

Ein fülliger Herr mit dicker Brille

Heinz Erhardt stand für einen milden Humor, voll familientauglich, nicht böse, nicht verletzend. Dazu kam seine lustige Erscheinung: Ein fülliger Herr mit dicker Brille, schütterem Haar und freundlichem Gesicht. Die Hände knetete er vor dem Bauch, als er im jungen Fernsehen seine absurden Gedichte aufsagte und die Wirtschaftswunder-Deutschen am Nierentisch zum Lachen brachte.

Im Alltag war der Komiker dagegen gar nicht so eine Lachnummer: "Ihn umgab eine gewisse Melancholie", erinnert sich Schauspieler Marek Erhardt, der Enkel. "Er ist jemand gewesen, der zurückgezogen gelebt hat, der sich den Humor aufgespart hat für das Publikum", sagt der Nachkomme, der heute neben seiner Filmarbeit auch den Nachlass des berühmten Großvaters betreut. Erst im Frühjahr hat Marek Erhardt ein altes Lied seines Großvaters neu aufgenommen: "Immer wenn ich traurig bin, trink ich einen Korn". "Das wurde ein Knaller auf den Skihütten", sagt er.

Radio, Filme, Bühne, Fernsehen, Schallplatten, Bücher

Die Karriere von Heinz Erhardt wurde in der 50er und 60er Jahren immer rasanter: Radio, Filme, Bühne, Fernsehen, Schallplatten, Bücher. Was er anfasste, wurde ein Erfolg. "Das große Heinz-Erhardt-Buch" und andere Werke werden selbst heute noch regelmäßig nachgedruckt, sagt der Enkel.

Die große Karriere endete hart: Im Dezember 1971 erlitt Heinz Erhardt einen Schlaganfall. Er war jahrelang an den Rollstuhl gefesselt. Im Laufe der Jahre erholte er sich ein bisschen, brachte noch ein paar neue Werke heraus. 1979 ist er in Hamburg gestorben.

Claus-Peter Tiemann; AP / AP / DPA