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Jüdisches Museum Berlin: Ausstellung zu Zwangsarbeit im Dritten Reich

Mehr als 13 Millionen Menschen wurden in der NS- Zeit als Zwangsarbeiter ausgebeutet. Das Jüdische Museum in Berlin in einer Ausstellung deren Schicksal nach. Sie zeigt mehr als 60 Fallgeschichten, wie die Deutschen den Zwangsabrietern begegneten.

Mehr als 13 Millionen Menschen wurden in der NS- Zeit als Zwangsarbeiter ausgebeutet; mindestens 2,7 Millionen von ihnen starben an den Folgen. Das Jüdische Museum in Berlin zeichnet erstmals in einer großen Ausstellung das Schicksal jener Menschen nach, die zwischen 1933 und 1945 als Juden, Roma, Sinti und Kriegsgefangene, für die Wehrmacht, deutsche Unternehmen, in der Landwirtschaft und in Privathaushalten eingesetzt wurden. Die Zwangsarbeit sei ein "öffentliches Verbrechen" gewesen, das keinem in Deutschland verborgen blieb, sagte der Direktor der KZ-Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Volkhard Knigge. Die Ausstellung sollte am Montagabend von Bundespräsident Christian Wulff eröffnet werden. Initiiert wurde die Ausstellung von der Stiftung "Erinnerung, Verantwortung, Zukunft".

Die vor allem aus Osteuropa stammenden Zwangsarbeiter wurden überall eingesetzt: in Rüstungsbetrieben und auf Baustellen, in der Landwirtschaft, bei Handwerkern und in Privathaushalten. Alle Deutschen begegneten Zwangsarbeitern im Alltag, viele hätten davon profitiert, wie das Museum mitteilte. An keinen anderen NS-Verbrechen seien so viele Menschen beteiligt gewesen. Die NS-"Volksgemeinschaft" und die Zwangsarbeit der Ausgeschlossenen gehörten zusammen.

In mehr als 60 Fallgeschichten zeigt die Ausstellung, wie die Deutschen den Zwangsarbeitern begegneten. Dazu wurden Recherchen in Europa, den USA und Israel unternommen sowie Hunderte von Interviews geführt. Die Geschichten reichen von der entwürdigenden Arbeit politisch Verfolgter in Chemnitz bis zum Alltag auf einem Bauernhof in Niederösterreich.

Die Ausstellung dokumentiert unter anderem die rassistisch- ideologischen Wurzeln der nationalsozialistischen Zwangsarbeit, ihre Ausweitung auf Osteuropa und im gesamten Dritten Reich. Der vierte Teil der Ausstellung beschreibt die Zeit von der Befreiung 1945 bis zur gesellschaftlichen Auseinandersetzung und Anerkennung der Zwangsarbeit als Verbrechen in der Gegenwart.

DPA / DPA