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Konzertfilm "Celebration Day": Es gibt Bands - und es gibt Led Zeppelin

300 Millionen verkaufte Alben und eine Fanbase so treu wie Gold stehen für die "größte aller Rockbands". Warum man diesen Konzertfilm einer einmaligen Reunion unbedingt sehen muss, erklärt

Sophie Albers

20 Millionen Menschen wollten dieses Konzert sehen. Das kann man sogar im Guinness Buch der Rekorde nachlesen. Nie zuvor war die Ticketnachfrage so groß wie 2007, als Led Zeppelin am 10. Dezember für eine einmalige Reunion in der O2-Arena in London nach 32 Jahren wieder auf die Bühne gestiegen sind. 20.000 wurden schließlich Zeuge des historischen Ereignisses. Die Tickets wurden ausgelost. Für den Rest gibt es nun einen Konzertfilm, der sogar Ahnungslose zu Fans macht.

Denn es gibt Bands - und es gibt Led Zeppelin. Diese Ikonen der 70er, die unsere Vorstellung von einer Musik-Ära prägen, die wir nur aus Erzählungen und Filmen kennen. Die dem Rock zum Metal verholfen haben. Ohne die es weder die White Stripes noch Rage against the Machine gegeben hätte. Die im Privatjet zu ihren ewig ausverkauften Riesenkonzerten flogen. Die aus Prinzip Hotelzimmer zerlegt haben sollen. Die den Rockstar-Traum gelebt haben, von dem der wunderbare Film "Almost Famous" erzählt. Bei denen es bei allen Skandalen aber immer nur um eines ging: die Musik. Das sagen jedenfalls die, die dabei waren. Und das zeigt sehr eindringlich "Celebration Day", dieses historische Dokument einer Band, die 1980 auseinanderging, nachdem ihr Drummer den Rockstartod gestorben ist.

Im Sturm aus heißgeliebten Tönen

Für die Reunion saß der Sohn von John Bonham am Schlagzeug und machte seinem Vater alle Ehre. Ganz wie Bonham Senior bearbeitet Jason die Felle mit einer Intensität, für die Timbaland heute 35 Samples braucht. Jason Bonham wisse mehr über die Musik von Led Zeppelin als jeder sonst, sagte Bassist John Paul Jones am Montag in Berlin. Er wisse, wie sie welches Stück auf welchem Konzert in welchem Jahr gespielt hätten. "Google Bonham", nennt er ihn und lacht.

Schon die kleine, inoffizielle Berliner Premiere von "Celebration Day" wird zum Fan-Fest. Musikjournalisten, Labelmitarbeiter, Gäste johlen und klatschen, als stünden sie tatsächlich vor einer Bühne im Sturm aus heißgeliebten Tönen. Ein halbes Riff genügt, um ein Stück zu erkennen. Andächtige Stille beim Klassiker "Stairway to Heaven", den sogar die kennen, die Led Zeppelin nicht von ZZ Top unterscheiden können. "Es gibt Stücke, die wir einfach spielen mussten", sagt Jones. Das sei eine Verpflichtung gegenüber dem Publikum. "Kashmir" habe sich auf der Bühne übrigens "verdammt fantastisch" angehört. Sein liebster Moment sei aber am Ende des Konzerts gewesen, sagt der permanent entspannt lächelnde Jones, "als ich wusste, dass wir es geschafft haben".

Eine einzige Chance

Anders als andere Ex-Ikonen, die pausenlos Reunion feiern oder die sich an die Bühne klammern wie ans Leben, war Robert Plant, Jimmy Page, Jones und Bonham von Anfang an klar, dass es nur dieses eine Konzert geben werde. "Wir wollten nicht mal über mehr nachdenken", sagt Jones. Vor allem Plant wehrt sich gegen eine Wiederbelebung, die ihnen in regelmäßigen Abständen immer wieder angeboten werde. Diese "alten, alten Songs" seien die "Worte eines jungen Mannes", so Plant im Interview mit dem "Guardian". "Nichts von dem, was ich damals getan habe, hatte mit dem Kopf zu tun." Früher sei er ein Rock'n'Roll-Sänger gewesen, heute sei er Sänger.

Den Rock'n'Roll-Sänger beherrscht Plant aber trotzdem noch sehr gut, auch wenn er auf das Gepose am Bühnenrand völlig verzichtet. Während Page unter der mittlerweile weißen Mähne grinst wie einst und von Song zu Song jünger zu werden scheint, schmeisst Plant seine immer noch prächtigen Locken wie früher nach hinten und geht auf in der Musik, die ihn berühmt gemacht hat. Wirklich auffällig ist, wie eng die Band zusammensteht. Jones, Plant, Page, Bonham verlieren sich nie aus den Augen, sie lachen zusammen, reden sogar kurz. Die perfekte musikalische Einheit entsteht, wenn sie durch die Musik kommunizieren. "Wenn man einander nah ist, macht man die beste Musik", sagt Jones. Denn "auf der Bühne geht es nur um die Musik, die Musik, die Musik."

Ein "Bootleg-Gefühl"

Und Filmregisseur Dick Carruthers hat für diese Musik um der Musik Willen, die alle erdenklichen Einflüsse einst so genial zusammengeführt hat, genau die richtigen Bilder gefunden. Eingeschnittene Super-8-Aufnahmen vom Bühnengeschehen geben der Show eine Art Instagram-Ästehtik, ein "Bootleg-Gefühl", das Gestern und Heute elegant verschmelzen lässt. Plötzlich wird die Musik sogar in einem Kinosaal fühlbar. Das bis zur Unkenntlichkeit verkrustete Wort Intensität wird Sandstrahl-behandelt.

Es sei nie ums Publikum gegangen, sondern um "vier Typen, die in dem, was sie tun, total aufgehen", sagt Carruthers, der auch schon mit den White Stripes, Van Morrison und Oasis gearbeitet hat. Und dann, kurz bevor der Film losgeht und die Spannung im Saal zu spüren ist, lächelt er sehr breit und sagt: "Es wird laut, und ich entschuldige mich nicht dafür!"

"Celebration Day" kommt am 17. Oktober in die Kinos und erscheint am 16. November auf DVD.