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Kampf um "Sumpflegende": Einigung im Streit um Klee-Bild scheint nah

Der Streit schwelt schon seit Jahren - auch bei Gericht haben die Stadt München und die Erben ihren Streit um Paul Klees "Sumpflegende" nicht beigelegt. Aber die Parteien kommen sich näher.

Im jahrelangen Raubkunst-Streit um Paul Klees "Sumpflegende" hat es auch am Mittwoch vor dem Münchner Landgericht keine Einigung gegeben. Allerdings näherten die Parteien sich an und wollen bis Mitte Mai eine gemeinsame Lösung finden. Eine Gemeinschaft der Erben der Kunstsammlerin Sophie Lissitzky-Küppers fordert das Bild, ein Frühwerk Paul Klees, zurück und hat eine Klage auf Herausgabe eingereicht.

Inzwischen sind beide Parteien sich einig, dass man den Streit über eine Entschädigungszahlung beilegen sollte. In dem Fall könnte das Bild im Münchner Lenbachhaus bleiben. Allein über die Höhe der Entschädigung gibt es weiter Streit. Die Erben wollen mindestens 1,5 Millionen Euro; das sei etwa die Hälfte des Schätzwertes für das Klee-Bild. Die Stadt bietet bislang 500 000 Euro.

Die Kammer legte beiden Parteien bei dem Gütetermin am Mittwoch erneut einen Vergleich ans Herz. Eine Hauptverhandlung vor Gericht könnte ihrer Einschätzung nach Jahre dauern - mit wenig Aussicht auf Erfolg für die Kläger. Sollten sie es auf einen Prozess ankommen lassen, lägen ihre Erfolgschancen bei rund 30 Prozent, prophezeite das Gericht in seiner vorläufigen Rechtsauffassung.

Raubkunst - ja oder nein?

Der Streit schwelt schon seit Jahrzehnten, bislang scheiterten alle Einigungsversuche. Lissitzky-Küppers hatte das Gemälde im Jahr 1927 - zusammen mit weiteren Werken - als Dauerleihgabe an das Provinzialmuseum in Hannover gegeben, um ihrem Ehemann nach Russland zu folgen. Das Bild wurde 1937 von den Nationalsozialisten als "entartet" beschlagnahmt, später in der Münchner Propaganda-Ausstellung "Entartete Kunst" gezeigt und 1941 an einen Nazi-Kunsthändler verkauft. 1962 versteigerte ein Kölner Auktionshaus das Gemälde.

Die Stadt München und die Gabriele-Münter- und Johannes-Eicher-Stiftung hatten das Ölbild Anfang der 1980er Jahre für die Galerie im Lenbachhaus gekauft und bezweifeln, dass es sich rechtlich um Raubkunst handle. Eine "moralische Verantwortung" habe die Stadt aber in jedem Fall, betonte auch die Kammer. Bis zum 17. Mai wollen die Parteien nun klären, ob neben der Stadt und der Münter-Stiftung auch weitere Institutionen wie die Kulturstiftung der Länder bei der Entschädigungszahlung einspringen und den Betrag aufstocken können.

vim/DPA / DPA
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