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Golden Globes, Oscars und Co. Die Spiele mögen beginnen


Die Stimmzettel sind verschickt. Bis die Oscar-Nominierungen bekannt gegeben werden, helfen andere Filmpreise beim wilden Spekulieren. Ein paar Oscars hat es schon vor der Verleihung geschneit - für Deutsche.
Von Sophie Albers

Abgesehen davon, dass Ex-Star Jennifer Lopez jammert, dass sie verdammt noch mal einen Oscar verdient habe, und in Oakland, Kalifornien, ein Mann zu vier Jahren Gefängnis verurteilt wurde, weil er vorgab ein dreimaliger Oscar-Gewinner zu sein, wird die 82. Verleihung der Goldjungs wohl eine ziemlich harmonische Veranstaltung. Auch deshalb weil die Regeln für die Kategorie "Bester Film" geändert wurden, damit mehr Leinwandfantasien in die Endausscheidung passen.

Bisher kamen fünf Filme in die letzte Runde um die Lieblingstrophäe der Branche. Jetzt sind es zehn. Allerdings, so verriet ein anonym bleibendes Mitglied der 5777-köpfigen Oscar-Jury, der Academy of Motion Picture Arts and Sciences, sei das nur ein Experiment, um die TV-Quote zu steigern. Gehe die nicht nach oben, würden es nächstes Mal wieder nur fünf sein. Bis zum 23. Januar müssen die zehn Quoten-Gäule angekreuzt und eingetütet sein. Der Zettel für die Endauslosung kommt dann Anfang Februar, damit es dann am 7. März wieder heißen kann "And the Oscar goes to...". Ja, das hören wir in diesem Jahr ein wenig später als sonst. Auch das wegen der Quote. Schließlich sind Olympische Winterspiele.

"Avatar" gegen "Up in the Air"

Um zu spekulieren, welche Filme sich unter den zehn Favoriten finden werden, rollt man die Oscar-Saison von hinten auf: Die Nominierungen für die Golden Globes, die Preise der Auslandspresse in Hollywood, stehen bereits fest. Und die gelten trotz ihrer kleinen Jury von gerade mal rund 100 Journalisten vielen als Indikator. Vielleicht auch, weil das jedes Jahr wieder gesagt wird. Also: Zu den Golden-Globe-Aspiranten gehören 2010 James Camerons Effektspektakel "Avatar - Aufbruch nach Pandora", Kathryn Bigelows Kriegsdrama "The Hurt Locker - Tödliches Kommando", das Sci-Fi-Dokudrama "District 9", die "Star Trek"-Fortsetzung, das Coming-of-Age-Geschichtchen "An Education", Disney-Pixars Animationsfilm "Up", Clint Eastwoods Nelson-Mandela-Film "Invictus", Quentin Tarantinos Nazi-Märchen "Inglourious Basterds", das Arbeitswelt-Drama "Up in the Air" mit George Clooney und - der ganz heiße Favorit, den in Deutschland keiner kennt - "Precious".

Ob tatsächlich, wie gemunkelt wird, "Avatar" und "Up in the Air" die schärfsten Konkurrenten sind, zeigt sich am 17. Januar, wenn im Beverly Hilton Hotel in Los Angeles zum 67. Mal die Golden Globes überreicht werden. Dann kriegt die lebende Regielegende Martin Scorsese übrigens den Cecil-B.-DeMille-Preis fürs Lebenswerk. Bisher haben 17 von 24 Golden-Globe-Gewinnern tatsächlich den Bester-Film-Oscar gewonnen. Die Deutschen sollten trotzdem hingucken, denn mit Schauspieler Christoph Waltz ("Inglourious Basterds") und Regisseur Michael Haneke ("Das weisse Band") hofft deutschsprachige Filmkunst in weiteren Kategorien auf Ehrung.

Nächste Station sind die Preise der Screen Actors Guild, die am 23. Januar ebenfalls in Los Angeles verliehen werden. Diese Filmschaffenden-Organisationen sind nicht zu unterschätzen: Am 5. Januar haben die 4000 Filmproduzenten der Producers Guild of America (PGA) ihre Lieblingsfilme nominiert. Verleihung ist am 24. Januar im Hollywood Palladium. Und auch hier heißt es: "Avatar", "District 9", "An Education", "The Hurt Locker", "Inglourious Basterds", "Invictus", "Precious", "Star Trek", "Up" und "Up in the Air". Ebenso die mehr als 13.000 Mitglieder der Directors Guild of America (DGA) sind sich ziemlich einig: "Hurt Locker", "Avatar", "Precious", "Up in the Air", "Inglourious Basterds". Die Entscheidung fällt am 30. Januar. Vergangenes Jahr gewann "Slumdog Millionär" bei der DGA und den Oscars, davor "No Country for old Men".

Oscars nach Deutschland

Am 2. Februar ist es dann soweit: Die Academy gibt um 5.30 Uhr morgens die Nominierungen bekannt. Und die feierliche Verleihung, bei der diesmal Steve Martin und Alec Baldwin das Publikum für die stundenlange Gala bei der Stange halten sollen, nimmt wie gesagt am 7. März das Kodak Theatre in Beschlag.

Deutsche Filmschaffende haben jedoch trotzdem schon Oscar-Erfolge zu vermelden: Weil die Leute hinter der Kamera fürs Showgeschäft zwar lebensnotwendig, aber weniger sexy sind, da ihnen die roten Teppiche meist am Hinterteil vorbeigehen, wurden die Technik-Oscars bereits bekannt gegeben. Und hier hat die Münchner Firma Arri punkten können: Einer der 15 Oscars für technische Errungenschaften ging an die Ingenieure Michael Cieslinski, Reimar Lenz und Bernd Brauner für die Entwicklung des "Arriscan"-Filmscanners, der analoges Bildmaterial in digitales verwandelt. Eine weitere Goldfigur gewann der deutsche Software-Ingenieur Hilmar Koch, der gemeinsam mit einem US-Kollegen eine Abschattungsmethode für 3D-Grafiken entwickelte. Na bitte. Fängt doch gut an.

Und jetzt heißt es Daumen drücken. "Neben Christoph Waltz als Nebendarsteller in Tarantinos 'Inglourious Basterds' und Michael Hanekes 'Das weiße Band' als bester ausländischer Film hat auch noch eine weitere deutsche Koproduktion 'Ein Russischer Sommer' Chancen. Das ist großartig", sagt Kirsten Niehuus, Geschäftsführerin vom Medienboard Berlin/Brandenburg, das diese Filme gefördert hat. Aber Filmfreunde können es auch ganz unaufgeregt mit Christoph Waltz halten, der jüngst im "Welt"-Interview auf seine wunderbar abgeklärte Art sagte: "Man darf das mit Interesse verfolgen, aber bitte schön mit einem gesunden Sinn für die Realität und einem noch gesünderen Schuss Skepsis."


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