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Indierock-Festival in Kalifornien: Wie Coachella zum Fest für die Superreichen verkommt

Lobster und Privatjets, VIP-Pässe und abgesperrte Bereiche für Leo DiCaprio und seine Promi-Freunde. Das alternative Coachella-Festival ist zum Treffpunkt für die Superreichen geworden.

Von Frank Siering, Los Angeles

Einmal im Jahr wollen die Hollywood-Promis so richtig "cool" sein. Dann tauschen sie die Designer-Robe vom roten Teppich gegen löchrige Jeans und Rolling-Stones-T-Shirt und pilgern in die kalifornische Wüste. Denn einmal im Jahr ist "Coachella-Time". Am Wochenende war es wieder so weit.

Das Coachella Music and Art Festival wurde vor 15 Jahren ins Leben gerufen. Für zwei Wochenenden im April spielen die Bands für ihre Fans in der Wüste auf. Einst als modernes Woodstock für eingefleischte Musikfanatiker bezeichnet, ist die Veranstaltung auf dem Gelände des Indio Empire Polo Clubs heute längst zum Schampus-Fest für Hollywoods Haute­vo­lee mutiert.

Heute sponsern riesige Unternehmen VIP-Lounges in den nahegelegenen Luxushotels von Palm Springs, in die Promis wie Katy Perry, Kate Hudson oder Julianne Hough angeblich gegen ein kleines Antrittsgeld eingeladen werden. Da legen dann Paris Hilton oder irgendwelche Kardashian-Schwestern Platten auf - auf einer von einem Getränkehersteller oder einem Modehaus finanzierten Poolparty.

Sushi im Wüstensand

VIP-Pässe im Wert von mehreren tausend Dollar werden verkauft, selbstverständlich mit Cocktail-Privilegien. Der VIP-Parkplatz in der Wüste kostet dann aber extra. Ein Gourmet-Paket ist im Ticket-Angebot mit drin. Für betuchte Musikfans, die sich nicht mit Hot Dog und Pommes zufrieden geben wollen und auch im Wüstensand auf ihr frisches Sushi nicht verzichten wollen. Der stolze Preis: 1024 Dollar.

Die "Los Angeles Times" bezeichnet das Festival, das einst ob seiner Freizügigkeit und Hippie-Atmosphäre so viel kreativen Zuspruch gefunden hatte, heute als eine Art "Spring-Break-Resort hinter den hohen Mauern der Luxushotels von Palm Springs".

Sicher, die Stars und Sternchen schauen von ihrer Luxus-Suite in Palm Springs auch mal rüber zum Konzertort und machen dort dann ein paar "Selfies", die sie schnell auf ihre Facebook- oder Instagram-Seite stellen. Meist mit Kommentaren wie "@Coachella, cool" oder "Music roxx”. Kommt bei der Fanbasis und den anschließenden Interviews in den Late Night Shows immer gut an.

Ein Zelt mit Privatpool, bitte!

Doch die Wahrheit von Coachella sieht anders aus. Zwei Tickets für das klimatisierte "Safari-Zelt" kosten heute 6500 Dollar. "Solche Preise können sich normale Konzertbesucher nicht mehr leisten, das zieht die reichen Promis an", sagt Ellie Meyer, die für die Firma "Marketing Werks" Musikonzert-Veranstalter berät.

Zu Woodstock-Zeiten noch undenkbar, heute bei Coachella eine Selbstverständlichkeit: der Schönheitssalon auf dem Campus, in dem sich sonnengestresste Fans schnell das Make-up neu auflegen lassen können. Dazu: Zelte mit privaten Swimmingpools, Celebrity-Köche (bekannt aus Funk und Fernsehen), angeheuerte Bodyguards. Fast scheint es, als sei Coachella heute bewusst auf die immer häufiger anreisende Hollywood-Prominenz ausgerichtet.

Und die lässt sich nicht lange bitte: Selena Gomez, Zac Efron und auch die einstigen "Twilight"-Stars Ashley Greene und Kellan Lutz waren am ersten Wochenende vor Ort. "Coachella ist immer total spaßig", freute sich Schauspieler Jesse Metcalfe, der einst in der TV-Serie "Desperate Housewives" mit seinem Waschbrettbauch auf sich aufmerksam machte. Und Leo DiCaprio ließ sich gar beim Tanzen vor einer der Bühnen fotografieren - bevor er schnell wieder in die Limo stieg und zur Party von Modedesigner Marc Jacobs abdüste. Der hatte schließlich zu einer "heißen Coachella-Fete" eingeladen - fernab der lauten Musik in der Wüste, versteht sich.