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Zum Tod von Lucian Freud Künstler, Freud-Enkel und Lebemann


Er galt als einer der bedeutendsten britischen Maler der Gegenwart - und eine der schillerndsten Figuren der Kunstszene. Jetzt ist Lucian Freud in London gestorben. Der Enkel Sigmund Freuds hinterlässt nicht nur Bilder.

Für die einen sind Lucian Freuds Nackte faszinierend und schön, andere finden sie provozierend, abstoßend oder sogar richtig hässlich. Dass sie einzigartig sind, da sind sich Experten und Kunstliebhaber aber meistens einig. Schmeicheleien oder Kompromisse gab es bei ihm nicht. Seine ehrlichen Darstellungen sind nicht immer leicht anzuschauen. Doch sie haben dem Enkel von Sigmund Freud "einen einzigartigen Platz in der Ruhmeshalle der Kunst des späten 20. Jahrhunderts" gesichert, meint der Direktor der renommierten Tate Kunstgalerien, Nicholas Serota.

Nur selten suchte sich Freud für seine Akte Menschen aus, die für ihre Schönheit berühmt waren. Ausnahmen machte er bei den Models Kate Moss oder Jerry Hall, der Ex-Frau von Mick Jagger. Seine Lieblingsmotive allerdings waren Familienmitglieder und Freunde, die stundenlang für ihn Modell sitzen mussten.

Einer der wichtigsten zeitgenössischen Künstler

In den letzten Jahren wuchs sein Ruhm mehr und mehr, er galt als einer der wichtigsten zeitgenössischen Künstler. Seine Werke brachten Millionen und wurden bei den großen Auktionshäusern zuletzt als Garant für Erfolg gesehen. Dabei hatte er sich zu Beginn seiner Karriere anhören müssen, er sei nicht modern genug. Zunächst vom Surrealismus inspiriert, hielt er später inmitten der Dominanz des Abstrakten am Figürlichen fest.

Freud wurde in Berlin geboren. Im Jahr der Machtübernahme der Nazis 1933 wanderte er mit seiner Familie nach Großbritannien aus. 1939 wurde er britischer Staatsbürger. Auf der Insel ist er fast bekannter als sein Großvater, der Begründer der Psychoanalyse.

Gerne allerdings wird der Vergleich herangezogen: Während Sigmund Freud in die Tiefen der menschlichen Seele eintauchte, stellte Lucian Freud sie nach Außen. Fettansätze und Falten, Adern unter bleicher Haut, hängende Brüste - alles das betont Freud in seinen Bildern noch. "Ich wünsche mir", bekundete er einmal, "dass meine Porträts sozusagen die Leute selbst sind, nicht nur deren äußere Erscheinung."

Erste Ausstellung mit 21 Jahren

Freud malte schon seit jungen Jahren. Bereits mit 14 Jahren besuchte er die Londoner Central School of Art. In der Kunstszene fiel er zunächst als Zeichner auf. Seine erste Ausstellung hatte er mit 21 Jahren. Schließlich schaffte er es sogar zum Porträtmaler der britischen Königin Elizabeth II. Während der stundenlangen Sitzung mit der Queen führten die beiden angeblich anregende Gespräche. Das Gemälde, auf dem die Monarchin fast wie ein Mann aussieht, spaltete allerdings dennoch die britische Öffentlichkeit.

Außerhalb der Avantgarde empfanden manche Freud als Rebell, andere sahen in ihm nichts anderes als einen Pornografen. Das Privatleben des öffentlichkeitsscheuen Malers soll nicht minder spektakulär gewesen sein.

Glaubt man den Gerüchten, so soll er bis zu 40 uneheliche Kinder haben. Immer wieder war er in Schlägereien verwickelt. Dafür rechtfertigte er sich einst in einem Interview: "Der Grund war nicht, dass ich so gerne kämpfe; die Leute haben wirklich Sachen zu mir gesagt, auf die ich meiner Ansicht nach nur mit Schlägen antworten konnte."

Britta Gürke und Annette Reuther/DPA DPA

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