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Die Toten Hosen: "Keiner von uns konnte spielen"

1982 machte sich eine wütende Punk-Combo aus Düsseldorf daran, mit rustikaler Klangkost die Republik zu erobern. Nun feiern die Toten Hosen ihr 25-jähriges Bandjubiläum und schauen im stern.de-Video auf ihre ersten Alben und so manche üble Jugendsünde zurück.

Wir schreiben das Jahr 1982: Vor der argentinischen Küste tobt der Falkland-Krieg, das erste deutsche Retorten-Baby wird geboren, und die "Vokuhila"-Dichte in den Fußgängerzonen nimmt besorgniserregende Ausmaße an. Musikalisch spült die "Neue Deutsche Welle" ein Dutzend schlichter Bands mit noch schlichteren Texten in Hecks Hitparade, Nicole gewinnt mit "Ein bisschen Frieden" den Eurovision Song Contest, und Punk wird wieder einmal für mausetot erklärt.

Doch eine Handvoll ebenso planloser wie wütender Zeitgenossen aus Düsseldorf schreckt dies alles nicht: Die Herren Andreas Frege alias Campino, Andreas von Holst, Andreas Meurer, Michael Breitkopf, Trini Trimpop und Walter November schicken sich an, als die "Die Toten Hosen" die Republik zu erobern.

Ihre Debütsingles kamen rustikal daher: "Wir sind bereit" und "Reisefieber" haben die Hosen an nur einem Nachmittag in "Rudas Tonstudio" eingespielt, laut Band dem einzigen Ort, an dem sie nicht vorab bezahlen mussten, und ihr Wort noch etwas galt. "Keiner von uns konnte spielen. Andi hatte nur zwei Saiten auf dem Bass, und das Schlagzeug hatte keine Toms", erinnert sich Campino an diese Zeit. Im Herbst 1982 ging es zum ersten Mal auf Deutschlandtournee. Die Nachwuchscombo spielte für kleines Geld vor noch kleinerem Publikum. Für das erste Konzert im Bremer Schlachthof wurde die Band aufgrund eines Druckfehlers als "Die Toten Hasen" angekündigt.

Ein Vierteljahrhundert später ist alles anders. Deutschland ist wiedervereinigt, an der Spitze des Landes steht eine Frau, und die Toten Hosen sind neben den "Ärzten" die kommerziell erfolgreichste deutsche Band mit Punkrock-Wurzeln. Mehr als zehn Millionen Platten haben Hosen inzwischen verkauft, sie füllen die großen Hallen des Landes mühelos und waren Vorgruppe für Schwergewichte der Branche wie Rolling Stones, U2 oder AC/DC. Ach ja, und ihre Instrumente beherrschen sie inzwischen auch.

Anlässlich ihres 25. Bandjubiläums haben sich die Toten Hosen ihre alten Alben noch einmal vorgenommen und insgesamt 17 Tonträger - von Opelgang (1982) bis "Auswärtsspiel (2002) - auf zeitgemäße Qualität gebracht. Als Draufgabe gibt es auf allen CDs diverse Bonustracks - 141 sind es im Ganzen -, dazu eine Menge Fotos (Band: "von historisch wertvoll bis voll peinlich") und viele Interviews. Was die Band zu ihren alten Scheiben sagt, wie sie über Jungendsünden denkt und überhaupt über Punk, erzählen sie in einem Videobeitrag auf <stern.de</i>.

be