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Mike Love im Interview: Die Beach Boys surfen wieder

Nach über vierzig Jahren Ruhe geht die kalifornische Band wieder auf Tour. Sänger Mike Love erklärt, wie die Rentner in Deutschland noch einmal für Good Vibrations sorgen wollen.

"The Beach Boys" haben mit "That's Why God Made The Radio" ein Album aufgenommen und feiern ihr Comeback mit einer gemeinsamen Welttournee - in einem Alter, in dem andere in Rente gehen. Und plötzlich scheint wieder alles so zu sein, wie früher, wie Gründungsmitglied, Songschreiber und Sänger Mike Love, 71, gut gelaunt verrät.

Glückwunsch, Mr. Love, zu Ihrer Comeback-Tournee. Erinnern Sie sich noch an Ihre Anfänge?

Ja, tatsächlich kann ich das. 1962 brachten wir den Song "Surfin' Safari" über Capitol Records heraus, und der wurde ein recht ordentlicher Hit. Wir tourten durch das ganze Land, aber ich erinnere mich besonders an eine Geschichte im Mittleren Westen. Wir waren im Ballroom in Minnesota und hatten vier Sets am Abend vor uns, jeweils 45 bis 50 Minuten lang mit zehn bis 15 Minuten Pause dazwischen. Wir waren also für über vier Stunden dort. Nach dem zweiten Set gingen mein Cousin Brian und ich vor die Tür, um frische Luft zu schnappen. Der Laden war nämlich so überfüllt, dass die Leute sogar die Fenster einschlugen, um noch in den reinzukommen. Wir schauten die Straße herunter und sahen trotz Dunkelheit wegen ihrer Lichter eine Schlange von Autos vor uns, die mindestens eine Meile lang war. Es war unglaublich voll, alle wollten uns sehen. Und ich sagte zu Brian: "So ähnlich muss es gewesen sein, als Elvis begann!"

Was waren die Höhepunkte dieser Beach Boys, Phase eins?

1966 zum Beispiel ging "Good Vibrations" auf Platz eins in den USA und in Großbritannien. Deshalb wurden wir dort als beste Rockgruppe gewählt, auf Platz zwei die Beatles, auf Platz drei die Stones. Das war schon sehr besonders. Im gleichen Jahr noch kam "Pet Sounds" heraus. Das war ein ganz schönes Jahr für die Beach Boys. Über all die Jahre hatten wir so viele Hitalben - ich glaube, wir haben nie darüber nachgedacht, was wir erreichen wollen. Wir hatten kein Ziel, es war einfach eine Evolution.

Und die Tiefpunkte?

Das einzig Negative resultierte aus dem Einfluss von Drogen auf manche Mitglieder. Natürlich Brian Wilson, auch seine Brüder Dennis und Carl. Ich selbst, Bruce und Allen hielten uns fern von diesen harten Drogen. Die anderen nicht. Das war der unangenehme Teil für mich. Den Einfluss von LSD und anderen Drogen auf einige von uns bereue ich am allermeisten.

Wie muss man sich die Entstehung eines neuen Albums vorstellen: Treffen Sie sich mit Ihren Jungs im Proberaum, jammen rum und gehen danach in die Kneipe, wie 20-jährige?

Wir kamen ins Studio und Brian hatte schon ein paar Tracks angefertigt. Er bat mich, zu einigen davon die Texte fertigzustellen. Das tat ich. Wenn wir ins Studio gehen, weiß Brian ganz genau, wer wo welche Stärken hat. Wer den Bass und wer die Leadgitarre spielt. Auch in den Harmonien hat jeder einen Platz, den er am besten ausfüllt. Bruce etwa kann superhoch singen, Brian auch. Wir passen perfekt zusammen. Als wir für den Titelsong "That's Why God Made The Radio" den Gesang aufgenommen hatten, hörte ich ihn mir im Studio noch mal an und fühlte mich plötzlich, als schrieben wir wieder das Jahr 1965.

Und was hält ihr Körper jetzt davon, mit 71 Jahren wieder auf Tour zu gehen?

Touren ist für uns recht einfach und angenehm, weil wir eine exzellente Crew und eine exzellente Band haben. Alles, was wir tun müssen, ist es am späten Nachmittag oder frühen Abend zum halbstündigen Soundcheck zu schaffen. Dann spielen wir unsere Show mit rund einer Stunde Musik, zwanzig Minuten Pause und noch einer weiteren Stunde Musik. Es ist immer noch toll. Wir reisen an Orte, an denen wir schon einmal waren, und das sehr erfolgreich. In Europa stehen auch noch Spanien und Italien stehen auch auf dem Plan.

Klingt fast so, als könnten Sie sich diesen Lebensstil noch für die nächsten 15 Jahre vorstellen.

Tony Bennett zum Beispiel ist 85 Jahre. Vor ein paar Monaten kam er mit einem Duettalbum um die Ecke, und es chartete gleich auf Platz eins. Das ist doch mal beeindruckend! Er klingt toll, ist in guter Form, hält sich fit. Er ist ein Beispiel einer Person im fortgeschrittenen Alter, die das Singen noch genießt. Und dem Publikum gefällt es auch noch. So lange du den Wunsch danach, die Gesundheit und die Energie dafür hast, gibt es keinen Grund, nicht zu tun, was du gerne tust und schon dein ganzes Leben getan hast. Für uns ist Musik unsere Art des Lebens. Sie war für uns schon tägliche Familienrealität, bevor wir die Beach Boys gründeten und Gesang und Harmonien wegen ein paar Hitaufnahmen zu einem Beruf wurden.

"The Beach Boys" auf Deutschland-Tournee

03.08., Berlin, O2 Arena
04.08., Stuttgart, Schleyerhalle
05.08., Mönchengladbach, Hockey Park

Fabian Soethof, Teleschau / TELESCHAU