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Rund 11 Prozent "Ich freue mich richtig", sagt Alice Weidel – doch in der AfD herrscht Ernüchterung

Alice Weidel spricht auf einer Kundgebung der AfD
Für die AfD lief dieser Wahl-Sonntag alles andere als optimal. Alice Weidel ist dennoch zufrieden.
© John Macdougall / AFP
Mit schrillen Tönen ist die AfD auf Stimmenfang gegangen: Masken runter, Deutschland raus aus der EU, Klimaschutz ohne uns. Damit hat sie weniger Prozente geholt als vor vier Jahren. Von Aufbruchstimmung ist nichts mehr zu spüren.

"Ich freue mich richtig", sagt AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel im Fernsehstudio. Doch ausgelassene Freude sieht anders aus. Auch auf der Wahlparty der AfD in einem schlichten Berliner Festsaal ist die Stimmung eher mau, als die ersten Zahlen auf der Leinwand erscheinen: rund 11 Prozent. 

Vor vier Jahren waren es noch 12,6 Prozent gewesen. Die Stimmung war im September 2017, als die AfD zum ersten Mal in den Bundestag einzog, ausgelassen, euphorisch. "Wir werden sie jagen", rief Alexander Gauland damals. Heute steht er mit seinem Weinglas alleine und etwas verloren an einem mit blauem Stoff bezogenen Stehtisch. "Seien wir also trotz unseres etwas schwächeren Ergebnisses froh", macht er den Parteifreunden Mut. Immerhin sei die Union von den Wählern abgestraft worden, Kanzlerin Angela Merkel sei "jetzt weg". Das sei doch schon mal eine gute Nachricht.

AfD büßt auch viele Stimmen bei Landtagswahlen ein

Die AfD hat nicht nur bei der Bundestagswahl Stimmen eingebüßt, sondern auch bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern. In Berlin ist sie im Vergleich zur letzten Abgeordnetenhaus-Wahl regelrecht abgestürzt. Woran das gelegen habe, müsse jetzt analysiert werden, sagt Parteivize Beatrix von Storch.

Parteichef Tino Chrupalla, der zusammen mit Weidel das Spitzenduo für diesen Wahlkampf gebildet hat, spricht dennoch mit Blick auf die Bundestagswahl von einem "starken Ergebnis", auf das er "stolz" sei. Auf seinem Handy schaut er beim Bier später auf die Zahlen aus seinem Wahlkreis Görlitz. Die bieten deutlich mehr Anlass zur Freude.

Ob seine Leistung als Wahlkämpfer die Parteifreunde überzeugt hat, wird sich auf dem nächsten Bundesparteitag zeigen. Denn die für manche in der AfD noch wichtigere Wahl in diesem Jahr steht am zweiten Dezemberwochenende an. Dann will die AfD in Wiesbaden einen neuen Parteivorstand wählen.

"Sicherlich ein durchwachsenes Ergebnis"

Der Rechtsaußen-Flügel der Partei steht hinter Chrupalla und würde Parteichef Jörg Meuthen wohl gerne loswerden. Auch einige persönliche Rivalen und Feinde wollen Meuthen abwählen. Als möglicher Nachfolger wird Peter Boehringer aus Bayern gehandelt. Auch der Name des NRW-Landesvorsitzenden Rüdiger Lucassen fällt in diesem Zusammenhang gelegentlich. Doch Meuthen gibt nicht kampflos auf. Er hat das Wahlprogramm kritisiert, vor allem die Forderung nach einem Austritt Deutschlands aus der Europäischen Union.

"Das ist sicherlich ein durchwachsenes Ergebnis", kommentiert Meuthen auf der Wahlparty. Er findet, angesichts der aktuellen Schwäche der Union hätte die AfD aus seiner Sicht viel besser abschneiden müssen. Man müsse sich jetzt anschauen, "woran es gelegen hat, dass wir nicht dazugewonnen haben", sagt Meuthen, dessen Verhältnis zu Chrupalla als zerrüttet gilt. Man könnte das als unterschwellige Kampfansage verstehen.

pgo dpa

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