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Nach Nazi-Affäre in Cannes: Israel bestellt neuen Von-Trier-Film ab

Er sagte, er sei Nazi und verstehe Hitler, und hinterher wollte er es nur "humorvoll" gemeint haben - nachdem Lars von Trier wegen seiner Äußerungen vom Filmfestival in Cannes ausgeschlossen wurde, wollen mehrere Länder den neuen Film des umstrittenen dänischen Regisseurs boykottieren.

Die Äußerungen von Filmregisseur Lars von Trier über Hitler und die Nazis haben zur Abbestellung seines neuen Films "Melancholia" aus Israel und Argentinien geführt. Von Triers Geschäftspartner in der Filmgesellschaft Zentropa, Peter Albæk Jensen, bestätigte der Nachrichtenagentur Ritzau in Kopenhagen, dass der zuständige israelische Filmverleih einen schon geschlossenen Vertrag wieder auflösen wolle.

Von Trier hatte in Cannes bei seinem "humorvoll" gemeinten Bekenntnis, er sei Nazi, auch gesagt: "Ich bin sehr für Juden - aber nicht zu sehr, weil Israel absolut schrecklich ist" (im Original: "...a pain in the ass"). Trotz seiner Entschuldigung für die Äußerungen wurde der Däne vom diesjährigen Cannes-Festival als "unerwünschte Person" ausgeschlossen.

Nach Angaben der dänischen Zeitung "Politiken" ging bei Zentropa auch eine Abbestellung aus Argentinien ein. Man könne nicht den Film eines Mannes zeigen, der "mit seiner klaren Nazi-Erklärung das jüdische Volk und die ganze Menschheit gekränkt hat", hieß es in der Erklärung des Verleihs. Jensen hatte kurz nach den Äußerungen des Regisseurs erklärt, er erwarte mit mehreren Ländern Probleme. Er nannte die Äußerungen seines Partners "schwachsinnig und dämlich".

"Goldene Palme für den perfekten Idioten"

Ähnlich fallen auch die Kommentare in der Presse zum Eklat in Cannes aus: "Mit der Erklärung des Filmfestivals in Cannes, Lars von Trier zur unerwünschten Person zu erklären, ist eine befreiende Grenze gezogen worden", schreibt die dänische Tageszeitung "Jyllands-Posten". "Sie signalisiert, dass es selbst für sogenannte Genies eine Grenze für das gibt, was an stupiden und beleidigenden Äußerungen durchgehen kann. (...) Man kann nur raten, ob er seinen dämlichen Nazi-Unsinn für gute Filmreklame gehalten hat."

Auch die französische Zeitung "La Charente Libre" widmet sich von Triers Sympathiebekundungen für Hitler: "Das ist eine große Premiere, auf die das Festival von Cannes sicher gerne verzichtet hätte. Gestern hat der Verwaltungsrat den dänischen Regisseur Lars von Trier in einer Sondersitzung zur unerwünschten Person erklärt. Der Filmemacher ist sicher ein Meister der Provokation, doch dieses Mal hat er die Grenze seiner üblichen Skandale (...) bei weitem überschritten. Der Regisseur des Streifens 'Idioten' hat gezeigt, dass er selbst in der Rolle des perfekten Idioten Anspruch auf die Goldene Palme erheben kann."

be/DPA/AFP / DPA