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Festival-Saison: Hart, laut und erfolgreich

Mit über 130.000 Besuchern bei den beiden Festivals "Rock am Ring" und "Rock im Park" wurde in Deutschland die Festival-Saison eingeleitet.

"Metallica" und "Marylin Manson", "Placebo", "Audioslave", "Iron Maiden" und "Dave Gahan". Schon lange nicht mehr war das Lineup von "Rock am Ring" mit so vielen namhaften Rockstars besetzt. Mit über 130 000 Besuchern bei den beiden Festivals "Rock am Ring" (Nürburg) und "Rock im Park" (Nürnberg) wurde in Deutschland die Festival-Saison eingeleitet. Konzeptumstellungen im musikalischen, sowie im organisatorischen Bereich haben sich am Ring bezahlt gemacht.

Höhepunkt "Metallica"

Höhepunkt am Nürburgring war der Auftritt der US-Metal-Gruppe "Metallica". Die vier Musiker präsentierten ihr neues Album "St. Anger". Abschluss des Gigs, sowie des Festivals in der Eifel war eine atemberaubende Feuerwerksshow der Ur-Metaller. Es war zugleich der letzte von drei Auftritten von "Metallica" für dieses Jahr in Deutschland. Zuvor hatte Marilyn Manson mit einem provozierenden Schock-Rock-Programm das Publikum in Bann gezogen.

Gute Stimmung trotz leichter Schauer

Trotz vereinzelter Schauer war die Stimmung unter den Rockfans am Sonntag ungetrübt. Verwöhnt vom Sommerwetter der ersten beiden Festivaltage freuten sich viele über eine Abkühlung. Am Samstagabend hatte "Placebo" die Massen vor der Center-Stage fest in der Hand. Kurzfristig für "Linkin Park" eingesprungen, zeigten die Briten zu einer phänomenalen Lichtshow, das auch zu ihrem aktuellen Album "Sleeping with Ghosts" durchaus abgerockt werden kann. Chartstürmer "Evanescence" war sichtlich begeistert von ihrem Auftritt am Sonnabend Nachmittag. Sängerin Amy Lee habe noch niemals im Leben so viele Menschen auf einmal gesehen. Am Ende ihres ersten Deutschlandsauftritts versprachen die vier Amerikaner: "Wir kommen bald wieder!".

Kaum Sachbeschädigungen

In diesem Jahr war am Ring die Camping- und Parkgebühr im Ticket integriert. Außerdem gab es eine Neuordnung auf den Campingplätzen. Zelt- und Parkzonen sind strikt getrennt. Dies führte nach Auffassung von Polizeichef Wolfgang Bula dazu, dass sich die Sachbeschädigungen von 20 im Vorjahr auf vier reduziert haben. "Es ist wesentlich ruhiger geworden". Auch die Zahl der Verkehrsunfälle sei deutlich zurückgegangen. Überschattet wurde das Festival von einem Unfall auf einem Campingplatz am in der Nacht auf Freitag. Dabei wurden zwei Personen schwer verletzt. Sie seien aber nicht mehr in Lebensgefahr.

"First Class Festival"

"Wir haben massiv in die sanitären Anlagen investiert", sagt Festival-Organisator Marek Lieberberg. So seien über 300 wassergespülte Toiletten installiert worden. Außerdem seien die Anzahl der Duschen und Wasserstellen erhöht worden. Lieberberg sei so den Anregungen entgegen gekommen, die auf einem Fanforum im November vergangenen Jahres an ihn herangetragen wurden. "Wir sind ein first class Festival, aber keine first class Hotel", so Lieberberg. "Rock am Ring" sei sehr fanorientiert, dies hätten zahlreich punktuelle Veränderungen gezeigt. Außerdem habe sich Lieberberg in diesem Jahr vor Ort bei den Besuchern informiert. "Ich habe mich richtig weit hinein getraut in die Camps", so Lieberberg. Er habe mit den Leuten gesprochen und sich auch mal angesehen, wie eine Festivaltoilette aussehe.

Zukunft: hard'n'heavy

Auf die Frage, ob "Rock am Ring" und "Rock im Park" hard'n'heavy-Festivals werden, antwortete Lieberberg, dass er mit dem diesjährigen Line-Up lediglich den Zeitgeist treffen wollte. Im vergangenen Jahr standen unter anderem Lenny Kravitz, Neil Young sowie Carlos Santana als Top-Acts am Ring. Mit nur knapp über 50 000 Besucher am Ring zeigte sich Lieberberg im vergangenen Jahr nicht zufrieden. Auch den Wegfall der Comedy-Bühne begründete Lieberberg mit mangelndem Interesse bei den Festival Besuchern und dem mangelnden Angebot in Deutschland: "Die Deutschen und die Komik ist ein kurzes Geschichtsbuch".

Für das kommende Jahr würde Lieberberg gerne die "Red Hot Chilli Peppers" an den Ring holen. Auch "System of a down" oder "ACDC" würde der Festival-Vater gern in der Eifel sehen. "Je nach dem, wer für einen Auftritt zur Verfügung steht." "Wir müssen auch Ecken und Kanten zeigen, die das Publikum sehen will", sagte Lieberberg.

Nigel Treblin