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TV-Kritik

"Echt Familie - das sind wir": Mit Menowin Fröhlich im Entzug, mit Sarah Lombardi in Therapie

In einer neuen Doku-Soap widmet sich RTL2 erneut seinen Dauer-Protagonisten Menowin Fröhlich und Sarah Lombardi. Doch dieses Mal steht Schwieriges an: Beide müssen in Therapie, um ihr Leben in den Griff zu kriegen. Und dabei hilft eine Kamera selten.

Menowin Fröhlich, Sarah Lombardi

Menowin Fröhlich und Sarah Lombardi in der RTL2-Sendung "Echt Familie - Das sind wir".

Es ist diese eine Szene aus der neuen Sendung "Echt Familie - Das sind wir", die das Perfide der Dokusoap besonders deutlich macht: Der junge RTL2-Reporter steht mit verkehrt herum angezogenem Käppi am Handy und schüttelt den Kopf. Gerade eben hat Menowin Fröhlich kurzfristig einen Dreh abgesagt. Am Vortag hat er sich noch vom Kamerateam zum ersten Treffen mit einen Drogen-Therapeuten begleiten lassen, rasselte durch einen Urintest. Eigentlich sollte der Entzug jetzt richtig losgehen - doch Fröhlich erscheint nicht. "Geht gar nicht", schimpft auch der Drogen-Therapeut in die Kamera. Das ganze Team sei schließlich extra zu Fröhlich gefahren, habe sich auf einen Drehtag gefreut. Und da macht der Junkie einfach, was er will.

Es ist erstaunlich, dass der Sender immer wieder Fachkräfte aufgabelt, die so unseriös sind, dass sie sich für den eigenen Ruhm und gegen das offensichtliche Wohl ihres Patienten entscheiden. Klar: Menowin Fröhlich braucht Hilfe. Aber braucht er auch die RTL2-Show? Offensichtlich ist, dass seine Frau und Kinder nicht begeistert sein dürften, wenn der 30-Jährige mal wieder im TV beim Lügen überführt wird. 

Lombardi hat die Erkenntnis - aber sie handelt nicht danach

Dass ehemalige Castingshow-Teilnehmer oft schwer vom schnellen Ruhm loskommen, zeigt auch das zweite Beispiel der Sendung. Sarah Lombardi spricht hier von ihren Zwängen, erzählt, dass sie zu perfektionistisch ist, an ihrem Ehrgeiz leide. "Ich setze mich so unter Druck, glücklich zu sein, eine gute Mutter zu sein", erzählt die 24-Jährige, die in der Vergangenheit heftig für ihre gescheiterte Ehe mit Pietro Lombardi öffentlich angegangen worden ist. Jetzt sitzt sie beim Therapeuten, die Tränen fließen, die Haare stehen zu Berge, die Selbstvorwürfe sind hart. Lombardi wirkt ehrlich verzweifelt und als Zuschauer beschleicht einen das Gefühl, dass diese Momente schlicht zu privat sind.

Paradoxerweise sieht das auch Sarah Lombardi so: "Es ist schon komisch, das alles einem Fremden zu sagen. Dir kann ich es gut erzählen", sagt sie im Gespräch mit Schulfreundin Melina - die Kamera surrt für sämtliche RTL2-Zuschauer mit. Später sagt sie, dass sie es schon manchmal bereue, in die Öffentlichkeit gegangen zu sein. Die Erkenntnis ist da, allein die Einsicht fehlt, es besser zu machen. Und plötzlich erscheint Menowin Fröhlich und sein abgebrochener Dreh unglaublich vernünftig.

Pietro Lombardi und Amy Hines