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Justin Timberlake in neuer Komödie: Der, den man mögen muss

Er hat alles, kann alles, will alles und kriegt alles. Eine Begegnung mit dem Super-Entertainer Justin Timberlake - der jetzt mit der schönen Komödie "Freunde mit gewissen Vorzügen" im Kino zu sehen ist.

Von Sophie Albers

Casting-Koryphäe Simon Cowell, der von sich behauptet, das Starpotential eines Menschen auf 10.000 Meilen riechen zu können, hat einmal über Justin Timberlake gesagt, er sei ein "weißer Junge, der verzweifelt versucht, schwarz zu sein. Deshalb hat man den Eindruck, dass er versucht, jemand zu sein, der er nicht ist." Eigentlich gilt das Nichtgönnenkönnen nicht als amerikanische Eigenschaft, aber es ist verständlich, dass der Neid auf Timberlakes Hypertalent Menschen wie Cowell rasend macht. Es muss den Castingmann nur wundern, dass Justin Timberlake nicht längst mit Gesichtstätowierungen in der Klapse sitzt.

Man könnte Timberlake als männliche Beyoncé beschreiben, wobei sein Marsch durchs Showgeschäft noch eine ganze Ecke rasanter passierte. Wie bei kaum einem anderen Künstler scheint Timberlakes ganzes Wesen darauf angelegt, in der doch eigentlich feindlichen Umgebung des Showbiz zu bestehen - dafür lebt er gleich mehrere künstlerische Leben, ist Sänger, Produzent, Moderator, Modemacher, Model, Plattenlabel- und Restaurantbesitzer. Und macht alles richtig gut. Zudem ist er jetzt auch wieder in einem richtig guten Film zu sehen - denn schauspielern kann er ja auch.

"Freunde mit gewissen Vorzügen"

"Freunde mit gewissen Vorzügen" ist eine Sex-Komödie. Allerdings war der geniale Will Gluck ("Easy A") für Drehbuch und Regie zuständig. Deshalb muss man bei den Wort- und Bettgefechten von Timberlake und Mila Kunis zuweilen an die Wort und Fast-Bettgefechte von Katharine Hepburn und Spencer Tracy denken. Was angesichts der aktuellen Kinokomödienlandschaft einem Ritterschlag mit dreifacher Vergoldung und Brillantkirsche oben drauf gleich kommt.

Der bunt-leichte Film erzählt von Dylan (Timberlake) und Jamie (Kunis), erfolgreiche Karrieristen mit gebrochenen Herzen, die das Leben in New York aufeinander loslässt. Komplett desillusioniert vom Hollywoodschen Liebesideal ("alles Lüge") beschließen sie das Notwendigste (den Sex) mit einander zu erledigen, ohne das ganze Gefühlstheater dazwischenkommen zu lassen. Und erzählen damit natürlich Hollywoods Liebeslüge weiter, denn - so Hollywood - regelmäßiger Sex ohne Liebe ist unmöglich. Ergänzt werden Kunis und Timberlake von Schauspiel-Schwergewichten wie Woody Harrelson als begeistert-schwuler Sportredakteur und lebensweiser Freund von Dylan. Nach dem Kinobesuch hat man ein angenehm sattes Gefühl im Herzen.

Popstar?

Das Gefühl beim Stelldichein mit Timberlake ist ein anderes - reine Sympathie. Vor einem sitzt zwar ein Kontrollfreak, der es sich jedoch nicht nehmen lässt, seine schlechte Laune auch zu zeigen. Das macht ihn authentischer als viele andere Stars. Wobei er selbst bei offensichtlich leicht verhagelter Gemütslage nicht unhöflich, sondern hochprofessionell wirkt. Hat Timberlake dann auch noch gute Laune, entfaltet sich der Charme der uralten, uramerikanischen Tradition der Unterhaltung. Wenn man einen Begriff suchen möchte, der Timberlakes öffentliches Wirken zusammenfasst, ist es "Entertainer". Das ist er - in Reinform.

Egal, worauf der 30-Jährige sich in seiner Karriere bisher konzentriert hat, er hat die neuen Aufgaben mit Bravour bestanden. Als Kind gewann er das Casting zum Moderator des Mickey-Mouse-Clubs. Mit süßen 15 begann seine Karriere als Boy-Group-Sänger. Und Nsync waren nicht irgendeine Boygroup, von denen es in den 90ern ja einige gab. Gleich das erste Album verkaufte sich rund elf Millionen Mal. Nsync trat bei den Oscars auf und beim Super Bowl. Sie waren eine der erfolgreichsten Boybands überhaupt. Als das Timberlake klar war, versuchte er es solo: 2002, im gleichen Jahr, als Nsync in die Pause gingen, erschien sein Debüt "Justified", zum großen Teil selbst geschrieben und auch produziert, das sich schon in der ersten Woche 450.000 Mal verkaufte.

Ob Geniestreich, Nase fürs Geschäft oder Freude an der Qualität: Timberlake hatte von Anfang an die richtigen Zuarbeiter am Start: Mit Über-Produzent Timbaland und The Neptunes stand ihm die Popsound-Avantgarde zur Seite. Innerhalb kürzester Zeit hat sich Timberlake als ernstzunehmender, Grammy-beschwerter Musiker etabliert. Da war das "Nipplegate" mit Janet Jackson beim Superbowl 2004 eigentlich nur eine skurrile Fußnote. Der nächste große Erfolg war das "FutureSex/LoveSounds"-Album 2006. Und Madonna durfte ein Jahr später mit ihm "4 Minutes" singen.

Filmstar?

Doch Timberlake war noch immer nicht erfüllt. Und nahm sich das Kino vor. Ersten Schritten 2004 folgte sofort sein überraschender Auftritt als körpertätowierter Kleingauner in dem Drama "Alpha Dog". "Justin Timberlake hat alles, um ein echter Filmstar zu sein", urteilten die Kritiker. Was Timberlake in "Southland Tales", "Social Network" und "Freunde mit gewissen Vorzügen" weiter klar gemacht hat. Kann er also auch abhaken.

So einfach und getrieben ist der Entertainer jedoch auch nicht. Er verteilt sein Talent auf cleverste Weise. So wie sein Geld, das er zuhauf macht und investiert. Falls er im glamourösen Stil lebt, ist der nicht übertrieben genug, um es in die Klatschspalten zu schaffen. Da stehen nur seine Freundinnen drin: Nach Britney Spears kamen unter anderem Cameron Diaz und Jennifer Biel. Und auch Scarlett Johansson soll ihm nahe gewesen sein.

MySpace-Retter?

Aber zurück zum Geschäft: Der "Sexiest" ("Cosmopolitan", "Teen People") und "Most Stylish Man" ("GQ") hat schon die angesehene "Saturday Night Live"-Show moderieren dürfen, ihm gehören drei Restaurants, ein umweltfreundlicher Golfplatz, die Modelinie William Rast, eine eigene Tequila-Marke. Er hat für Sony geworben, für Audi und das Givenchy-Parfüm "Play". Zu all dem hat er sich nun auch noch in den hart umkämpften Markt der Sozialen Netzwerke eingemischt. Als Teilhaber der Firma Specific Media hat er das marode MySpace mitübernommen. Angeblich denkt sich Timberlake gerade aus, wie man den einstigen Branchenriesen wieder ins Rennen bringt. Etwas, dass Mark Zuckerberg nicht aus den Augen verlieren sollte.

Und als wäre das alles nicht genug: Der Mann hat auch noch Humor!