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Pariser Autosalon: Mit Messe-Hostessen gegen die Krise

Glitzernde Vorführungen, ein paar unbezahlbare PS-Boliden und jede Menge Hostessen lassen den Pariser Autosalon hollywoodreif aussehen. Aber in Wirklichkeit gibt es nichts zu feiern an der Seine.

Von Gernot Kramper

Verschiedene französische Autohersteller präsentieren sich beim Pariser Autosalon

Verschiedene französische Autohersteller präsentieren sich beim Pariser Autosalon

Unbeliebt bei den Herstellern ist der Pariser Autosalon schon seit langem. Der französische Automarkt ist für alle Fahrzeuge mit Glamour Gift. Für SUV, Sport- und Luxuswagen gibt es in Frankreich empfindliche Steuern. Angeblich der Umwelt zuliebe, in Wahrheit dienen die Strafzahlungen eher dazu, die einheimische Autoindustrie zu schützen. Denn Renault, Citroen und Peugeot sind bei Klein- und Kleinstwagen stark, in der Golfklasse konkurrenzfähig und darüber hinaus nicht der Rede wert.

Seit Jahren kriselt das südliche Europa inklusive Frankreich wirtschaftlich vor sich hin, der Automarkt schrumpft und ein Ende ist nicht anzusehen. Nach Euro- und Staatsschuldenkrise, dunkelt nun der Konflikt in der Ukraine und der Handelskrieg mit Russland die Bilanzen ein. Spektakuläre Neuheiten spart sich die global denkende Autoindustrie inzwischen für spannendere Kontinente auf.

Traum vom reinen Elektroauto ausgegeträumt

Wie schon in den Messen zuvor zeigt sich, dass der Traum vom Elektroauto ausgeträumt ist. Reine E-Mobile spielen seit der Präsentation von BMWs i3 und i8 schlicht keine Rolle mehr. Dafür überfluten Plug-In-Hybriden die Messehallen. Modelle, die an der Steckdose aufgeladen werden und eine gewisse Entfernung nur mit Strom durchhalten. Mercedes S 500, Porsche Cayenne, VW Passat, Mitsubishi Outlander oder sogar der 910 PS starke Lamborghini Asterion - alle haben eine zweite Tankklappe mit Steckdose. Hybridantriebe ohne Plug-In-Modul sterben ebenso aus wie die Elektroautos. Auch das einst als die Zukunftsvision gefeierte Konzept vom dominanten Elektroantrieb plus Range Extender ist tot. Die Zukunft heißt: Benziner mit Elektrohilfsantrieb. Zum Staunen für das Publikum stehen Kraftprotze wie der Mercedes GT AMG oder der ebenfalls 510 PS starke C 63 AMG an den Ständen. Eine Herausforderung für die deutschen Premiumhersteller ist dieses Jahr der Mittelklassestar von Jaguar. Der Jaguar XE soll die Briten erstmals in der profitablen Region der Dienstwagen etablieren.

Doch die Sportwagenschönheiten wie der Lamborghini Asterion LPI 910-4, der Aston Martin V12 Vantage S Roadster, Mercedes S 65 AMG Coupé oder der Ferrari 458 Speciale A sind nur für die Window-Shopper in Paris. Wirklich daheim in dem tristen Messezentrum an der Porte de Versailles sind die Kleinwagen. Die Franzosen geben ihr Geld traditionell für anderes als teure Autos aus. In der Krise - also ohne Geld im Portemonnaie - verschärft sich diese Autoabstinenz noch.

Die Kleinen holen mächtig auf

Die Stars von Paris sind Kleinwagen wie Smart Fortwo, Renault Twingo, Skoda Fabia und Opel Corsa. Alles schmucke Vehikel, die mächtig Lust auf kleine Autos machen. Die Zeiten, in denen man in einem Kleinwagen wie in einer kargen Blechbüchse sitzen musste, sind vorbei. Sicherheitssysteme, Fahrerassistenz und eine beeindruckende Vernetzung - die kleinsten der Kleinen stehen den Luxusmodellen hierbei kaum noch nach.

Daneben überzeugen Familienautos wie Ford S-Max, Renault Espace und die aufgefrischten Ford C-Max, Kia Venga oder Mercedes B-Klasse mit den bekannten Qualitäten. Wagen der Mittel- und Oberklasse wie Audi A6 / A7, Peugeot 508, VW Passat oder Jaguar XE passen schon nicht mehr recht ins Bild der Arme-Leute-Messe.

Jede Menge Studien

Ebenso deplatziert wirkt wie die Armada der Geländewagen und Crossover. BMW X6, Suzuki Vitara, Kia Sorento, Fiat 500x, Land Rover Discovery Sport, Volvo XC 90, der überarbeitete Porsche Cayenne und der Messedauerbrenner Ford Edge drücken der französischen Autoshow einen Stempel auf, der nichts mit dem Straßenbild in Paris zu tun hat.

Eher traurig ist das Bild, das die heimischen Hersteller Renault und Peugeot/Citroen abgeben. Neben dem überaus gelungenen Renault Twingo gibt es nichts Erwähnenswertes. Zwar werden eine Menge Studien aufgefahren, die umwerfend aussehen. Sie haben allerdings mehr mit einem Hollywoodfilm als mit einer Serienfertigung gemein. Citroen etabliert seinen schicken Ableger DS erstmals als eigene Submarke, um mit Luxusausstattung Premium zu suggerieren. Doch spektakuläre echte Wagen gibt es nicht und für einen glänzenden Imageaufbau reichen realitätsfernen Studien allein nicht aus.

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