Moderator Frank Elstners Hobby sind die Menschen


Frank Elstner ist aus dem deutschen Fernsehen kaum noch wegzudenken. Am Samstag interviewt er zum 100. Mal "Menschen der Woche".

Elastisch geht der Mann in die Knie und schüttelt einem kleinen Mädchen energisch die Hand, er schreitet sportlich aus, redet gestenreich in ein Handy, lehnt gelassen an der Wand oder wedelt heftig mit dem ausgestreckten Zeigefinger: Frank Elstner ist schwer beschäftigt und leistet sich dennoch ein Hobby. "Menschen der Woche" heißt es, und im Vorspann der Talkshow zeigt er sich so aktiv, wie er offenbar tatsächlich ist.

Seit September 2000 läuft die Sendung samstags um 22.20 Uhr im SWR-Fernsehen, die 100. hat er nun erreicht. "Aus purem Egoismus" macht der Erfinder von "Wetten, dass...?" die Show, die im Durchschnitt von einer Million Menschen bundesweit eingeschaltet wird. "Es ist eine Freude und eine Gnade, jede Woche mit interessanten Persönlichkeiten sprechen zu dürfen", erklärt er. 578 Gäste hat der 60-Jährige schon im Baden-Badener E-Werk empfangen; dabei nutzt er seine zahlreichen Kontakte.

Elstner lädt nicht nur Prominente ein

Die persische Ex-Kaiserin war sein bisher spektakulärster Coup: Ihren ersten Auftritt in Deutschland nach 30 Jahren verlegte Farah Diba in Frank Elstners Show. Prominente wie Johannes Heesters, Roberto Blanco, Corinna Harfouch, Günther Jauch oder Georg Hackl saßen auf den roten Sesseln, aber in "Menschen der Woche" stehen auch Themen im Mittelpunkt. Elstner ist an Experten interessiert, an dem Vater der Pille zum Beispiel, an einem Amok- oder einem Vampir-Forscher, an Politikern außer Dienst wie Norbert Blüm oder Lothar Späth, an ganz normalen Menschen, die eine Katastrophe erlebt haben, eben an allen, die die Schlagzeilen der vergangenen Woche bestimmt oder etwas dazu zu sagen haben.

Karriere begann schon mit zehn Jahren

Wirklich nötig hat es Frank Elstner natürlich nicht, eine Art von Nischenfernsehen zu betreiben. Der 60-Jährige ist einer der bekanntesten deutschen Fernsehmänner. Schon als Zehnjähriger bekam er sein erstes Engagement für die Hörfunkversion von Walt Disneys "Bambi" beim Südwestfunk in Baden-Baden, wo seine Mutter Ansagerin war, der Vater war Schauspieler am Theater. Unzählige weitere Hörspielrollen machten Frank Elstner zum Kinderstar. "Ich war zu viel im Funk und zu selten auf der Schulbank", erzählt er heute. Das Ergebnis: Beim Abitur ist er durchgerasselt.

Nach einem Zeitungsvolontariat ging er mit 21 Jahren nach Luxemburg, wo er im das Radio ein Millionenpublikum unterhielt. Seine größten Erfolge feierte er dort, bei RTL, bei dem er Chefsprecher wurde und 1972 schließlich Direktor des deutschsprachigen Programms. Seit 1965 mischt er im Fernsehen mit, hat Sendungen wie "Spiel ohne Grenzen" oder "Montagsmaler" moderiert und sich von 1981 an mit seiner selbst konzipierten Spieleshow "Wetten, dass...?" ein Denkmal gesetzt.

Elstner ersinnt eigene Fernseh-Shows

Das Erfinden von Fernsehformaten hat Elstner zu seinem Beruf hinter der Kamera gemacht. "Menschen" hat er sich ausgedacht, zum Teil längst vergessene Sendungen wie "Die stillen Stars" oder "Stippvisite". "Tele-As" mit Caroline Reiber ist auf seinem Mist gewachsen, "Stadt, Land, Fluss", "Koffer-Hoffer" oder "Aber Hallo". 1987 gab er "Wetten, dass ...?" an Thomas Gottschalk ab, doch er hatte weiter Lust, vor großem Publikum den Ton anzugeben. "Nase vorn" hieß seine Folgesendung. Von 1994 bis 1998 moderierte er das Quiz "Jeopardy" und seit vergangenem Jahr "Verstehen Sie Spaß?". Elstner erzählt gern, die Moderation habe er nur deshalb übernommen, weil seine Kinder sagten: "Papa, so alt, wie du bist, wird dir so eine Sache nicht ein zweites Mal angeboten."

Vielleicht sei er altersmüde, erklärt er weiter, aber mittlerweile sei nicht mehr "Wetten, dass...?" seine wichtigste Errungenschaft, sondern "Menschen der Woche". "Ich habe mir damit einen Traum erfüllt: Als reifer Moderator kann ich jede Woche tolle Leute einladen. Das macht mir einen Höllenspaß."

... und immer fehlt es an der Zeit

Frank Elstner hat nur ein Problem: Er hätte gerne mehr Zeit mit seinen Gästen. Sechs Leute in 60 Minuten sind ihm eigentlich zu viel. "Ich überlege mir krampfhaft, ob ich nicht ein neues Format konzipieren soll mit nur einem Gast." Überhaupt gönnt er seinem Gehirn selten eine Pause. Im Herbst 2004 wird eine neue Spielshow von ihm anlaufen. Intelligent und gleichzeitig einfach sei die, verrät er. Aber all diese Dinge sind nicht genug: "Ich bin davon überzeugt, mir fällt noch was Besseres als ’Wetten dass...?’ ein."

Mindestens bis dahin nimmt er jeden Samstag in Baden-Baden Platz und unterhält sich locker, in seiner so wohl bekannten, warmen, tiefen Tonlage mit Menschen. "Bei Frank Elstner fühlen sie sich gut behandelt", sagt der SWR-Unterhaltungschef Rainer Matheis. "Sagen Sie so etwas nicht!", ruft der Moderator, "sonst denken die Leute, meine Sendung sei langweilig."

Kathrin Haasis

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