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Weltkulturerbe: Unesco beschenkt Regensburg

Während Dresden sich um seinen Status bei der Unesco sorgt, hat Regensburg das große Los gezogen. Die Kulturorganisation der Uno hat die Stadt zum Weltkulturerbe erklärt.

Als besterhaltene mittelalterliche Großstadt in Deutschland ist Regensburg von der Unesco zum Welterbe erklärt worden. Die Kulturorganisation der Vereinten Nationen nahm Regensburg am Donnerstag als 32. Stätte in Deutschland in die Liste der Denkmäler von "außergewöhnlichem universellen Wert" auf. Die Stadt erhofft sich neue Impulse für den Tourismus. Das Unesco-Komitee habe seine Entscheidung in der litauischen Hauptstadt Vilnius ohne Gegenstimme getroffen, sagte der Regensburger Oberbürgermeister Hans Schaidinger begeistert. Die von den Römern gegründete Donaustadt hat einen fast komplett erhaltenen mittelalterlichen Stadtkern mit 1.400 denkmalgeschützten Häusern. Wahrzeichen sind der gotische Dom und die im Jahre 1146 fertig gestellte Steinerne Brücke über die Donau, die damals als Weltwunder galt. Einzigartig sind auch die von reichen Fernhändlern nach Vorbildern aus der Toskana erbauten Wohntürme.

Dresden und Köln sind schlechte Beispiele

Der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber sagte, die internationale Auszeichnung könne "neue positive Impulse für Kultur, Wirtschaft und Tourismus in Regensburg" und ganz Bayern geben. Kultusminister Thomas Goppel sagte, die Auszeichnung sei verdient "und zugleich auch eine Verpflichtung zu einem verantwortungsvollen Umgang mit dem Welterbe". Schaidinger betonte aber: "Weltkulturerbe heißt nicht Käseglocke." Die Altstadt müsse eine lebendiges Wohngebiet bleiben "und nicht nur Anschauungsobjekt für Touristen sein". Regensburg werde allerdings auch "keine Hochhäuser neben dem Dom bauen", sagte der Oberbürgermeister: "Köln und Dresden wird es in Regensburg nicht geben."

Gefürchtete "Rote Liste"

Die Unesco hat das Dresdner Elbtal wegen einer geplanten Brücke soeben auf die "Rote Liste" der besonders gefährdeten Denkmäler gesetzt, den Kölner Dom nach dem Verzicht auf Hochhausbauten aber von dieser Liste genommen. Der neue Titel bedeute keine neuen Anforderungen, aber mehr Aufmerksamkeit für den Denkmalschutz, sagte Schaidinger. Wahrscheinlich kämen jetzt mehr kulturinteressierte Touristen in die Stadt. Kulturreferent Klemens Unger sagte: "Das Etikett 'Welterbe' dient vielen Touristen als Reiseplaner für ihre Route." Vielleicht bekomme der Denkmalschutz aus Brüssel "finanzielle Zuschüsse für größere Projekte". Die Unesco unterstützt die weltweit mehr als 800 Kultur- und Naturerbestätten nicht.

Regensburg hatte sich schon lange um die Anerkennung als Welterbe bemüht. Nach der Ablehnung Heidelbergs im vergangenen Jahr und dem Fokus auf außereuropäische Bewerber sei er aber pessimistisch gewesen, sagte Schaidinger. In einer 3.000 Seiten dicken Bewerbungsschrift hatte die Stadt jedes denkmalgeschützte Haus detailliert beschrieben. Die Anerkennung "ist eine Bestätigung unserer erfolgreichen Denkmalpflege", sagte Schaidinger. Im Zweiten Weltkrieg war die damals noch kaum industrialisierte Stadt von Bomben verschont geblieben.

Römische Wurzeln

An der nördlichsten Stelle der Donau hatte der römische Kaiser Marc Aurel 179 nach Christus ein Castra Regina (Lager am Regen) für 6.000 Soldaten errichten lassen, von dem das eindrucksvolle Nordtor Porta Praetoria erhalten ist. Im Mittelalter entwickelte sich die Bischofsstadt zum politischen Zentrum des Heiligen Römischen Reiches und dank einem blühenden Fernhandel zu einer der wohlhabendsten und größten Städte Deutschlands. Bis 1806 war Regensburg Sitz des "Immerwährenden Reichstages" - ein Parlament der Fürsten und Reichsstädte, die hier Entscheidungen auf die sprichwörtlich gewordene "lange Bank" schoben. Der Kaiser ließ sich dort meist durch die Reichspostmeister- und Fürstenfamilie Thurn und Taxis vertreten.

AP / AP