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Streit mit Spielzeughersteller: Lego will Ai Weiwei keine Steine liefern

Für eine Ausstellung benötigt der Konzeptkünstler Ai Weiwei eine große Ladung Legoteile. Doch das Unternehmen stellt sich quer und erteilt dem Projekt eine Abfuhr.

Ai Weiwei bei der Pressekonferenz zu seiner Gastprofessur

Ai Weiwei lebt mittlerweile in Berlin

Dem Künstler und Regimekritiker Ai Weiwei wurde eine Lieferung Legosteine verweigert. Für ein neues Kunstprojekt wollte der Chinese eine Ladung der bunten Steine direkt beim Hersteller ordern. Lego hat abgelehnt. Das Unternehmen würde keine politischen Zwecke unterstützen.

Ai Weiwei hat die Antwort von Lego am Sonntag auf seinem Instagram-Account gepostet. "Wir bedauern, Ihnen mitteilen zu müssen, dass es gegen unsere Unternehmenspolitik ist, Projekte außerhalb des Lego-Lizenzprogramms zu bestätigen. Dennoch ist uns klar, dass Künstler interessiert daran sind, Legoelemente zu benutzen", lauten die ersten Sätze. Das Unternehmen weise deshalb darauf hin, dass es nicht akzeptiere, dass die Steine für "politische, religiöse, rassistische, obszöne oder diffamierende Statements" genutzt würden.

"We're here to inspire and develop the builders of tomorrow" (twitter.com/LEGO_Group) In June 2015 Ai Weiwei Studio began to design artworks which would have required a large quantity of Lego bricks to produce. The works were planned for the exhibition "Andy Warhol / Ai Weiwei" at the National Gallery of Victoria in Melbourne, Australia, to open in December 2015. The artworks' concept relates to freedom of speech. The museum's curatorial team contacted Lego to place a bulk order and received Lego's reply via email on 12 September 2015: "We regret to inform you that it is against our corporate policy to indicate our approval of any unaffiliated activities outside the LEGO licensing program. However, we realize that artists may have an interest in using LEGO elements, or casts hereof, as an integrated part of their piece of art. In this connection, the LEGO Group would like to draw your attention to the following: The LEGO trademark cannot be used commercially in any way to promote, or name, the art work. The title of the artwork cannot incorporate the LEGO trademark. We cannot accept that the motive(s) are taken directly from our sales material/copyrighted photo material. The motive(s) cannot contain any political, religious, racist, obscene or defaming statements. It must be clear to the public that the LEGO Group has not sponsored or endorsed the art work/project. Therefore I am very sorry to let you know that we are not in a position to support the exhibition Andy Warhol | Ai Weiwei by supplying the bulk order." Ai Weiwei Studio was informed by NGV about Lego's rejection of the bulk order. As a commercial entity, Lego produces and sells toys, movies and amusement parks attracting children across the globe. As a powerful corporation, Lego is an influential cultural and political actor in the globalized economy with questionable values. Lego's refusal to sell its product to the artist is an act of censorship and discrimination.

Ein von Ai Weiwei (@aiww) gepostetes Foto am

Das Thema von Ai Weiweis geplanten Arbeiten sei Meinungsfreiheit. In der Ausstellung "Andy Warhol / Ai Weiwei" sollten die Kunstwerke ab Dezember in der Nationalgalerie Victoria in Melbourne gezeigt werden. Es sollen Portraits von australischen Bürgerrechtsaktivisten nachgebildet werden, wie er es bereits auf Alcatraz mit den Porträts von Dissendenten wie Nelson Mandela gemacht hat. Die Kuratoren des Melbourner Museums hatten bei Lego die Bestellung angefragt und Mitte September die Absage per Mail erhalten.

Fans wollen Steinchen spenden

Für den in Berlin lebenden Künstler, der wegen seiner kritischen Projekte in China sogar im Gefängnis saß, sei Legos Ablehnung "ein Akt der Zensur und Diskriminierung", beschließt der lange Beitrag auf der Social-Media-Plattform. Ein Verbot, Lego zu benutzen wurde ihm aber nicht ausgesprochen, erklärt der Klötzchenhersteller auf Anfrage der "Süddeutschen Zeitung".

In den Kommentaren spekulieren seine Fans nun, ob die Nicht-Lieferung in Verbindung mit der baldigen Eröffnung eines Legolands in Shanghai steht. Außerdem bezeugen sie, ihm die bunten Steine spenden zu wollen. Und Ai Weiwei hat auch schon eine Idee: In mehreren Städten will er eine Möglichkeit zur Abgabe schaffen. Die erste Variante: ein Auto mit leicht geöffnetem Dachfenster und den ersten Steinen darin gibt es auch schon auf seinem Account

Die Botschaft im Klo

Das gestrige Instagram-Foto zu seiner Botschaft, Legoklötzchen und -figuren in einer Toilette, enthält eine weitere Botschaft. Am Rand des Beckens steht "R. Mutt 2015". Die Signatur ist eine Referenz zu dem Kunstobjekt Fountain, ein um 90 Grad gekipptes Urinal mit der Signatur "R. Mutt 1917". Das Werk von Marcel Duchamp aus eben diesem Jahr zählt zu den Schlüsselwerken der modernen Kunst und führte zu einer Kontroverse über den Kunstbegriff. Der renommierte chinesische Künstler versucht vielleicht gerade Ähnliches.

Ai Weiwei ist Konzeptkünstler, Bildhauer und Kurator. Wie sein regimekritischer Vater lehnte er Kunst nach Leitlinie des Staates ab und kam daher immer wieder mit den chinesischen Behörden in Konflikt. 2010 wurde der Künstler erstmals daran gehindert China zu verlassen, 2011 wurde sein Atelier abgerissen und  nur Monate später wurde er festgenommen und bis auf Weiteres inhaftiert. Nach wenigen Monaten wurde der Künstler wieder freigelassen. Erst im Sommer diesen Jahres erhielt er seinen Pass zurück. Ai Weiwei hat mittlerweile eine Gastprofessur an der Universität der Künste in Berlin angenommen.

Andra Wöllert