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Fan-weh zu Freddy Quinns 80. Geburtstag Der Junge will nie wieder kommen


Der Sänger Freddy Quinn wird 80 Jahre alt. Statt Blumen und Karten wünscht sich der Träger des Deutschen Bundesverdienstkreuzes Privatsphäre.

"Junge, komm bald wieder": Die Fans von Freddy Quinn hoffen noch immer darauf. Doch der singende Seemann ist abgetaucht. Der Heim- und Fernweh-Sänger, dessen Namen Millionen Menschen bis heute mit Sehnsucht und Seefahrerromantik verbinden, hat sich in den vergangenen Jahren aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. "Freddy Quinn wird es nie wieder öffentlich geben", hatte er vor drei Jahren noch einmal angekündigt, "wenn ich sage, es ist Schluss, dann ist auch Schluss". Und der einstige Schlagerstar hält sich konsequent daran. So sehr, dass zu seinem 80. Geburtstag wieder viel spekuliert wird - bis hin zu der Frage: Wo steckt er eigentlich?

Wo lebt Freddy Quinn?

Wohnt er noch in Hamburg? Lebt der gebürtige Österreicher überhaupt noch in Deutschland? Quinn-Manager Werner Triepke gibt zumindest dazu Auskunft: "Ja, Freddy wohnt nach wie vor in Hamburg und es geht ihm gut", sagt er der Nachrichtenagentur dpa. "Doch er wird kein einziges Interview geben und auch nirgendwo zu seinem Geburtstag auftreten." Nicht einmal, wie der Jubilar feiern werde, wollte er verraten. "Freddy hält sich an das, was er gesagt hat", betont Triepke. Das Interview hatte Quinn damals der Zeitschrift "Neue Post" gegeben - einige Monate nach dem Tod von Lilli Blessmann, die nicht nur seine Managerin, sondern auch seine Lebensgefährtin gewesen sein soll.

Die jahrzehntelange Beziehung zu der Hamburgerin Blessmann, über die Quinn zum ersten Mal erst vor wenigen Jahren sprach, ist nur ein Punkt aus seinem Leben, um das sich viele Legenden ranken. Sein Privatleben riegelte der Künstler stets hermetisch ab.

Spurensuche

"Wer ist Freddy Quinn eigentlich?", fragt daher der Autor Elmar Kraushaar, dessen Buch über Quinn in diesen Tagen erschienen ist. "Ein unwahrscheinliches Leben" hat der Journalist und Schriftsteller die Biografie genannt, die keine Biografie im klassischen Sinne sei, sondern vielmehr eine Spurensuche. "Oder die Beschreibung der vielfältigen Versuche, sich einem Leben zu nähern und einem Phänomen, das von vielen Geschichten umstellt ist, Potemkin'schen Dörfern gleich..."

Kraushaars Spurensuche beginnt mit gleich drei möglichen Geburtsorten Quinns und endet mit dessen Rückzug aus der Öffentlichkeit. Porträts, Interviews, Berichte und Nachrichten mit und über den Entertainer wertete er aus. "So viele Widersprüche waren in den verschiedenen Darstellungen aufgetaucht, so viele Zeitläufe, die nicht zueinander passten, so viele Namen und Daten, die immer neu gemischt und neu verteilt wurden", schreibt er und zitiert Quinn selbst mit dem Satz: "Die Lügen und die Halbwahrheiten kommen von den Journalisten und den Produzenten."

Quinn traf das Gefühl einer Generation

Fest steht, dass der Österreicher weit weg vom Hamburger Hafen 1931 auf die Welt kam. Er selbst gibt Wien als Geburtsort an - "für einen Möchtegern-Hanseaten wie ein Geburtsfehler", sagte Quinn mal, "aber zumindest wurde ich in Hamburg gezeugt". In den 50er Jahren verschlug es den jungen Mann in die Hansestadt. Zur See gefahren sei er aber "nie so richtig, auch wenn es von meiner Plattenfirma so propagiert wurde", betonte er selbst später. TV-Regisseur Jürgen Roland ("Stahlnetz", "Großstadtrevier") entdeckte den Sänger in der "Washington-Bar" auf St. Pauli, bald darauf begann für Quinn eine "neue Zeitrechnung", denn er unterschrieb seinen ersten Plattenvertrag.

In Liedern wie "Junge, komm bald wieder" oder "Heimweh" ("Brennend heißer Wüstensand") sang er von Abschied und Heimkehr - und damit den Menschen in der Nachkriegszeit aus der Seele. Wie kein anderer weckte Quinn die Sehnsucht nach fremden Häfen und thematisierte die Einsamkeit an Orten fern von Daheim.

Perfekt entsprach er dem Idealbild des Seemanns, seine melancholischen Lieder trafen den Nerv der Zeit. Als Sänger landete Quinn zahlreiche Hits und heimste Trophäen ein, als Schauspieler stand er vor der Kamera ("Freddy, die Gitarre und das Meer") ebenso wie auf der Bühne ("Heimweh nach St. Pauli"), als Artist zog es ihn in die Manege zurück - mal balancierte er ungesichert über Hochseile, mal trat er mit Raubtieren im Käfig auf.

Die Schattenseiten

Einer der unangenehmsten Momente im Leben des Showstars, dessen Lieder längst Klassiker sind und der rund 60 Millionen Tonträger verkaufte, folgte im Jahr 2004: Das Hamburger Landgericht verurteilte ihn wegen Steuerhinterziehung von 900.000 Euro zu einer Bewährungsstrafe und 150.000 Euro Geldbuße. Er habe seinen Hauptwohnsitz jahrelang in der Schweiz gehabt, die meiste Zeit aber bei seiner Partnerin Blessmann in Hamburg gelebt. Unter Tränen zeigte er Reue und sagte nach dem Prozess: "Ich hoffe, dass meine Fans mir verzeihen." Der Künstler selbst verriet einmal, dass er seine ganze Laufbahn "minutiös schildern" könne. Unangenehme Dinge vergesse er jedoch - "das ist eine Gnade".

Dorit Koch, DPA DPA

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