HOME

Leipziger Künstler zeichnet offizielles Benedikt-Porträt: "Mein Gott, jetzt malst du den Papst"

Der Weg zum Papst-Porträt war mit Steinen gepflasdtert: Einer von ihnen: Gerhard Ludwig. Als Test ließ sich der Regensburger Bischof zunächst selbst von Michael Triegel porträtieren. Erst dann gab es das offizielle Okay.

Eigentlich sind es drei Papst-Bilder. Neben dem offiziellen Porträt Benedikts XVI., das der Leipziger Künstler Michael Triegel gemalt hat, sind von Samstagabend an im Leipziger Museum der bildenden Künste auch zwei Studien zu sehen, die Triegel vom Heiligen Vater gefertigt hat. Bei der Ausstellung "Verwandlung der Götter" wird das Papst-Porträt nun erstmals der Öffentlichkeit gezeigt, danach wird es im Institut Papst Bendedikt XVI in Regensburg seinen Platz finden.

Auf dem Bild sitzt der Papst in einem prächtigen roten Sessel, die rechte Hand mit dem Papst-Ring liegt auf die Lehne , in der linken Hand hält er ein Bogen Papier. Doch nicht auf das Blatt schaut Benedikt XVI., sondern mit leicht nach rechts gedrehtem Kopf den Betrachter an - aus wachen, etwas forschend blickenden Augen. So hat der 1968 in Erfurt geborene Michael Triegel, ein Vertreter der Neuen Leipziger Schule, gemalt: sehr ausdrucksvoll, fein konturiert wie eine Zeichnung, im Malstil alter Meister.

Zwei Jahre Vorlauf

Bis zu diesem Porträt, das nun bis 6. Februar 2011 im Leipziger Museum der bildenden Künste zu sehen ist, war es ein langer Weg. Vor zwei Jahren, anlässlich einer Ausstellung seiner Bilder in Würzburg, wurde Michael Triegel gefragt, ob er sich vorstellen könnte, den Papst zu porträtieren. Der Maler sagte sofort zu, doch erst musste der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig sein Placet zu dem Plan geben. Probehalber ließ er sich von Michael Triegel malen, war begeistert und gab seine Zustimmung zum Auftrag der Diözese Regensburg.

Die Idee zum Papst-Porträt hatte der Direktor des Diözesanmuseums in Regensburg, Hermann Reidel. Für ihn, so sagte er jetzt in Leipzig, ist Triegel "der geeignetste Maler überhaupt" für solch ein Werk. Denn der Leipziger Künstler malt nicht nur sehr gut figürlich, seine Motive aus der christlichen Heilsgeschichte und der Mythologie sind im Stil und in der Technik der alten Meister gemalt.

Und so fügt sich das Porträt Benedikts XVI., um das es schon vor der Ausstellung viel Aufmerksamkeit gab, gut in die Werkschau, die rund 70 Gemälde Michael Triegels aus den Jahren 1993 bis 2010 zeigt. Religiös im strengen Sinn sei er nicht, meinte Triegel, aber seine Werke seien "Bilder einer Sehnsucht".

Arbeit mit Ehrfurcht

"Ich hätte gerne einen Glauben", der die Suche nach Sinn zeige. Und er wünsche sich, dass Werte wieder besetzt werden, sagte Triegel. Einer seiner "Hausheiligen" sei Raffael. Und natürlich habe er die Bildnisse früherer Päpste studiert. Dann sei er mit dem leichten Erschrecken "Mein Gott, jetzt malst du den Papst" an die Arbeit gegangen.

Zweieinhalb Monate malte er an dem Bild, das "den Hochintellektuellen, der der Papst auch ist, und das Porträt eines 83-Jährigen" werden sollte. Modell gesessen hat Papst Benedikt XVI. nicht, aber bei einer Generalaudienz konnte Michael Triegel den Heiligen Vater zwei Stunden lang beobachten, fotografieren und vor allem zeichnen.

Daraus entstanden zunächst mehrere Studien, zwei davon sind auch in Leipzig zu sehen: Eine in hellem Beige gemalte Szene, wie sie das fertige Porträt zeigt, und einen Ausschnitt mit einem nach links gedrehten Kopf, sodass der Papst vom Betrachter wegblickt. Für die Präsentation des Werkes ließ die Diözese Regensburg dem Leipziger Museum der bildenden Künste den Vortritt.

Nach Ende der Ausstellung wird das Papst-Bildnis dann zunächst, anlässlich des sechsten Jahrestages des Pontifikats, im Regensburger Dom gezeigt. Und danach findet es seinen endgültigen Platz im Foyer des Instituts Papst Benedikt XVI. in Regensburg.

Ute Grundmann, DAPD / dapd
Themen in diesem Artikel