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Burt Bacharach: Die Stimme Hollywoods

Jeder kennt seine Lieder, der Mann selbst blieb stets ein Geheimnis: Im stern-Interview erzählt Burt Bacharach von seiner Arbeit mit Marlene Dietrich, seiner Ehe mit Filmstar Angie Dickinson - und warum er nach so vielen Hits immer noch den perfekten Popsong sucht.

Von Christine Kruttschnitt und Hannes Ross

Neulich mussten die Kandidaten in der US-Talentshow "American Idol" Hits der Beatles singen. "Tolle Lieder, hab ich noch nie gehört!", tschilpte ein junges Mädchen und fing an zu summen: "Yesterday … geile Melodie, echt eine totale Entdeckung!"

"Für Ignoranz gibt es keine Entschuldigung", sagt Burt Bacharach. Er ist ein mittelgroßer, weißhaariger Mann mit elegantem Pferdegesicht, das seiner Erscheinung etwas durchaus Nobles verleiht. Für die Leser, die sich nach diesem strengen Urteil nervös fragen, wer zum Teufel Burt Bacharach ist - das ist der Mann, dessen Lieder jeder im Leben schon einmal auf den Lippen hatte.

Er schrieb Songs zum Mitpfeifen ("Raindrops Keep Fallin' On My Head") und Mitröhren ("What's New Pussycat? Ohoho- ohohooo …"), Songs für Träumer ("What The World Needs Now, Is Love, Sweet Love") und Romantiker ("Walk On By"). Er schuf Hits für die Carpenters, Drifters und Beatles, verhalf Aretha Franklin zu Soul und Tom Jones zu Sex. Er hatte in New York Kompositionslehre studiert und schmuggelte immer wieder Pop-Exoten wie Flügelhörner in seine Balladen, die sich stets so eingängig und natürlich anhören, als wären sie schon ewig auf der Welt gewesen und hätten nur auf Burt Bacharach gewartet, auf dass er sie mal ordentlich aufschreibt. Und doch: Alles Bluff, schnaufte einst Dionne Warwick: "Um seine Lieder zu singen, brauchst du ein Hochschulstudium!"

Im "Sonnenzimmer" seines durch und durch sonnigen Hauses im kalifornischen Pacific Palisades steht ein Flügel, wie frisch bestäubt mit handbeschriebenen Notenblättern. Jeden Tag setze er sich ans Klavier, sagt der gerade 80 Jahre alt gewordene Musiker: "Ich brauche das." An den Wänden hängen Fotos der Turnierpferde, die Bacharach seit Jahrzehnten züchtet. "Etwa zehn" habe er im Moment. Auf dem Sideboard im Flur sind, wie bei allen Amerikanern, Fotos der Lieben versammelt: Bacharachs 22-jähriger Adoptivsohn aus seiner dritten Ehe, der 15-jährige Sohn beim Snowboarden, die 12-jährige Tochter beim Reiten. "Sie hat am Sonntag 250 Dollar Preisgeld nach Hause gebracht", sagt der stolze Vater. Nicht dass er darauf angewiesen wäre: Nach dem Oscar-gekrönten Welthit "Raindrops Keep Fallin‘ On My Head" hätte er sich zur Ruhe setzen können. Und da hatte er gerade mal die Hälfte seines bisherigen Lebens hinter sich.

Mr Bacharach, wie schreibt man den perfekten Popsong?

Keine Ahnung. Gibt es den überhaupt?

Sie müssten es wissen: Nur die Beatles haben mehr Hits komponiert als Sie.

Natürlich gibt es Songs, die man perfekt nennen könnte - mit einer wunderschönen Melodie und brillantem Text. "My Funny Valentine" ist so einer.

Nicht von Ihnen.

Es fällt mir leichter, die Arbeit von anderen zu bewerten. Für mich ist wichtig: Du musst 100 Prozent aus allen herausholen, den Sängern, Musikern, Toningenieuren. Es ist wie im Pferderennen. Der beste Jockey verliert, wenn nicht auch sein Pferd das beste ist.

Ärgert es Sie, dass Popmusik für weniger anspruchsvoll gehalten wird als Klassik?

Sicher! Wer eine 45 Minuten lange Symphonie komponiert, kann sich ruhig ein paar Durchhänger erlauben, die vergisst man dank der großen Momente. Aber ein Popsong von nur drei Minuten?! Da muss jeder Ton sitzen.

Sie haben rund 2000 Lieder geschrieben. Worauf kommt's an?

Heutzutage kann man mit Computersound vieles großartig klingen lassen, aber das Einzige, was am Ende zählt, ist eine gute Melodie.

In den 50er Jahren begannen Sie als Orchesterleiter von Marlene Dietrich. Wie kam der Berufsanfänger mit dem Weltstar klar?

