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M. Beisenherz: Sorry, ich bin privat hier: JA zum ICH! Erdogan, die Türken und die neue Viagra-Politik

Die Türken haben mit knapper Mehrheit für Erdogans Verfassungsentwurf gestimmt. Wieso versaut die eine Hälfte des Wahlvolkes der anderen so heftig die Lebensbedingungen? Und warum hören die eigentlich nie auf uns Deutsche?

Von Micky Beisenherz

Micky Beisenherz über das Türkei-Referendum

Micky Beisenherz über das Türkei-Referendum

In vielen Cafés gibt es die schöne Möglichkeit, auf einem separaten Zettelchen das anzukreuzen, was ich gern zum Frühstück hätte. Das muss ich mal wieder machen. Knäckebrot, Silberzwiebeln, Rote Bete, vegane Leberwurst. Und 'nen frisch gepressten Sauerkrautsaft dazu. Is' bestimmt gesund. Kriegt ja mein Nachbar an Tisch 3. Ich bleib natürlich bei meinem Rührei mit Lachs.

Tut mir leid. Ein griffigeres Beispiel für die Funktionsweise des Erdogan-Referendums fällt mir gerade nicht ein. Gut, im Kern fühlt es sich für mich so an: Da gibt es eine nicht unerhebliche Zahl von Türken in Deutschland, die ihren Minderwertigkeitskomplex dadurch befriedigen, indem sie für ein System stimmen, dessen Folgen nicht sie, sondern ihre Verwandten in einem anderen Land ausbaden müssen. Hoffentlich gibt es das bald auch hier auf Länderebene! Ich hab da nämlich 'nen Onkel in Baden-Württemberg, den ich echt hasse! 

Gut, ich habe das auch etwas falsch formuliert. Sie stimmen ja nicht für ein System. Sie stimmen in erster Linie für einen Typen. Für eine Sehnsuchtsfigur. Eine Projektionsfläche, die ihnen ein lange ungekanntes Gefühl von Stärke und Bedeutung suggeriert. Erklärungsansätze, warum rund zwei Drittel der hier wählenden Türken für JA gestimmt haben, gibt es viele.

Das ewige Gefühl, der "Gastarbeiter" zu sein, die "Dönermorde", das mindestens peinliche Auftreten Deutschlands in der causa NSU, die innere Zerrissenheit, gescheiterte Integrationsprojekte, die claudiarothige Kopftätscheligkeit, mit der Besserdeutsche ihren Gemüsehändler herabherzen, ja, sogar die Art, mit der die Türken beim EU-Beitritt hingehalten werden, während gefühlt jeder Hans und Franz reingewunken wird. (Zu behaupten, die EU-Beitrittsverhandlungen seien JETZT gescheitert, ist natürlich auch ein bisschen verlogen.)

Oder sind die Türken einfach doof? Wenn man sich diverse Kommentare so durchliest, könnte man fast meinen, dass dieser Erklärungsansatz soziologisch zulässig ist. Der geschätzte Kollege Til Mette hat das in einer Karikatur kürzlich wunderbar zusammen gefasst: "Mein Mann ist so glücklich. Dank Erdogan kann er seinen Türkenhass jetzt endlich als Liebe zur Demokratie verkaufen."

Warum hören die eigentlich nie auf uns Deutsche

Das nur am Rande: Die Evet-Sager in Deutschland sind nicht 3,4 Millionen. Sie sind 450.000 von tatsächlich wählenden 700.000 und machen somit nur knapp mehr als zehn Prozent aller in Deutschland lebenden Türken aus. Und wenn "der Türke!" hier einfach schlecht integriert ist, wie schlecht ist der Engländer integriert? Oder der Amerikaner?

Wieso versaut die eine Hälfte des Wahlvolkes der anderen so heftig und empfindlich die Lebensbedingungen? (Ja, auch in der Türkei haben rund 50 Prozent mit NEIN gestimmt.) Und warum hören die eigentlich nie auf uns Deutsche! Wir haben ihnen allen doch reichlich und oft gesagt, was zu tun ist!

Hochzeit der Phallussymbolpolitik

Wir befinden uns gerade in einer Hochzeit der Phallussymbolpolitik, in der "Macher" wie Trump, Erdogan, Putin (ebenso wie die testosterongeladene "Jetzt komm ich!"-Agenda von Le Pen oder Petry) mit ihrem Schwellkörperduktus vor allem die Alten und die Postpubertären erreichen. Quasi Viagra fürs Ohr. Da wird die Wahlkabine zur Verrichtungsbox. "Komm zu uns! Hier ist es noch einfach! Und hier bist Du wer. Lass mich mal machen! Ich zeig der Welt, was ne Harke ist!" Wählen ist wie Sex: Wenn der Kopf erst aus ist, geht es ganz einfach.

Und Todesstrafe zieht immer. Wahrlich kein Problem, das die Türken exklusiv haben. Zumal die Karte, die zeigt, wer in der Türkei für was gestimmt hat, erschreckende Parallelen zur Karte der USA aufweist. "Köprü devlet“ ist Türkisch für "Flyover state". Da, wo man bereits wer ist, glaubt man nicht dem, der einem verspricht, noch wer zu werden.

Feier mit Auto(kratie)korso

Wer aber immer nur WhatsApp und den Sportteil liest, googelt gerne erst nach der Wahl, wofür er eigentlich gestimmt hat. Wenn ich die Bilder sehe, wie zum Beispiel junge Türken in Berlin das Ergebnis des Referendums mit Auto(kratie)korso feiern, als würde gerade der neue Track von Kollegah aufgedreht, wird's mir schlecht. Dummheit stößt mich ab. Vor allem, wenn sie so dickhodig daher kommt. Und doch erinnern mich Bilder von solch aggressiver Blödheit in erster Linie an die verzweifelte Selbstgerechtigkeit der Pegida- oder AfD-Aufläufe.

Im September ist Bundestagswahl. Dann wird sich zeigen, ob unser erhobener Zeigefinger nicht schnell und heftig abschwillt. Ich habe kürzlich mit meinem Vater am Tisch gesessen und ihm meinen ehrlichen Neid ausgesprochen. Darauf, dass seine in der langen Menschheitsgeschichte womöglich die einzige Generation sein wird, die durchweg in Frieden gelebt hat. Regiert von Politikern, die wussten, wie beschissen Krieg und wie kostbar Freiheit ist, weil sie das Gegenteil noch am eigenen Leibe erfahren mussten. "Lieber 100 Stunden umsonst verhandeln, als eine Minute schießen." (Helmut Schmidt)

Neuer Migrationsschub

Momentan wollen sie alle aufs Eis. Demokratie? Frieden? Hamwa lange gehabt! Reißen wir raus wie einen alten Teppichboden. Ab jetzt jeder für sich! Jetzt wollen wir die Mother of all Bombs! Und einen Schokokuchen dazu. Es ist absurd. Und gruselig.

Das globale Armdrücken hat begonnen, und jeder will mitmachen. Berichten zufolge hat die Präsidialreform einen neuen Migrationsschub zur Folge. Es zieht immer mehr türkische Intellektuelle nach Deutschland. 

Was wiederum nur gut sein kann. Ein paar Leute mit Hirn können wir hier durchaus noch vertragen.


Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.