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USA: Soul-Legende Ray Charles gestorben

Ray Charles, einer der Begründer der Soulmusik, ist tot. Der blinde Musiker starb mit 73 Jahren in seinem Haus in Los Angeles.

Seine Familie und die engsten Freunde hätten Ray Charles in seinen letzten Stunden zur Seite gestanden, teilte sein Sprecher Jerry Digney mit. Sängerin Aretha Franklin würdigte die "einmalige Stimme" des "sagenhaften Mannes". "Er war ein fabelhafter Mann, voller Humor und Witz", sagte die Soul-Königin weiter. "Ein Gigant als Künstler, und vor allem, er brachte der Welt den weltlichen Soul."

Er habe einen seiner besten Freunde verloren und werde ihn sehr vermissen, sagte Country-Star Willie Nelson, der noch vor wenigen Monaten den Song "It Was A Very Good Year" gemeinsam mit Charles aufnahm. Amerika habe eine "große Kostbarkeit" verloren, erklärte Soul-Sänger James Brown.

Er erschloss musikalisches Neuland

Lieder wie "What'd I Say", "Hit The Road Jack", und "Georgia On My Mind" machten Ray Charles zur Legende. Er durchbrach die musikalischen Grenzen von Gospel und Blues, erkundete die Gefilde von Country, Jazz und Big Band. In den 50er Jahren erschloss er mit dem Hit "I Can't Stop Loving You" der Popmusik Neuland, auf das ihm viele Künstler folgten. Das trug ihm insgesamt zwölf Grammys ein. 1986 wurde er dann in die Rock’n’Roll Hall of Fame aufgenommen.

Ray Charles war Ende April das letzte Mal in der Öffentlichkeit erschienen. Sichtlich geschwächt, in einem Rollstuhl sitzend, nahm er an der Seite von Clint Eastwood an einer Feier teil, bei der sein vor 40 Jahren gebautes Studio in der Mitte von Los Angeles zum historischen Denkmal erklärt wurde. Im letzten Sommer brach der Sänger aus gesundheitlichen Gründen eine Konzert-Tournee ab und musste sich im Herbst einer Hüftoperation unterziehen.

Er stammte aus ärmsten Verhältnissen

Höhen und Tiefen durchwanderte er beruflich wie privat. Charles, in ärmsten Verhältnissen am 23. September 1930 in Albany/Georgia geboren, erblindete bereits mit 6 Jahren nach einer Augenerkrankung und war mit 15 Vollwaise. Schon bald darauf begann er seine Musikerlaufband mit Auftritten in Florida. Seine erste Schallplatte ("Baby, Let Me Hold Your Hand") erschien 1951.

Nach einer Festnahme im Jahr 1964 gestand er, schwer herioinabhängig zu sein. Er hatte bereits im zarten Alter von 16 Jahren begonnen, Heroin zu nehmen. Die Sucht hätte ihm fast die Karriere zerstört. In den 70er Jahren geriet der Musiker in eine Krise, aber in den den 80er Jahren gelang das künstlerisch überzeugende Comeback. In einem berühmten Kurz-Auftritt im Film "Blues Brother" aus dem Jahr 1980 spielte er einen Musikladen-Besitzer.

"Mein Stil verlangt reines Singen aus dem Herzen"

"Ich habe mich nie als ein Teil des Rock 'n' Roll betrachtet. Mein Material war zu erwachsen", erklärte er in seiner 1978 erschienen Autobiographie "Brother Ray". "Weil ich die Leute nicht tanzen sehen konnte, schrieb ich keine Jitterbugs und Twists. Ich schrieb Rhythmen, die mich bewegten. Mein Stil verlangt reines Singen aus dem Herzen." 1986 sagte er der Los Angeles Times, dass er ein "besonders gesegnetes Individuum" sei. "Wenn ich morgen sterben sollte, könnte ich sagen, dass ich ein gutes Leben hatte."

AP, DPA, Tim Schulze / AP / DPA