Marlene wusste genau, was sie wollte. Sie war eine Perfektionistin und konnte ein richtiges Biest sein, wenn ihr etwas nicht gefiel. Ich allerdings konnte nichts falsch machen. Wenn ich sagte: Marlene, das Tempo stimmt nicht, du singst zu langsam, dann hörte sie zu, als spräche Gott.

Sie tourten mit der Dietrich Anfang der 60er Jahre durch Deutschland. Welche Erinnerungen haben Sie daran?

Keine guten. Marlene wurde geradezu boykottiert: Die Deutschen warfen ihr vor, dass sie sich im Krieg auf die Seite der Amerikaner geschlagen hatte. Nach einem Konzert kam einmal ein Mädchen auf sie zu und spuckte ihr ins Gesicht. Marlene hatte ja nie einen Hehl daraus gemacht, was sie von Hitler hielt. Und sie hatte versucht, viele Leute aus Deutschland rauszuholen. Bei ihrem Konzert in Wiesbaden gab es sogar eine Bombendrohung.

Was ist dann passiert?

Nichts, trotzdem hatten wir natürlich Angst. An jenem Abend saß Josef von Sternberg im Publikum, Marlenes Entdecker. Er hatte sie mit dem "Blauen Engel" zum Weltstar gemacht. Die beiden hatten sich seit Jahren nicht mehr gesehen. Marlene sang "One For My Baby, One More For The Road" - und dann fiel sie plötzlich von der Bühne. Direkt vor Sternbergs Füße. Und brach sich die Schulter. Wirklich, diese Tournee war kein Vergnügen.

Anschließend ging es nach Israel. Marlene Dietrich war die erste deutsche Sängerin, die nach dem Krieg dort auftrat. Wie wurden Sie aufgenommen?

Der Konzertveranstalter holte uns am Flughafen in Tel Aviv ab. Er erzählte, dass er gerade ein Mahler-Konzert absagen musste, weil der Chor auf Deutsch war. Niemand ertrug es, diese Sprache in Israel zu hören. Marlene, sagte er, Sie singen doch nicht etwa einen Song auf Deutsch? Aber nein, antwortete sie, natürlich singe ich nicht einen Song auf Deutsch - sondern neun! Sie hat es so klug angestellt. Sie brachte ein paar Nummern auf Englisch, und dann fing sie mit einem Gutenachtlied an: Mein blondes Baby … Der ganze Saal hielt den Atem an. Manche Leute fingen an zu weinen.

Sie sind auch jüdisch.

Das galt in meiner Familie aber nicht als besonders cool. Als Kind habe ich sogar versucht, es vor meinen Freunden geheim zu halten. Sie alle waren katholisch, und was sie über Juden sagten, fand ich nicht ermutigend. Wie lächerlich mir das heute vorkommt.

Ihre Familie, heißt es, stammt aus Bacharach am Rhein. Waren Sie einmal dort?

Anfang der 50er Jahre war ich als Soldat in Garmisch stationiert. Da wollte ich mir meine "Wurzeln" ansehen. Ich nahm ein Boot und fuhr den Rhein lang, aber es war furchtbar, überall diese zerstörten Städte. Das hielt ich nicht aus. Ich kam nie bis Bacharach. Als Kind hatte ich eine Nanny, die Deutsch mit mir sprach. Aber ich habe alles vergessen außer: Alle Menschen werden Brüder. Und zu meinen Kindern könnte ich abends auf Deutsch sagen: Schlafen Sie gut!

Ihre größten Erfolge feierten Sie in den 60er Jahren. Waren Sie damals politisch interessiert?

Nein, für Politik interessiere ich mich erst seit dem Irak-Krieg. Deshalb habe ich vor drei Jahren das Album "At this Time" aufgenommen. Es war das erste Mal, dass ich selbst meine Texte schrieb. Es gab Dinge, die ich sagen musste. Bush ist der schlimmste Präsident in der Geschichte dieses Landes.

Sie sagten kürzlich, Sie seien sehr von Barack Obama beeindruckt. Ihr Kandidat?

Jeder Demokrat ist mein Kandidat. Meine Frau Jane hat Hillary unterstützt, ich war immer für Obama. Haben Sie den Mann je reden hören? Wenn er regiert, wie er spricht - das wäre wundervoll.

Hören Sie aktuelle Popmusik?

Natürlich. Allerdings nicht im Radio - das kann ich nicht ertragen. Nur Massenware, immer das Gleiche. Ich habe einen iPod. Da sind meine Lieblingssongs drauf. Klassiker von Earth, Wind & Fire, Sérgio Mendes und Diana Ross. Aber ich mag auch junge Sängerinnen wie Diana Krall oder Alicia Keys. Die spielen gut Klavier. Und sie versuchen nicht dauernd, Glas zu zersingen wie Mariah Carey.

