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Marvel-Rechte für 25 Millionen Dollar: Der Tag, als Sony das beste Film-Angebot Hollywoods ablehnte

Mit "Avengers: Endgame" knackt Marvel wohl allein an diesem Wochenende die Milliarden-Dollar-Marke. Die Superhelden-Saga ist eine Erfolgsgeschichte, die fast nicht zustande gekommen wäre. Allerdings hat Sony Ende der Neunziger ein unfassbares Angebot abgelehnt.

"Spider-Man" wurde von Stan Lee und Steve Ditko erfunden

"Spider-Man" wurde von Stan Lee und Steve Ditko erfunden

Wenn sich alle Superhelden ein letztes Mal vereint gegen das Böse stellen, sind klingelnde Kassen garantiert. "Avengers: Endgame" ist diese Woche weltweit in den Kinos angelaufen, und es sieht ganz so aus, als könnte es der erfolgreichste Filmstart aller Zeiten werden. Bis Samstagmorgen spielte der Film international 643,7 Millionen Dollar ein, berichtet "Deadline" – und da sind die Einnahmen aus China noch gar nicht eingerechnet.

Sollte dieser Kurs beibehalten werden, dürfte der Film bereits am Startwochenende die Milliardenmarke knacken. Kein Wunder, "Endgame" ist das lange erwartete Finale einer Serie von insgesamt 22 Filmen, die sich über elf Jahre erstreckte. Mit dem Marvel Cinematic Universe (MCU) verdiente der Konzern mehr als 15 Milliarden Dollar. Dabei wäre diese Erfolgsgeschichte beinahe nie zustande gekommen.

Marvel wollte alles verkaufen

1996 war die Situation eine völlig andere. Comics waren nicht mehr angesagt, Streaming-Serien gab es noch nicht und Superhelden-Filme waren nur etwas für Nerds. Marvel stand kurz vor der Insolvenz. Um sich finanziell über Wasser zu halten, wollte der einstige Comic-Gigant seine Lizenzen veräußern. Einer der Interessenten war das Filmstudio Sony, das sich 1998 die Rechte an Spider-Man sichern wollte. Der angepeilte Kaufpreis lag bei zehn Millionen US-Dollar.

Ike Perlmutter, der damalige Marvel-Chef, machte Sony ein aus heutiger Sicht unfassbares Gegenangebot: Für 25 Millionen US-Dollar würde der Konzern die Rechte sämtlicher Marvel-Figuren bekommen, mit Ausnahme der X-Men und der Fantastischen Vier. Die Lizenzen hätten unter anderem Spider-Man, Iron Man, Thor, Hulk, Black Panther und Ant-Man umfasst.

Yair Landau, der damalige Chef von Sonys Filmsparte, wies den Deal harsch zurück: "Niemand interessiert sich für die anderen Marvel-Charaktere", lautete seine Einschätzung, die ähnlich fatal war wie die jener Personen, welche J.K. Rowlings Kinderbuch "Harry Potter" zu wenig kommerziell und die Gitarrenmusik der Beatles als nicht zukunftsfähig betrachtet hatten. Am Ende sicherte er Sony die Spider-Man-Rechte für sieben Millionen Dollar.

Gelohnt hat sich der Deal trotzdem: Allein die Filme mit Tobey Maguire als Hauptdarsteller waren finanziell sehr erfolgreich. Und wer weiß, ob die Marvel-Filme von Sony überhaupt gut gewesen wären. Denn das Superhelden-Filme kein Selbstläufer sind, können die DC Studios aus erster Hand berichten, die trotz bekannter Marken wie Batman und Superman Filmflops ablieferten.

Disney zahlte für Marvel ein Vermögen

Und doch wird sich Landau rückblickend über sein Nein ärgern. Denn 2009, knapp zehn Jahre nach dem Schnäppchen-Angebot, verleibte sich Disney die Marvel-Studios ein – für stolze vier Milliarden US-Dollar. Angesichts der Film- und Merchandising-Einnahmen war selbst das noch ein Schnäppchen.

cf
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