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Eurovision Song Contest: Berlin statt Kiew? EBU-Chefin droht angeblich mit Verlegung des ESC

"In Berlin steht alles bereit." In einem Telefonmitschnitt soll EBU-Chefin Ingrid Deltenre mit diesem Satz zu hören sein. Könnte der ESC wirklich wenige Wochen vor dem Finale nach Deutschland verlegt werden?

Ingrid Deltenre

EBU-Chefin Ingrid Deltenre bringt offenbar Berlin als möglichen Austragungsort des ESC 2017 ins Spiel

Sie fiel offenbar auf einen Fake-Anruf herein: Ingrid Deltenre, Generaldirektorin der European Broadcasting Union (EBU), wurde nach Angaben der kremltreuen russischen Webseite Life.ru Opfer des berüchtigten Prankster-Duos Alexej Stoljarow und Wladimir Kuznetsow. Die beiden Männer, die bereits Elton John hereingelegt hatten, gaben sich am Telefon als ukrainischer Premierminister Wolodymyr Hrojsman aus. Das Brisante: Wenige Wochen vor dem geplanten Finale des Eurovision Song Contest am 13. Mai soll Deltenre offen mit einer Verlegung des Wettbewerbs von Kiew nach Berlin drohen.

"In Berlin steht alles bereit", sagt Deltenre in dem am Mittwoch veröffentlichten Mitschnitt des Fake-Anrufs. Die EBU wollte dem stern die Echtheit des Gesprächs zwar nicht bestätigen, dementierte sie aber auch nicht. Bei der Frauenstimme handelt es sich jedoch mit hoher Wahrscheinlichkeit um die in den Niederlanden geborene Deltenre, die mit Akzent Englisch spricht.

ESC-Chefin Deltenre droht mit Ausschluss der Ukraine

In dem zehn Minuten und 30 Sekunden langen Ausschnitt droht die Chefin der EBU offen damit, der Ukraine den ESC zu entziehen, sollte es bei einem Einreiseverbot für die russische Sängerin Julia Samoylova bleiben. "Wenn sie von der Teilnahme ausgeschlossen wird, leidet das Ansehen der Ukraine in ganz Europa. Jede Zeitung wird nur über den Ausschluss berichten, nicht über den Song Contest", appelliert Deltenre an den vermeintlichen Premierminister.

Die 56-Jährige stellt klar, dass nur die EBU das Recht habe, eine Teilnehmerin vom ESC auszuschließen und droht der Ukraine offen mit Konsequenzen. Dabei bringt sie nicht nur einen Ausschluss vom Song Contest für die kommenden Jahre ins Spiel ("Die Ukraine wird für mindestens zwei Jahre gesperrt werden"), sondern auch eine kurzfristige Verlegung des ESC 2017 nach Berlin.

Die Prankster Stoljarow und Kuznetsow locken Deltenre aus der Reserve. Sie lassen den vermeintlichen ukrainischen Premierminister sagen: "Ich zweifle daran, dass der Song Contest in den verbliebenen zwei Monaten in ein anderes Land verlagert werden kann. Das ist technisch nicht möglich." Darauf antwortet Deltenre entschlossen den entscheidenden Satz: "In Berlin steht alles bereit."

EBU antwortet auf eventuelle Verlegung nach Berlin ausweichend

In Kiew laufen bereits die Aufbauarbeiten, in knapp vier Wochen sollen die Proben beginnen. Könnte der ESC tatsächlich so kurzfristig verlegt werden? Auf stern-Anfrage antwortete die EBU ausweichend: "Unsere erste Priorität bleibt es, uns auf einen großartigen Eurovision Song Contest mit unserem Mitglied UA:PBC (der ukrainische TV-Sender, Anm. d. Red.) im Mai in Kiew zu konzentrieren", sagte ein EBU-Sprecher. Eine eventuelle Verlegung wird damit nicht explizit ausgeschlossen.

ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber, der in Deutschland für den ESC verantwortlich ist, sagte dem stern über eine mögliche Verlagerung nach Berlin: "Ich kann entsprechende Berichte nicht bestätigen." Nach Aussage von Frank-Dieter Freiling, Leiter der Hauptabteilung Internationale Angelegenheiten des ZDF und Mitglied der Referenzgruppe des ESC, gibt es jedoch entsprechende Vorkehrungen. "Es gibt jedes Jahr Pläne für einen Notfall", sagte er dem stern. Demnach werde immer ein Fernsehstudio vorgehalten, auf das der Wettbewerb in einer Krisensituation zurückgreifen könne. Ob dieser Ersatzort in diesem Jahr in Berlin ist, dazu wollte er sich nicht äußern.

Geheimer Plan B

Deltenres Aussage, den ESC kurzfristig nach Berlin zu verlegen, könnte also mehr als eine leere Drohung sein. Zwar müsste eine solche Ersatzveranstaltung in kleineren Dimensionen stattfinden - es dürfte aus logistischen Gründen wohl kaum möglich sein, die Aufbauten von Kiew kurzfristig nach Berlin zu transportieren. Aber ein kleiner und feiner ESC, wie er 1991 zuletzt in den Fernsehstudios von Rom vor Pappmachékulissen stattfand, dürfte in Berlin allemal drin sein.