Sie sind ein Weggefährte des Beatles- Produzenten Phil Spector, der im vergangenen Jahr wegen Mordes vor Gericht stand. Hat Sie das überrascht?

Wie jeder war ich schockiert - aber dass er mit Waffen rumspielt, hatte ich schon oft gehört. Er ist ein musikalisches Genie, aber er hat den Halt verloren. Das ist typisch Kalifornien: Wer hier reich und berühmt wird, hebt schneller ab als anderswo.

Was hindert Sie am Abheben?

Meine Familie. Meine Frau Jane ist, wie ich immer sage, "Zivilistin", also nicht im Showgeschäft. Sie ist Skilehrerin. Ich habe sie vor 15 Jahren in Aspen kennengelernt, als ich Unterricht bei ihr nahm. Jane sagt immer zu mir: Erwarte bloß keine Ovationen, wenn du durch die Straßen von Los Angeles läufst!

Ihre Songs machten andere weltberühmt, Sie blieben der Mann im Hintergrund. Bereuen Sie das?

Ich war einfach nie der Typ zum Genießen. Wenn mich damals jemand fragte, ob ich Lust hätte, ein paar Tage mit dem Jet nach Puerto Rico zu fliegen, sagte ich immer: Nein, danke, ich bleibe lieber zu Hause und schreibe noch einen Song. Ich habe pausenlos gearbeitet. Ich hatte gar keine Zeit, mal selbst ins Rampenlicht zu treten! Inzwischen kann ich das - innehalten und den Duft der Rosen genießen.

Immerhin nahmen Sie sich die Zeit, viermal zu heiraten.

Man hat eben nur ein Leben. Ich sah die Chancen - und habe sie genutzt. Kennen Sie die Geschichte von dem alten Ehepaar? Er ist 100, sie 102. Sie sind ein Leben lang zusammen. Und plötzlich lassen sie sich scheiden. Warum? "Wir haben gewartet", sagen sie, "bis die Kinder tot sind."

Sie und Ihre zweite Ehefrau Angie Dickinson - Spitzname: "die schönsten Beine Hollywoods" - galten als Glamour-Traumpaar. Was lief falsch?

Ich glaube, ich war nicht erwachsen genug. Man sollte nicht heiraten, bevor man 40 ist. Vielleicht können Frauen das, Männer nicht. Bei uns nebenan wohnt ein Paar, die sind seit der Schule zusammen, immer noch verliebt, jedes Mal erzählen sie von ihrem wahnsinnig guten Sex. Aber ich kann Ihnen versichern: So etwas ist sehr ungewöhnlich.

Ihre Tochter Nikki, das einzige Kind aus dieser Ehe, beging im vergangenen Jahr im Alter von 40 Jahren Selbstmord.

Das ist die größte Wunde in meinem Leben. Nikki litt am Asperger-Syndrom, einer Form von Autismus. Sie hätte jeden Tag, sieben Tage die Woche, das ganze Jahr in Therapie sein können, es hätte nichts an ihrem Zustand geändert.

War diese Hilflosigkeit für Sie Grund genug, Ihre Tochter für zehn Jahre in eine geschlossene Anstalt einzuliefern?

Ich bereue das heute zutiefst. Mir ist bewusst, was für ein hartes Leben Nikki dadurch hatte. Ich fühle mich schuldig, dass ich nicht mehr für sie tun konnte. Dass ich nicht mehr verstand. Aber niemand wusste damals mehr. Nicht mal ihre Ärzte.

Ihre Ex-Frau Angie machte Sie in einem Interview für das Scheitern der Ehe verantwortlich. Sie sagte, Sie seien Ihren Vaterpflichten nicht nachgekommen.

Ich kann die Vergangenheit nicht ungeschehen machen. Angie hat ihr Leben für Nikki geopfert.

Haben Sie noch Kontakt zu Ihrer Ex-Frau?

Seit dem Tod von Nikki waren wir ein paarmal miteinander essen. Angie ist eine großartige Frau. Ich kann immer noch verstehen, warum ich mich in sie verliebt habe.

Sie gehen dieses Jahr noch einmal auf Tournee …

… und ich muss sagen, diese Langstreckenflüge und das Theater am Flughafen machen mir zunehmend zu schaffen. Dabei genieße ich es, auf der Bühne zu stehen. Normalerweise weiß doch niemand, wie der Komponist aussieht.

Teil Ihres Erfolgs, sagte Ihr Songwriter-Kollege Sammy Cahn einmal, sei, dass Sie im Gegensatz zu anderen Komponisten nicht aussähen wie ein Zahnarzt.

Ja, das hat er nett gesagt. Was für ein schöner Schlusssatz. Ich werde meinen Sohn bitten, Sie zur Tür zu bringen, ich bin heute etwas wackelig auf den Beinen.

