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M. Beisenherz: Sorry, ich bin privat hier: Gauland, Nachbarschuft

Alexander Gaulands Nachbar-Zitat über Jerome Boateng erhitzt die Gemüter. Dabei liegt der AfD-Mann gar nicht so daneben, findet stern-Stimme Micky Beisenherz. Vielmehr erklärt er, wie das EM-Fieber für die braune Parallelgesellschaft funktioniert.

AfD-Politiker Alexander Gauland als Gartenzwerg

Für stern-Stimme Micky Beisenherz repräsentiert Alexander Gauland jene Sorte Opa, die den Ball zersticht, den Kindern über den Zaun geschossen haben

Dieser Text ist grundfalsch.

Wenn jemanden wie Gauland die intellektuelle Bettflucht packt, ist man als normal denkender Mensch eigentlich angehalten, das zu ignorieren, was da aus dem geistigen Katheterbeutel gekippt wird. Da sich die rechten dieser Tage aber gerade wieder in Höhen ungeahnter Dummheit aufschwingen, muss man vielleicht doch nochmal kurz den Finger heben.

"Stinkie" Gauland (so wird er angeblich hinter vorgehaltener Hand genannt).

Exakt die Sorte Opa, die den Ball zersticht, den Kinder über den Zaun schießen, hat mal wieder Faulgas gegeben und so entfuhr ihm jüngst folgender Satz:

"Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut, aber wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben".

Soweit der Rechtsaußen über den Innenverteidiger.

Wissen Sie, wie hoch der Mietspiegel in München-Grünwald ist? Da würde ich auch nicht wohnen wollen.

Alexander Gauland liegt nicht einmal so daneben

Ausgerechnet die irgendwann mal schlaue "FAS" entblödet sich nicht, tatsächlich noch jemanden zu Boatengs Haus zu schicken, um nachzufragen, wie der denn so als Nachbar ist. Als ob man diesen Schwachsinn mit einer genauen Prüfung noch Substanz beimessen muss.

Der Cordsakko-Hooligan will diesen Satz jetzt so übrigens gar nicht gesagt haben - und reiht sich nahtlos ein in die Reihe der von Storchs, Petrys und Bachmanns, die erst tönend das braune Fischernetz auswerfen, nur, um hinterher feige und wirbellos Computermäuse, fremde Mächte, vergorene Dosenwurst oder sonstwas für das Erscheinen ihrer reißerischen Zitate verantwortlich zu machen.

Gartenzwerg Nase.

Dabei liegt Gauland noch nicht einmal so daneben!

Natürlich ist diese Jägerzaun-Prosa billigste Propaganda, deren Erwähnung die eigentliche Dummheit ist.

Aber als Vertreter der emotional verödeten braunen Parallelgesellschaft hat er ziemlich genau beschrieben, wie diese Event-Liberalität bei einigen funktioniert.

Solange Özil, Khedira und Co. uns fein zum Titel schießen, wollen wir mal nicht so sein.

Dann knipsen wir die Toleranz an, wie den Beamer, der uns für die nächsten vier Wochen zur Besäufnis-Begleitung dienen soll.

Es muss ja nicht mal der ganz große Ausreißer nach unten sein, so wie bei der legendär unwürdigen Reaktion einiger Rechter auf die putzige Aktion eines Süßwarenherstellers. Der erdreistete sich, in einer Sonderaktion die Kinderbilder ALLER deutschen Nationalspieler auf die Verpackung zu drucken.

Bei jedem Fehlpass kriechen sie aus ihren Löchern

Spätestens, wenn man sich selbst dabei erwischt, wie (ja, tatsächlich geschehen!) man im Supermarkt die Verpackung von Kinder-Schokolade (!) zerreißt, muss man sich selber vielleicht doch nochmal fragen, wann einem genau die letzte Synapse abgestorben ist.

Dieser Maschendraht-Sound allerdings steht für eben jene Idioten, die sich einem bei Fußballspielen in allen Gruppen größer als zehn unweigerlich aufgröhlen.

"Deutschland ist der geilste Club der Welt", da sind sie zuhause.

Aber bei jedem Fehlpass kriechen sie aus ihren Löchern mit ihrem Bierstand-Rassismus, den wir noch viel zu häufig pikiert lächelnd hinnehmen.

Dann "konnte der Türke noch nie was."

"Der Neger kann auch nix außer Grätschen", "der Tunesier soll nicht nach Mekka gucken, sondern auf den Gegner" und "warum der Löw so auf den Polen steht, weiß man ja".

Polizeiruf 110 statt ethnischer Gemischtwarenladen

Ich kann nur hoffen, dass sie mit derselben Konsequenz, mit der sie Kinderschokoladen-Verpackungen häuten, vorgehen und der EM, diesem ethnischen Gemischtwarenladen: fernbleiben.

Keine Fahnen. Kein Corso. Keine Gesichtsschminke vom LIDL.

Und bei der Grillparty im Garten läuft auf der Leinwand eine alte Folge Polizeiruf 110.

Wäre nur fair.

Ich habe einfach keinen Bock, versehentlich einen von diesen Trotteln beim 1:0 zu umarmen.

Okay, komm ... Vorschlag zur Güte: Sie dürfen einmal umschalten und nen Abschlag von Manuel Neuer bejubeln.

Der ist doch so schön arisch.

Und bestimmt ein total toller Nachbar.