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Interview Colin Farrell: "Ich will nur ein bisschen Frieden!"

Hollywood-Star Colin Farrell ist zurück und spielt in dem Film "Brügge sehen... und sterben" einen schlecht ausgerüsteten Auftragskiller. Im stern.de-Interview spricht der 32-Jährige über Misserfolge, seinen neuen Lebensstil und den speziellen Geschmack von "Pferde-Pisse".

Ihr neuer Film "Brügge sehen... und sterben" ist bei den Sundance-Filmfestspielen gefeiert worden. Ein gutes Gefühl?

Ja, natürlich. Es fühlt sich gut an, Teil eines Films zu sein, der gut ankommt. Das Gegenteil davon ist Scheiße und das habe ich mehr als einmal erlebt. Steckt man mehrere Monate lang Herz und Seele in ein Projekt, ist es kein besonders gutes Gefühl verrissen zu werden. Aber auch dieser Schmerz vergeht irgendwann.

Sie spielen in dem Film einen Auftragskiller namens Ray. Wie haben Sie sich auf diese Rolle vorbereitet?

Ray ist ein ebenso tragischer und schlecht ausgerüsteter Auftragsmörder. Für eine neue Rolle recherchiere ich zunächst und versuche, möglichst viel über den jeweiligen Job zu erfahren. Das ist praktisch: Mal habe ich dabei gelernt ein Instrument zu spielen, mal ein Pferd zu reiten. In diesem Fall aber war aber alles anders: Ich habe mit Martin McDonaghs, dem Autor und Regisseur, drei Wochen in einem Zimmer verbracht, und wir haben ausschließlich geredet. Das ist wirklich etwas Neues, denn bisher musste ich meistens lange mit mir selbst reden, um den Charakter einer Rolle zu ergründen.

Seit "Miami Vice" haben Sie vorwiegend kleinere Filme gedreht. Aus voller Absicht?

Nein, nicht wirklich. Ich lege mir keinen großartigen Pläne zurecht, das habe ich noch nie gemacht. Nach "Miami Vice" habe ich mir einfach mal eine Pause gegönnt, um etwas Abstand zu finden, eine neue Perspektive. Immerhin hatte ich davor sieben Jahre in Folge einen Film nach dem anderen gedreht. Ich musste einfach mal Luft holen - das habe ich genossen. Dass in dieser Zeit nur drei kleine Filme mit mir entstanden sind, ist reiner Zufall. Aber man sagt nicht einfach ab, wenn Woody Allen anruft, oder man ein brillantes Drehbuch wie "Brügge sehen... und sterben" bekommt.

Vor neun Jahren kamen Sie als Unbekannter mit dem Joel-Schumacher-Film "Tigerland" nach Hollywood und wurden innerhalb kürzester Zeit zum Star. Was ist das für eine Erfahrung?

Als ich mit 23 nach Hollywood kam, wusste ich gar nichts, war völlig unbedarft. Allerdings hat all der Trubel natürlich einen Riesenspaß gemacht. Allerdings geriet mein Privatleben ziemlich aus den Fugen. Deswegen brauchte ich auch irgendwann eine Pause. Inzwischen bin ich 32, Vater geworden und lebe nicht mehr ein derart schnelles Leben wie früher. Ich besuche keine Clubs mehr und meide Hollywood so oft es geht. Ich will einfach ein bisschen Frieden!

Daher tauchen Sie auch nicht mehr in Klatschkolumnen auf?

Ja. Für mich steht die so genannte "Karriere", der so viele bedingungslos nacheifern, inzwischen recht weit unten auf meiner Prioritätenliste. Ich habe einen Sohn, Freunde und Familie, die ich verehre. Es hat ein bisschen gedauert, bis ich wieder die wichtigen Dinge erkannt habe. Aber seither hat für mich ein neuer Lebensabschnitt begonnen.

Wie sieht ein typischer Tag im Leben von Colin Farrell aus?

Ich stehe auf, esse, schlafe, lese und spiele auf meiner Gitarre, immer die gleichen drei Akkorde. Außerdem gehe ich gern ins Kino.

Wo leben Sie derzeit?

In einem ruhigen Stadtteil von Los Angeles und in Dublin, wo ich inzwischen die meiste Zeit verbringe. Hauptsächlich wegen meines Sohnes. Die besten Dinge im Leben sind diejenigen, die man nicht vorausplant. Und mein vierjähriger Sohn war nicht geplant.

Im Film fühlt sich ihre Figur Ray in Brügge reichlich unwohl. Gibt es Parallelen, wenn Colin Farrell als Tourist unterwegs ist?

Ich liebe es, zu reisen. Das ist nicht nur eine Notwendigkeit, sondern auch das Beste an meinem Job. Es gibt mir die Gelegenheit, die Welt zu sehen und meinen Horizont zu erweitern. Andere Kulturen, anderes Denken, Musik, Essen, Unterhaltungen, Politik, etc. Unter den Umständen, unter denen Ray Brügge erlebt, hätte ich die Stadt natürlich schnell verlassen. In der Realität war Brügge für mich aber kein Kulturschock, auch wenn wir im Winter drehten und nicht allzu viel los war. Es war schon etwas unheimlich, fast schon gespenstisch.

Bei unserem letzten Gespräch vor eineinhalb Jahren hatten Sie seit sechs Monaten nicht mehr getrunken. War das Bier in Brügge nicht sehr verlockend?

Nein, nein, um Gotteswillen. (lacht). Nur mein Bett hat mich in Versuchung geführt, wegen der langen Drehtage. Es ist schon ironisch, dass ich in diesem Abschnitt meines Lebens in einem Land gedreht habe, in dem über 400 verschiedene Biersorten angeboten werden…

Was war das für ein Bier, das Sie im Film getrunken haben?

Ein Alkoholfreies. Und es hat geschmeckt wie Pferdepisse! (lacht) Wie die schmeckt, weiß ich noch genau von den Dreharbeiten für "Alexander".

Interview: Frances Schönberger

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