Auf uns machen Sie mit 80 einen erstaunlich sportlichen Eindruck.

Das ist es ja auch nicht! Aber ich trage diese brandneuen Turnschuhe, die haben so ein Hightech-Fußbett und massieren die Beine beim Gehen.

Hollywood-Starlets lieben diese Schuhe - sie machen angeblich einen strammen Hintern.

Machen Sie sich bitte keine Sorgen. Meiner ist stramm.

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Wie lange ist die frist bei einer Kündigung?
Hallo Ich möchte gerne kündigen, da das Arbeitsverhältnis nicht mehr gegeben ist. Leider verstehe ich den Arbeitsvertrag nicht ganz. Auszug aus dem Vertrag: Paragraf 13 Kündigungsfristen: (1) das Arbeitsverhältnis kann beiderseitig unter Einhaltung einer frist von 6 Werktagen gekündigt werden. Nach sechsmonatiger Dauer des Arbeitsverhältnisses oder nach Übernahme aus einem Berufsausbildungsverhältnis kann beiderseitig mit einer frist von zwölf Werktagen gekündigt werde. (2) Die Kündigungsfrist für den Arbeitgeber erhöht sich, wenn das Arbeitsverhältnis in demselben Betrieb oder unternehmen 3jahre bestanden hat, auf 1 monat zum Monatsende 5jahre bestanden hat, auf 2 monate zum Monatsende 8jahre bestanden hat, auf 3 monate zum Monatsende..... (3) Kündigt der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis mit dem Arbeitnehmer, ist er bei bestehenden Schutzwürdiger Interessen befugt, den Arbeitnehmer unter fortzahlung seiner bezüge und unter Anrechnung noch bestehender Urlaubsansprüche freizustellen. Als Schutzwürdige interessen gelten zb. Der begründete Verdacht des Verstoßes gegen die Verschwiegenheitspflicht des Arbeitnehmers, ansteckende Krankheiten und der begründete verdacht einer strafbaren handlung. Ich arbeite in einem Kleinbetrieb (2mann plus chef) seid 2 jahren und 3-4Monaten. (Bau) Seid ende November bin ich krank geschrieben. Was meinem chef überhaupt nicht passt und er mich mehrfach versucht hat zu überreden arbeiten zu kommen. Da mein zeh gebrochen ist und angeschwollen sowie schmerzhaft und ich keine geschlossenen schuhe tragen kann ist arbeiten nicht möglich. Das Arbeitsverhältnis ist seid längerem angespannt vorallem mit dem Arbeitskollegen. Möchte nur noch da weg! Wie lange ist nun die frist und wie weitere vorgehen? Ich hoffe es kann mir jemand helfen.
Füllhorn Rente 63 ?
Wer 2018 NEU in den Ruhestand ging a) und die „abschlagsfreie Rente 63“ mit mindestens 45 Versicherungsjahren kassierte, erhielt im Schnitt 1265 Euro monatlich, 1429 Euro (als Mann) bzw. 1096 Euro (als Frau) RENTE. b) und wer die „normale“ Altersrente kassierte, erhielt monatlich im Schnitt 950 Euro, 1080 € (als Mann) bzw. 742 Euro (als Frau) RENTE. Nach Adam Riese bedeutet das, das erst Zeiten ab dem 18. LJ für die Rentenversicherung gewertet werden, dass männliche Nicht-Akademiker über 45 Arbeitsjahre hinweg mehr als 25 Euro monatlich pro Stunde verdient haben müssten. sprich: ab 1973 ! (zu DM-Zeiten 50 DM Stundenverdienst ! ... als Nicht-Akademiker ??) Meine Erfahrung ist, dass man mit 18 zur Armee musste und das anschließende Studium frühestens im 25 LJ beenden konnte -- also in 1981 ! (25 + 45 = 70. LJ mit Altersrente ohne Abzüge). Ergebnis: erst in 2026 könnten vergleichbare Akamdemiker (nach 45 Vers.Jahren) in VOLLE Rente gehen. PS: Nach Rechnung der „Die Linke“ bräuchte man über 37 Jahre hinweg einen Stundenverdienst von mind. 14,50 Euro (29 DM), um NICHT auf die „Grundsicherung für Altersrentner“ angewiesen zu sein; also den statistischen Wert von 800 Euro mtl. Rentenbezug zu überschreiten. Wer erkennt den Zaubertrick der „abschlagsfreien Rente 63“ ? Wer kennt den Zaubertrick, in weniger Zeit, mit weniger Ausbildung, maximale Top-Renten-Ergebnisse zu erzielen ? (welches nicht einmal die gierigsten Börsenbanker und Versicherungsmakler in einer Demokratie für realisierbar hielten) ?