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Stimmen zum Eurovision Song Contest 2011: Viel Lob für die perfekte Show

Lena und Düsseldorf, Engelke und Raab - alle haben den ESC gerockt. Deutschland erwies sich als überzeugender Gastgeber. So sieht es auch Rest-Europa. Nur an Baku scheiden sich die Geister.

Von Ingo Scheel

Dabei musste man zwischenzeitlich Schlimmes befürchten. Lenas "Unternehmen Titelverteidigung" wurde zwiespältig beäugt, Raabs Installation als Sonnenkönig des Grand Prix brachte die Kritiker auf die Barrikaden. Auch die Wahl des Austragungsort wurde heftig diskutiert. Warum denn nur ausgerechnet Düsseldorf? Der Hauptstadt Berlin schien es wurscht zu sein, Hamburg maulte ein wenig – am Ende fügte man sich im Dienste der Sache. Als die Maschine Eurovision ins Rollen kommt, gibt es weitere Komplikationen. Beim ersten Halbfinale fällt minutenlang der Ton aus, Einschaltquoten, auch fürs zweite Halbfinale, sind alles andere als mutmachend.

Spätestens mit dem letzten Ton des aserbaidschanischen Siegersongs "Running Scared", in der Nacht vom Samstag auf Sonntag, atmete Deutschland, einig ESC-Land, dann geschlossen auf und durch. Hat doch alles bestens geklappt. Düsseldorf - und alle Beteiligten vom rockenden Raab über die energetische Engelke bis zur lasziven Lena - haben tatsächlich exzellent abgeliefert. So sieht es auch die "Neue Frankfurter Presse": "Die Stadt am Rhein hat in der perfekt umgebauten Arena mit Lichteffekten und einer wandlungsfähigen Bühne eine großartige Show hingelegt. (...) Und so wurde in Düsseldorf auch etwas von dem europäischen Gedanken wach, der in den notwendigen Diskussionen um die Eurokrise leider manchmal untergeht. Von der Idee eines harmonischen Zusammenlebens so vieler kulturell unterschiedlicher Nationen, die nicht vor Vorderasien und Aserbaidschan Halt macht."

Zwischen totaler Begeisterung und ungläubigem Staunen

Auch die "Süddeutsche" schaut über den Trällerrand und denkt gesamt-europäisch: "Eines bleibt - Europa ist ein vielschichtiger und in sich widersprüchlicher Kontinent, dem auch ein gut gemeinter Schlagerwettbewerb nicht zu einer Identität verhelfen kann." Auf die Formel "Titel verloren, Freiheit gewonnen" bringt es die "Hamburger Morgenpost".

Spitzzüngiger ging und geht es in den relevanten Chats und Foren zur Sache. Während etwa Userin Carmen Bergmann auf der Facebook-Seite von stern.de "die supertolle Show" lobt, watscht Dieter Kuhlmann das Ganze unversöhnlich ab: "Wieder mal ein Beweis dafür, dass die Qualität der Darbietungen beim ESC drittklassig sind und bestenfalls für ein Dorffest ausreichen." Gar nichts auszusetzen hat Susanne Schepers auf Facebook: "Die Eröffnung war so toll, dass wir ständig zwischen totaler Begeisterung und ungläubigem Staunen hin- und her gerissen wurden. Wir haben getanzt, gesungen und gefeiert. Danke, danke, danke an alle, die das zustande gebracht haben." Monika Tukaric schlägt in die gleiche Kerbe: "This was the best ESC ever! Thank you Germany!" FB-Mitglied Tülin Özbek konstatiert, und das trotz Halbfinal-Aus der Türken, auf einer der zahlreichen ESC-Seiten des Netzwerks genauso begeistert: "Der Abend in der Arena war wirklich grandios, super organisiert, tolle Show, habe noch bei keinem Konzert so einen tollen Sound erlebt. Schade, dass alles nun vorbei und Baku so weit weg ist".

Besser als Moldau und Georgien

Auch der "Schlagerblog", eine enthusiastische Community im britischen Birmingham, gibt die Höchstnote: "Douze points to Düsseldorf and Germany for a fab Eurovision

Das Flair einer italienischen Stadt

Richtung Baku blickt man in der internationalen ESC-Community "3minutes.me": "Kann Aserbaidschan diesen Wettbewerb überhaupt organisieren?" Und weiter: "Wird das Land einer armenischen Delegation die Einreise erlauben. Wird man für ihre Sicherheit garantieren können?" fragen die Macher der Seite und spielen auf den Krieg zwischen Aserbaidschan und Armenien von 1992 bis 1994 an. Heute herrscht ein Waffenstillstand, die Grenze zu Armenien ist geschlossen.

Einer, der es wissen müsste, ist Berti Vogts. Der Ex-Bundestrainer ist für die Fußball-Nationalmannschaft verantwortlich und hält das Land als Grand-Prix-Gastgeber für bestens geeignet. "Baku ist eine moderne Stadt, zu vergleichen mit einer italienischen Stadt vom Flair her." so Vogts, der im Grand Prix die Chance des Landes sieht, sich einer großen Öffentlichkeit zu präsentieren. "Der Staat wie auch der Präsident werden alles tun, um diese Leute jederzeit willkommen zu heißen."