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Doppelte Mona Lisa Es kann nur eine geben

Die Mona Lisa kann keine ersetzen. So viel Magie, Aura und Schönheit. Das Zwillingsbild aus dem Prado ist zwar genauso alt wie das Original - und fast genauso schön. Aber eben nur fast.
Von Anja Lösel

Moment, Moment, bevor wir nun in Entzückensschreie ausbrechen: Die Mona Lisa gibt es nicht zweimal! Leonardo da Vinci hat sein Porträt der schönen Kaufmannsfrau nur ein einziges Mal gefertigt, und dieses großartige Werk, das wohl berühmteste Bild der Welt, hängt im Pariser Louvre, bedrängt von Touristenhorden und deshalb hinter Panzerglas.

Das Bild, das jetzt Furore macht, ist die sogenannte "Prado Mona Lisa". Seit etwa 400 Jahren hängt sie im Madrider Museum. Bisher hielt man sie für die Kopie eines flämischen Malers. Hübsch ist sie, sehr zart, sehr hell, dem Original recht ähnlich.

513 Jahre alte Farbe

Die Sensation ist aber nicht die Ähnlichkeit, sondern das Alter der Schönen: Die "zweite Mona Lisa" ist nicht etwa eine Kopie aus späteren Jahren, sondern exakt so alt wie das Original: 513 Jahre. Mit ziemlicher Sicherheit hat Leonardos Lieblingsschüler Francesco Melzi sie in der Werkstatt Leonardos gemalt.

Völlig üblich damals: Der Meister entwirft ein Bild und zeigt es den Schülern. Sie versuchen, es Leonardo gleichzutun: seinen Pinselstrich zu kopieren, seine Tricks beim Mischen und Auftragen der Farbe, seine Art, das Licht zu setzen und die Perspektive zu berechnen. So lief das in den Malerwerkstätten der Renaissance. Während sie abmalten, lernten die Schüler. Kopien waren nichts Anrüchiges, sondern völlig normal.

Das Besondere an der "Prado Mona Lisa" ist, dass man an ihr ablesen kann, wie Leonardo gemalt hat. Denn sein Schüler hat alles kopiert, auch die Korrekturen und die kleinen Veränderungen. "Es ist, als würden wir in Leonardos Werkstatt stehen und zugucken", sagt die Konservatorin Gabriele Finaldi. "Man kann genau nachvollziehen, dass der Künstler Schritt für Schritt malte, parallel zu Leonardo. Wenn der Meister etwas veränderte, dann tat der Schüler es auch." Beim Röntgen entdeckten die Experten die gleiche Landschaft, die auch das Original schmückt. Allerdings: in einem viel besseren Zustand.

Säureattacken und Diebstahl

Leonardos Mona Lisa musste schon einiges mitmachen. Sie wurde verkauft und umgehängt. Wanderte von Florenz nach Fontainebleau, nach Paris, nach Versailles, in den Louvre, in Napoleons Schlafzimmer und wieder zurück in den Louvre. Sie wurde 1911 gestohlen, verschleppt und wiedergefunden. Sogar eine Säureattacke überstand sie, aber schöner wurde sie dadurch nicht, sondern empfindlich, porös, immer wieder ausgebessert und restauriert. Die Kopie dagegen hat den Prado seit 400 Jahren nicht verlassen und ist in bestem Zustand. Ein Segen für die Wissenschaft.

Was heißt das nun für einfache Kunstliebhaber? Mona Lisa bleibt Mona Lisa, das Bild aus dem Prado wird dem Original keine Konkurrenz machen. Nur sie umgibt die Aura des Originals. Nur sie stammt von Leonardo da Vinci, einem der größten Künstler der Welt. Nur sie hat diese einmalige, wild bewegte Geschichte.

Der Prado darf sich trotzdem freuen. Wenn er nur ein paar der Millionen von Mona-Lisa-Fans aus der ganzen Welt anlocken kann, dann muss er wohl seine Öffnungszeiten erweitern.

Im März soll die "Prado Mona Lisa" in den Louvre reisen. Dann wird es richtig spannend: wenn die beiden Damen zum ersten Mal seit 513 Jahren wieder nebeneinander hängen.

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