HOME

Ausstellung: Musikpolitik im Dienste "völkischer Erneuerung"

Während ihrer Herrschaft griffen die Nationalsozialisten massiv ins Musikleben ein: Mit aller Gewalt wollte man Avantgarde und unliebsame Künstler unterdrücken und vernichten. Eine Schau in Brandenburg beleuchtet den Umgang mit Musik im "Dritten Reich".

Die Ausstellung "Das 'Dritte Reich' und die Musik" zeigt im Schloss Neuhardenberg in Brandenburg mehr als 200 Exponate zur Instrumentalisierung und Zensur des musikalischen Lebens während der Zeit des Nationalsozialismus. Zuvor war die Schau in der Pariser Cité de la Musique gezeigt worden. Neuhardenberg ist die einzige deutsche Station, danach wandert sie nach Barcelona. "Von Bayreuth bis Theresienstadt hat das Regime versucht, alle Musikbereiche zu kontrollieren", sagte Kurator Pascal Huynh.

Die Ausstellung dokumentiert, wie die Nationalsozialisten die deutsche Klassik von Ludwig van Beethoven bis Richard Wagner oder die "leichte Muse" zu vereinnahmen suchten, während sie die Avantgarde von Paul Dessau bis Paul Hindemith verfemten, jüdische Komponisten verboten und jüdische Musiker in Konzentrationslagern ermordeten. "Der offizielle Kitsch und die geächtete Kunst stehen sich in der Ausstellung gegenüber", erklärte Huynh.

Unterdrückung, Vetreibung, Vernichtung

Der Generalbevollmächtigte der Stiftung Schloss Neuhardenberg, Bernd Kauffmann, sprach von einem "nationalsozialistischen Totalitätsgedanken auf dem Gebiet der Musikpflege". Die Ausstellung mache die Unterdrückung der Avantgarde sowie die Vertreibung und Vernichtung ihrer Künstler ebenso sichtbar wie die Propagandamittel, mit denen die Nazis das musikalische Leben für ihre so genannte "völkische Erneuerung" einzuspannen suchten.

Zur Eröffnung spielte der Jazzmusiker Coco Schumann mit seiner Band. Der heute 81-Jährige hatte trotz des Jazz- und Swingverbotes während des NS-Regimes jahrelang in Berliner Clubs Konzerte gegeben. Als Sohn einer jüdischen Mutter war er 1943 von der SS verhaftet und ins KZ Theresienstadt deportiert worden, wo er zunächst weiter musizieren durfte. Später wurde Schumann nach Auschwitz und dann nach Dachau gebracht. Während eines Todesmarschs im April 1945 wurde er von US-amerikanischen Soldaten befreit.

AP