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Hamburg: Kulturkönig trifft Fußballkaiser

Das WM-Spektakel "pok ta pok" und Fußball-"Kaiser" Franz Beckenbauer neben dem enttäuschten Künstler André Heller - das Hamburger Publikum hat beide "Premieren" begeistert gefeiert

Der Applaus für die erstmals in Deutschland gezeigte Vorführung des Tausende Jahre alten Ballspiels der Azteken und Mayas war am Freitagabend gerade verklungen, da bahnte sich in der Arena auf dem Rathausmarkt der nächste Höhepunkt an. Erstmals seit Absage der großen Eröffnungsgala zur Fußball-Weltmeisterschaft traten der WM-Organisationschef und der künstlerischer Leiter des WM-Kulturprogramms gemeinsam vor Publikum auf. Ihre Rollen waren dabei klar verteilt: "Er ist immer der Gescheite, ich immer der Blöde", witzelte Heller.

Nach wie vor sei er kein Fußball-Experte, bekannte der 59-jährige Heller. Er empfinde es als "absolut einschüchternd", neben Beckenbauer über das runde Leder reden zu müssen - "wie wenn man neben dem Papst die unbefleckte Empfängnis verteidigen sollte". Doch auch Beckenbauer bewies Humor. Als der österreichische Künstler erklärte, er wäre zufrieden, wenn die Elf aus Togo das Turnier gewinnen würde, konterte der 60-Jährige: "Ich glaube, er hat wirklich keine Ahnung." Deutlich ernster unterstrich der "Kaiser" die Bedeutung des WM-Kulturprogramms: "Die Besucher haben es verdient, nicht nur mit Fußball unterhalten zu werden."

Heller lässt sich Enttäuschung nicht anmerken

Heller, der nie mehr für ein sportliches Ereignis tätig sein will, war unterdessen die Enttäuschung über die Gala-Absage durch die FIFA im Januar noch anzumerken. Zwar gestand der Künstler, er wolle dem Weltfußballverband "nicht den Triumph gönnen, dass ich wütend werde, deswegen schmunzele ich". Kleine Seitenhiebe teilte er trotzdem aus: "Es gefällt mir, dass hier das Spielfeld gereinigt wird. Wenn man das noch vor der WM einführen könnte", sagte er in Anspielung auf die FIFA-Begründung. Diese hatte das Projekt aus Sorge um den Rasen im Berliner Olympiastadion gestoppt.

Maya-Azteken-Spektakel

Rund 500 Zuschauer und zahlreiche Schaulustige hinter den Absperrungen hatten das Spiel der einzigen von der mexikanischen Regierung offiziell als authentische "pok ta pok"-Gruppe anerkannten Spieler verfolgt. Fasziniert beobachteten sie, wie die 14 Männer lediglich mit dem Ellenbogen um den Kautschukball kämpften. Ziel der nur mit Lederschürzen bekleideten Spieler war zunächst ein Steinring, der in drei Meter Höhe an einer pyramidenförmigen Treppenanlage hing - drei Mal trafen sie ihn. Höhepunkt war das Spiel mit einem brennenden Ball, den sie zwei Mal durch einen in Flammen stehenden Ring beförderten. Das Spiel wurde wegen des Ballgeräusches "pok ta pok" genannt.

DPA / DPA
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