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Interview

Anna-Maria Zimmermann: "Das Morphium wieder abzusetzen, war das Schlimmste am ganzen Unfall"

Vor fast sieben Jahren verunglückte Anna-Maria Zimmermann bei einem Helikopter-Absturz schwer, schwebte in Lebensgefahr. Danach rutschte die Sängerin in die Tabletten-Abhängigkeit. Dem stern erzählt sie, wie sie wieder rauskam.

Anna-Maria Zimmermann

Am Freitag erscheint "Himmelblau", das neue Album von Anna-Maria Zimmermann

Im Oktober 2010 stürzte Anna-Maria Zimmermann auf dem Weg zu einem Auftritt mit einem Helikopter ab. Die heute 28-Jährige zog sich schwerste Verletzungen zu, ihr linker Arm ist seither gelähmt. Als Folge der ärztlichen Behandlungen wurde die Sängerin und ehemalige DSDS-Kandidatin abhängig von Tabletten. Mit dem stern sprach sie über die schwere Zeit und darüber, wie sie es schaffte, die Sucht zu überwinden.

Frau Zimmermann, Sie haben im vergangenen Jahr erstmals über Ihre Tablettensucht gesprochen. Wie geht es Ihnen heute?

Ich lebe mittlerweile ohne Schmerzmittel und will auch keine mehr nehmen. Alle waren so schockiert, als ich von meiner Tabletten-Abhängigkeit gesprochen habe – dabei wäre das bei den meisten Menschen nach so einem Unfall so. Nicht, weil sie Junkies sind, sondern weil man von den Ärzten so eingestellt wird. Und irgendwann verlangt der Körper dann nach den Schmerzmitteln. Auf einmal war ich in einer Spirale. Man wird dann schnell abgestempelt, dabei war alles verschrieben.

Was genau haben Sie denn genommen?

Direkt nach dem Unfall habe ich ein Jahr lang Morphium bekommen. Keiner hat mir gesagt, dass das stark abhängig macht. Das musste ich selber merken. Das Morphium wieder abzusetzen war das Schlimmste am ganzen Unfall. Ich hatte Schweißattacken und extreme Stimmungsschwankungen – keiner konnte es mir recht machen. Trotzdem habe ich weiter gearbeitet. Das war ein Horror-Jahr für mich. Später waren es Mittel gegen Nerven- und Phantomschmerzen.

Sie haben den Entzug gegen den Willen Ihrer Ärzte gestartet. Wie sind Sie vorgegangen?

Irgendwann habe ich angefangen, morgens mal ein bisschen weniger zu nehmen. Es ging mir mal gut, mal schlecht, aber ich wollte das nicht mein Leben lang nehmen. Vor allem, weil mein Frauenarzt gesagt hat, dass ich damit keine Kinder bekommen kann. Und da hat bei mir das Denken richtig angefangen – auch wenn momentan nichts geplant ist. Vor zwei Jahren im Urlaub hab ich sie dann komplett abgesetzt. Dann hab ich mich erschrocken: Ich war sehr fertig, wahnsinnig müde. Danach ging es mir besser. Ich hatte zwar immer noch Symptome, doch die hatte ich auch mit den Tabletten.

Wie geht es Ihnen insgesamt gesundheitlich heute?

Seit kurzem kann ich zum ersten Mal sagen: Wenn der Arm jetzt so bleibt, dann komme ich damit klar. Weil ich ihn jetzt spüre und er nicht mehr wie ein Klotz an mir hängt. Das war das Schlimmste: Ihn zu sehen, aber nicht zu spüren. Die Ärzte sagen, man könnte irgendwann noch ein neues Schultergelenk einfügen, aber das will ich nicht. Irgendwann ist mein Glück ausgereizt. Ich kann das auch nicht mehr. Ich möchte keine Krankenhäuser mehr sehen, nicht mehr liegen. Ich bin glücklich, so wie es ist.


sst